Atlas der Zivilgesellschaft
Zivilgesellschaftliche Akteure haben weltweit alarmierend wenig Handlungsraum. Nur dreieinhalb Prozent der Weltbevölkerung leben in Staaten mit uneingeschränkten zivilgesellschaftlichen Freiheiten, mehr als 72 Prozent hingegen in Ländern mit unterdrückter oder geschlossener Zivilgesellschaft. Unser Report zeigt die Lage weltweit und wie der Rechtsstaat weltweit unter Druck gerät.
Die Welt sieht rot
Die fünf Kategorien des Civicus-Monitors
Der Staat garantiert umfassende zivilgesellschaftliche Freiheiten: Vereinigungs-, Demonstrations- und Informationsfreiheit sind ohne Hürden gewährleistet. Behörden akzeptieren Kritik, fördern Dialog und schützen Demonstrierende. Versammlungsrecht und Medienfreiheit entsprechen internationalen Standards; Internet und Regierungsinformationen sind offen frei zugänglich.
Einzelpersonen und zivilgesellschaftlichen Organisationen können ihre Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit weitgehend ausüben, stoßen jedoch teilweise auf Einschränkungen. Regierungskritische Gruppen werden vereinzelt schikaniert, Demonstrationen mitunter verboten oder gewaltsam aufgelöst. Medien berichten breit, sind aber durch Regulierung, Druck und Übergriffe nicht völlig frei.
Grundrechte werden durch rechtliche und praktische Einschränkungen beschnitten. Zivilgesellschaftliche Organisationen werden überwacht und schikaniert, Versammlungen oft gewaltsam aufgelöst. Medien existieren, doch Journalist*innen sind Übergriffen und Klagen ausgesetzt und üben häufig Selbstzensur.
Der zivilgesellschaftliche Freiraum ist stark eingeschränkt.
Das heißt: Aktivist*innen und NGOs werden überwacht, schikaniert oder verboten, Demonstrationen gewaltsam unterdrückt. Medien und Internet stehen unter Kontrolle, unabhängige Stimmen werden verfolgt und mundtot gemacht.
Der zivilgesellschaftliche Raum ist vollständig geschlossen: Kritik wird schwer bestraft, Aktivist*innen werden inhaftiert, misshandelt oder getötet. Presse- und Internetfreiheit existieren nicht, Zensur und Repression prägen das Klima der Angst.
Für den CIVICUS-Monitor werden zahlreiche unabhängige Datenquellen kombiniert. Um aktuelle Trends zu erfassen, bezieht das weltweite zivilgesellschaftliche Netzwerk CIVICUS Beobachtungen und Daten von mehr als 20 regionalen Partnern aus der ganzen Welt
mit ein. Dazu zählen Bewertungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie beispielsweise Reporter ohne Grenzen oder Berichte von nationalen, regionalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Relevant sind hierbei Informationen über die Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit in den jeweiligen Ländern. Daten staatlicher Stellen fließen nicht ein.
Diese externen Analysen führt CIVICUS dann mit der eigenen Analyse zusammen für die Länderbewertungen. Wie frei die Zivilgesellschaft ist, wird in fünf Kategorien dargestellt: offen, beeinträchtigt, beschränkt, unterdrückt oder geschlossen.
Die größten Geldgeber des weltweiten zivilgesellschaftlichen Netzwerkes CIVICUS sind das niederländische Außenministerium, die Ford-Foundation, das dänische Außenministerium, die Open Society Foundations und der Lifeline Embattled CSO Assistance Fund. Mehr unter civicus.org
Zahlen und Fakten
Nur 3,5 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen volle Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantiert sind. Das sind jene 40 Länder, die im CIVICUS-Monitor als „offen“ klassifiziert und in der Karte dunkelgrün gefärbt sind. Hier leben 284 Millionen Menschen.
Dahingegen leben 85 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Zivilgesellschaft beschränkt, unterdrückt oder geschlossen ist. Das betrifft fast 7 Milliarden Menschen. Ihre Regierungen beschneiden die Freiheitsrechte erheblich und drangsalieren, verhaften oder töten kritische Menschen. Das trifft auf 115 von 197 Ländern zu. Neun Länder wurden 2024 gegenüber dem Vorjahr herabgestuft: Georgien, Burkino Faso, Kenia, Peru, Äthiopien, Eswatini, die Niederlande, die Mongolei und die Palästinensischen Gebiete. Neun andere Länder haben sich jedoch verbessert: Jamaika, Japan, Slowenien, Trinidad und Tobago, Botswana, Fidschi, Liberia, Polen und Bangladesch.
Schwerpunkt Rechtsstaat unter Druck
Weltweit geraten Institutionen des Rechtsstaats unter Druck. Sie werden – etwa von rechtsextremen und rechtslibertären Gruppen – als Feinde eines vermeintlichen Volkswillens attackiert. Ihnen wird die Legitimation abgesprochen, die Exekutive zu kontrollieren oder Minderheitenrechte zu schützen. Gleichzeitig wird das Recht immer öfter zur Repression benutzt: Regierungen setzen bestehende Gesetze missbräuchlich ein oder schaffen neues Recht, um zivilgesellschaftliche Akteur*innen zu bekämpfen oder Journalist*innen bei ihrer Arbeit zu behindern.
Doch die Zivilgesellschaft wehrt sich: Organisationen und Aktivist*innen setzen weltweit immer öfter auf Gerichtsklagen und strategische Prozessführung, um sozialen und ökologischen Fortschritt voranzutreiben.
Unsere politischen Forderungen
Bundesregierung und Bundestag müssen sich kompromisslos für eine unabhängige Zivilgesellschaft und die universellen Menschenrechte einsetzen ‒ im In- und Ausland! Sie sollten Gesetze verhindern, die die Arbeit von NGOs blockieren. Um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen, müssen Politiker*innen sich weltweit für unabhängige Gerichte sowie freie Medien einsetzen. Die Bundesregierung muss sich dafür stark machen, dass Verbrechen gegen Menschenrechtsverteidiger*innen strafrechtlich verfolgt werden. Deutsche Botschaften sollten sich stärker für Menschenrechtsverteidiger*innen engagieren.
Live-Event am 20. Mai 2026
Wenn Fakten unter Druck geraten: Der 9. Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt beleuchtet, wie Desinformation weltweit Meinungen beeinflusst, zivilgesellschaftliches Engagement gefährdet und die Demokratie bedroht. Im Fokus stehen Mechanismen und Akteure der Desinformation weltweit, ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Demokratie und die Arbeit unserer Partnerorganisationen im Globalen Süden. Wir blicken auch auf die Situation in Deutschland und diskutieren sinnvolle Gegenstrategien. Dazu sprechen wir mit internationalen Gästen aus Zivilgesellschaft, Politik und Medien, mit Live-Musik, Drinks und Snacks.
Am Mittwoch, 20. Mai 2026, von 18.00 Uhr bis 20:00 Uhr mit anschließendem Empfang. Die Teilnahme ist online möglich oder vor Ort in Berlin. Weitere Informationen erhalten Sie nach der Anmeldung, siehe unten.
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Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
56 € (Spendenbeispiel) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.
100 € (Spendenbeispiel) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
148 € (Spendenbeispiel) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.
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