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Rio+20 geht an die Börse

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Parallel zum Start der Verhandlungen "über die Zukunft die wir wollen" wurde gestern einen Steinwurf vom Konferenzzentrum entfernt im Pavillon des Bundesstaates Rio de Janeiro die Grüne Börse von Rio eingeweiht. Als erste Transaktion sollten die Rechte an den von der UN Konferenz vermiedenen CO2-Emissionen gehandelt werden.

Die Bolsa Verde do Rio de Janeiro (BVRio) wurde bereits Ende 2011 mit Unterstützung des Bundesstaates und der Stadtregierung von Rio gegründet. Mit marktbasierten Lösungen will man die nachhaltige Entwicklung des Landes fördern und die Implementierung von Umweltpolitik für Staat und Wirtschaft effizienter gestalten. Und das komme dann der Umwelt, der Gesellschaft und der Wirtschaft zugute.

Das erklärte Ziel der Börse ist, einen nationalen Markt für Umweltaktiva zu schaffen, um die grüne Wirtschaft in Brasilien zu voranzutreiben. Dabei unterscheidet die BVRio zwei Arten von Umweltaktiva: Quoten bzw. Rechte, die Aktivitäten mit negativen Umwelteinflüssen beschränken (Rechte zur Treibhausgasemission oder Abwassereinleitung) und "Gutschriften", die aus der Erbringung von Umweltdienstleistungen resultieren (Wiederaufforstung, Recycling, CO2 Einsparung). Eine der Hauptaufgaben der Börse besteht darin, weitere, neue Umweltaktiva zu entwickeln.

Aber ist das die Zukunft, die wir wollen? Die fortschreitende Kommerzialisierung der Natur und ihrer Dienstleistungen? Handelbar an einer grünen Börse? Für die brasilianische Regierung gehört das ohne Frage zu einer Grünen Wirtschaft dazu. Die Grüne Börse von Rio enttarnt aber auch: Die Green Economy ist eben doch in erster Linie "dasselbe in grün", ein neuer Anstrich für das alte System.

"Eine andere Zukunft ist möglich" heißt dagegen eine Sammlung von Texten, die im Rahmen des Thematischen Sozialforums im Januar in Porto Alegre entstanden sind. Die Green Economy kommt da nicht gut weg. Sie sei nichts weniger als der Versuch, die "Kommodifizierung, Privatisierung und Finanzialisierung der Natur und ihrer Funktionen" voranzutreiben. Hinter dem harmlosen Begriff verberge sich der Versuch, die natürlichen Lebenszyklen den Regeln des Marktes zu unterwerfen. Da verheißt es nichts gutes, wenn die Grüne Börse von Rio sich nun neue Umweltassets ausdenken soll. Denn bei der Green Economy sind Staat und Wirtschaft Brasiliens echte Vorreiter. Dass die sozialen Bewegungen und die Zivilgesellschaft dies nicht mittragen, hat sich schon in Porto Alegre und bei der Vorbereitung der Cúpula dos Povos gezeigt. Der Alternativgipfel beginnt nun morgen. Dass die Verhandlungen auf der UN Konferenz wie geplant morgen Abend zu einem Ergebnis kommen, ist derzeit nicht absehbar. Alternative Lösungen, auch jenseits von grünen Börsen, werden wohl eher auf der Cúpula als auf der offiziellen Konferenz diskutiert werden.

 

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