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20 Jahre nach dem Genozid: Ein Blick auf Ruanda

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Der Völkermord an den Tutsi in Ruanda schockierte 1994 die ganze Welt. Es war ein extremistisches Regime im Namen der Hutu-Mehrheit, das  in rund 100 Tagen mindestens eine Million Menschen niedergemetzelte. Aber es wurden auch gemäßigte Hutu ermordet. Ein Krieg forderte weitere Opfer.

Podiumsdiskussion bei Brot für die Welt

Wie leben die Menschen 20 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda? Wie steht es um die Versöhnungsarbeit, welche Herausforderungen gibt es? Welche Auswirkungen gab es in der Region? Um diese Fragen ging es bei einer Podiumsdiskussion, veranstaltet vom Ökumenischen Netz Zentralafrika und von Brot für die Welt.

Der lange Schatten des Völkermords

Jean Baptiste Bizimana, Koordinator der ruandischen Nichtregierungsorganisation Association Modeste et Innocent (AMI), bezeugt, dass Zentralafrika unter dem langen Schatten des Völkermordes leidet: „Die Folgen  des Bürgerkriegs sind in Rwanda und in der Region immer noch stark.“

Die Organisation AMI mit Sitz in Butare setzt sich für einen stabilen und dauerhaften Frieden in der ruandischen Gesellschaft ein. Sie stärkt die Menschen in ihrem Projektgebiet durch gruppentherapeutische Arbeit und gemeinsame praktische Aktivität. In diesen Gruppen sprechen sich Opfer des Völkermords mit aus Tätern, die aus den Gefängnissen entlassen wurden, aus, sodass sie einen  friedlichen Umgang finden und in Nachbarschaft versöhnt leben und sogar zusammen arbeiten können. Jean Baptiste Bizimana unterstrich: „Wir wollen einen Raum schaffen, in dem die Menschen nicht zwangsweise miteinander leben, sondern sich bewusst für ein Zusammenleben entscheiden.“ Wichtig sei ein „ehrlicher Dialog“, über die Grausamkeiten des Genozids, seine Ursachen und die Folgen. Leicht falle das niemanden: „Es ist ein schwerwiegendes Thema – auch 20 Jahre danach.“

Auch an die Täter denken

Auch wenn es schwerfällt: Der Koordinator von AMI plädierte dafür, auch die Täter von damals im Blick zu behalten: „Sie haben getötet, sind innerlich zerstört und haben ein schlechtes Gewissen.“ Nach Entlassung aus dem Gefängnis würden sie meist an den Rand gedrängt und isoliert Die meisten Völkermordüberlebende sind sehr arm und einsam. Beide keine guten Voraussetzungen für eine Aufarbeitung und ein friedliches Zusammenleben. In den Gruppen kann jedes Mitglied sein Schicksal erzählen, und die anderen hören zu. Auch wenn es schwer vorstellbar sei – es gebe in Ruanda heute eine klare Bereitschaft zur Versöhnung.

Katholische Kirche setzt auf Friedensarbeit

Abbé Melchior-Edouard Mombili, Generalsekretär des Verbandes der katholischen Bischofskonferenz Zentralafrika (ACEAC), die den Austausch zwischen katholischen Bischöfen aus Burundi, DR Kongo und Rwanda organisiert, sagte zur Friedensarbeit der katholischen Kirche: „Wir wollen die Menschen dazu bringen, dass sie als Kinder Gottes zusammenleben, trotz unterschiedlicher politischer Einstellungen.“ Dazu macht sich ACEAC für Gerechtigkeit und Frieden stark: „Die Kirche ist wachsam und fördert die Menschenwürde.“

DR Kongo: Schwacher Staat, geschwächte Region

Aloys Tegera vom Pole-Institut in Goma, das sich mit Konflikten um Rohstoffe, Fragen der Regierungsführung und Identität in der DR Kongo beschäftigt, wies darauf hin, dass seit dem militärischen Sieg der internationalen Truppen über die Rebellen der Gruppierung M23 im November 2013 die internen Ursachen der Konflikte in der DR Kongo wieder sichtbar wurden: Fehlende Staatlichkeit und den nicht gelöste Fragen zur gesellschaftlichen Identität seien nach wie vor ungelöste Probleme in der DR Kongo.

Deutsche Regierung in der Pflicht

Ellen Gutzler von Brot für die Welt reihte die Geschehnisse in die Kette von anderen Gewalttaten in der Region ein: „Gewaltsam ausgetragene Konflikte und Krieg gingen ihm voran und folgten ihm – nicht nur in Ruanda, sondern auch in Burundi und in der Demokratischen Republik Kongo.“ Sie erinnerte daran, dass 1994 niemand erwartet hatte, dass der Genozid in Rwanda nicht durch die UN-Truppen im Land gestoppt werden würde und dass er massive Auswirkungen auf die Nachbarländer haben würde. Sie forderte, dass die deutsche Regierung eine Politik verfolgt, die gewaltlose Lösungen für die blutig ausgetragenen Konflikte in der Region unterstützt.

 

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