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Gitarren statt Gewehre

Der Internationale Tag gegen Kindersoldaten erinnert daran, wie viele Kinder heute noch gezwungen werden, Waffen gegen andere zu richten. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo: Die dortigen Konflikte haben auch mit dem Rohstoffhunger von Industrienationen wie Deutschland zu tun. Ein Partnerprojekt von Brot für die Welt hilft dabei, solchen Kindern eine neue Perspektive zu geben.

 

Von Dr. Dagmar Pruin am
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Dr. Dagmar PruinPräsidentin von Brot für die Welt und Vorsitzende des Vorstandes
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Ehemaliger Kindersoldat in der Demokratischen Republik Kongo in seinem Beruf als Gitarrenbauer

Der ehemalige Kindersoldat Justin Murhula Bashimbe (27 Jahre) machte vor neun Jahren im Ausbildungszentrum CAPA eine einjährige Lehre zum Gitarrenbauer. Seither hat er in der Gitarren-Werkstatt seinen eigenen Arbeitsplatz und baut akustische sowie elektrische Gitarren, die er dann verkauft.

Der 12. März ist der Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Das Thema ist nach wie vor aktuell, denn allein in der Demokratischen Republik (DR) Kongo wurden in den vergangenen 30 Jahren zehntausende Kinder zum Dienst an der Waffe gezwungen. Viele werden entführt, gefoltert und mit dem Tod bedroht. Andere melden sich freiwillig, um der Armut zu entkommen. Steigende Preise für Grundnahrungsmittel und die hohe Arbeitslosenquote von über 85 Prozent führen dazu, dass die Einkommen der Eltern – wenn überhaupt – allenfalls zur Überlebenssicherung dienen.

Der Rohstoffhunger der Industrienationen ist ein weiterer Konflikttreiber und macht uns daher mitverantwortlich für die Gewalt – in der DR Kongo werden seltene Bodenschätze wie Coltan abgebaut, die wir für unsere Handys brauchen – von Gold und Diamanten ganz zu schweigen. Die Bevölkerung hat davon in der Regel nichts. Im Gegenteil: Die DR Kongo gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.

 

Wichtiger Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung

„Gitarren statt Gewehre“ heißt ein Projekt, das Brot für die Welt seit vielen Jahren unterstützt. Es hilft etwa ehemaligen Kindersoldat:innen dabei, eine Ausbildung zu erlangen, Gewalt-Erfahrungen zu verarbeiten und gibt ihnen eine Zukunftsperspektive. In einem Ausbildungszentrum lernen ehemalige Kindersoldat:innen 19 verschiedene Berufe – unter anderem Gitarrenbau. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Entwicklungszusammenarbeit in enger Kooperation mit lokalen Partnern einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes leisten kann: Unser Partner begleitet die Lehrlinge nach der Ausbildung und sichert damit den Übergang in das zivile Leben. Über 85 Prozent der ehemaligen 12.000 Auszubildenden verdienen aufgrund dieser Hilfe zur Selbsthilfe mittlerweile genug Geld, um ihre Familien ernähren zu können.

Einer von ihnen ist Justin Murhala Bashimbe, der als ehemaliger Kindersoldat unaussprechliche Gewalt-Erfahrungen gemacht hat. Für ihn und für viele andere stellt das Ausbildungszentrum eine echte Chance dar: Der heute 27-Jährige, der vor knapp zehn Jahren das erste Mal die Gitarrenwerkstatt betrat, hat eine Familie gegründet und ist mittlerweile selbst Ausbilder. Da die Gewalt im Osten der DR Kongo wieder zunimmt, sind echte Zukunftschancen lebensnotwendig.