Blog-Beitrag

A-Capella statt Gewehre

Von Ehemalige Mitarbeitende am
Bild von Ehemalige Mitarbeitende
Ehemalige Mitarbeitende
mehr zur Person

Schon um 19 Uhr waren  die Schattenplätze am Stuttgarter Schlossplatz gut besetzt. Ganz Schlaue hatten Regenschirme dabei, um der immer noch kräftigen Abendsonne am Freitag zu trotzen. Das lauschige Kirchentags-Sommerkonzert der füenf mit der Vorgruppe Phrasenmäher konnte beginnen.

Die Phrasenmäher, drei Jungs aus Hamburg, gestalteten ihren Auftritt norddeutsch trocken: „Wir sind aus Hamburg, wir kommen mit der Hitze nicht zurecht, wir sterben heute auf der Bühne“. Taten sie aber nicht, sondern boten rockige, Funk- und Swing-Titel mit hintergründigen Texten, wie etwa das Stück: „Wenn ich hinten sitze, passiert mir nichts“.

füenf als neue Boschafter

Je kühler der Abend wurde, desto mehr Menschen strömten zu dem kostenlosen Konzert. Viele von ihnen offensichtlich eingefleischte Fans der füenf, der A-Capella-Band aus Stuttgart. Die Musiker Justice, Pelvis, Memphis, Little Joe und Dottore Basso sind Botschafter der Brot-für-die Welt-Aktion „Musik zum Teilen“ und nehmen ihr Botschafter-Amt sehr ernst. Bereits hinter der Bühne gaben sie bereitwillig Auskunft über ihre Motive und hatten sogar noch Tipps für müde Sängerkehlen bereit: „Pfefferminztee trinken“. Ihnen ist die Unterstützung der Aktion und damit die Förderung des Ausbildungsprojekts unter dem Motto „Gitarren statt Gewehre“ eine Herzensangelegenheit. Sie hätten schon einmal privat ein Hilfsprojekt unterstützt, aber dann sehr lange nichts gehört, was eigentlich aus dem Geld geworden sei. Bei Brot für die Welt hätten sie das gute Gefühl genau zu wissen, wo das Geld hinkomme.

Doppelt gute Wahl: musikalisch und menschlich

Die füenf sind auch aus einem zweiten Grund sehr gute Botschafter. Mit ihrem reichhaltigen Repertoire spiegeln sie sozusagen die Bandbreite der Chormusik. Sie setzen ein klingendes Zeichen der Solidarität zum Nachahmen. Während des Konzerts kamen dann auch viele Interessierte an den Info-Stand von Brot über die Welt und wollten wissen, ob es denn irgendwelche musikalischen Vorgaben gäbe, um sich an der Aktion zu beteiligen. Nein, die gibt es nicht. Alle Sängerinnen und Sänger, Chöre, Orchester und Bands sind willkommen, mit ihrer Musik, die Herzen der Menschen für andere zu öffnen – mit Musik und Gesang in Kirchen, Konzerthallen, auf der Straße, überall.

Gitarren statt Gewehre

Den füenf gelang das bei ihrem Open-Air-Konzert mit Charme und Wortwitz und irrsinnigen neuen Texten zu bekannten Melodien. Ob nun zu Ohrwürmern der Neuen Deutschen Welle wie Sternenhimmel von Hubert Kah oder Major Tom von Peter Schilling, ob in einem Potpourri von Patrick Lindner-Liedzeilen oder mit „Jenseits von Emden“. Die Stilrichtung reicht von karibisch, über afrikanisch bis zu einem Hauch Gregorianik. Und die „tollsten Hechte der Welt“ (Eigenwerbung) spannten trotzdem den Bogen zum Projekt von Brot für die Welt, das leider keinen fröhlichen Hintergrund hat.

„Musik zum Teilen“ unterstützt ein Projekt in der Demokratischen Republik Kongo. Dort wurden Zehntausende Kinder zum Dienst an der Waffe gezwungen, als Kindersoldaten. Ein Ausbildungszentrum der Baptisten in Bukavu hilft ihnen, Straßenkindern, Opfern sexueller Gewalt und ledigen Müttern, sich ein Leben in Frieden aufzubauen. Die meisten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten nie eine Chance, einen Beruf zu erlernen. Sie erhalten mit Unterstützung von Brot für die Welt eine neue Perspektive als Gitarrenbauer, in der Informationstechnik, im Metallbau und in der Ziegelherstellung.

Schwäbisch für Anfänger

Nach einem kurzen Film aus dem Projekt bewiesen die fünf der füenf, wie international ihr Repertoire ist und dass sie eine Band zum Mitmachen sind. Die Schwaben vor der Bühne und die Gäste des Kirchentags aus aller Welt zogen mit. Ein Wechselgesang auf schwäbisch (auf Hochdeutsch etwa „Rege ich Dich auf?“ „Na, sag schon“) brachte selbst Gäste aus Asien und Afrika dazu, es auf schwäbisch zu versuchen und in den Dialog mit der Bühne einzusteigen. Der Pop-Mix „Horst“ unter Nutzung von Stücken von Tina Turner, den Beatles, Meat Loaf, Roxette, Whitney Houston und vielen andren, riss den Schlossplatz dann endgültig mit.

„Mir im Süden“ zum kostenlosen Download

Den lokalpatriotischen Höhepunkt bewahrten die füenf fürs Finale: die Schwabenhymne „Mir im Süden“. Gefühlte 20.000 Konzertbesucherinnen und -besucher – viele davon textsicher – lauschten vergnügt. Zum exklusiven und kostenlosen Download steht die Schwabenhymne der füenf „Mir im Süden“ bis Ende nächster Woche bereit

 

Helfen Sie mit einer monatlichen Spende: Fördermitglied werden