Meine Einsatzstelle Sello Femenino
Sello Femenino ist ein Fußballverein, der ausschließlich mit jungen Mädchen und Jugendlichen arbeitet. Arbeiten tun wir größtenteils mit Mädchenfußballmannschaften aus zwei Stadtteilen Heredias, San Pablo und Guararí. Neben wöchentlichen Fußballtrainings und Spielen werden zusätzlich verschiedene Aktivitäten veranstaltet, welche darauf setzen, den Mädchen spielerisch Werte bezüglich des respektvollen Umgangs mit anderen beizubringen. Durch gemeinsames Spielen soll hier das Selbstbewusstsein der Mädchen gestärkt werden und es wird viel über den weiblichen Körper aufgeklärt – sei es über Menstruation oder auch darüber, wie man seinen Körper gesund halten kann.
Ein Beispiel für solch eine Aktivität war die Veranstaltung eines Turniers im Bürgerzentrum Guararís. Vor jedem Spiel mussten beide Mannschaften einen Vertrag mit verschiedenen Regeln ausarbeiten (zum Beispiel, dass man sich immer hochhilft, wenn jemand hinfällt). Während des Spiels wurde dann von uns geschaut, ob diese Regeln eingehalten wurden und es wurde das Verhalten der beiden Mannschaften bewertet. Nach dem Spiel konnten beide Mannschaften sich auch gegenseitig bewerten und im Diskurs darüber sein, ob sich die andere sowie die eigene Mannschaft fair verhalten hat. Das Schöne daran ist zu sehen, wie Kinder aus verschiedenen Stadtvierteln, Altersklassen und familiären sowie finanziellen Situationen zusammenkommen, Spaß haben, Freundschaften schließen und gemeinsam spielen können.
Mein Arbeitsalltag zwischen dem Centro Cívico,...
In meiner Einsatzstelle Sello Feminino ist mein Alltag von Abwechslung geprägt, sei es bei verschiedenen Projekten, Standorten oder Zielgruppen. Die meiste Zeit verbringe ich im Centro Cívico, einem Bürgerzentrum in einem Stadtteil Heredias. Hier biete ich verschiedene Kurse wie Fußball, Tischtennis, Gymnastik, Deutschunterricht und Englisch-Nachhilfe an. Jede Gruppe ist auf ihre Art besonders und es gefällt mir sehr, dass ich immer mit den gleichen Menschen arbeite und so tiefere Bindungen aufbauen kann. Ich merke, wie wichtig es gerade für die jüngeren Kinder ist, einen Ort zu haben, an dem sie ihre Probleme für eine Weile vergessen können, sich einfach austoben und Kind sein können. Zudem kann man beobachten, wie die Kinder in den Kursen neue Freundschaften schließen und auch außerhalb zusammen etwas unternehmen. Die meisten Kinder und Jugendlichen im Centro Cívico sind sehr offen, gehen von selbst auf einen zu, haben Fragen an mich über das Leben in Deutschland und erzählen mir gleichzeitig auch viel über ihre Kultur und Traditionen hier in Costa Rica.
den Fußballmannschaften und
Zusätzlich zum Centro Cívico arbeite ich dreimal wöchentlich mit der Fußballmannschaft in San Pablo. Manchmal unterstütze ich die Trainer*innen beim Durchführen der Übungen und manchmal führe ich selbst Trainingseinheiten durch. Je länger ich da bin, desto selbstständiger kann ich arbeiten und desto mehr Verantwortung wird mir seitens der Organisation auch übertragen, was sehr motivierend ist und die Arbeit immer interessanter macht.
Einmal monatlich fahren wir zudem in ein kleines Dorf nördlich von San José namens Zarcero, in dem wir zusammen mit Schüler*innen der lokalen Schule Fußballaktivitäten durchführen. Ich bin dankbar, durch meine Arbeit nicht nur von dem Leben in der Stadt mitzubekommen, sondern auch Einblicke in das Leben in einem Dorf zu erhalten und so auch mehr von Costa Ricas Natur sehen zu können.
..an der Schule.
In den nächsten Monaten werde ich in Kooperation mit einer Organisation namens Sinergia zusätzlich eigenständig ein Projekt zur spielerischen Vermittlung über den gewaltfreien Umgang miteinander in Schulpausen entwickeln und durchführen können. Ich bin sehr froh darüber, so viel Verantwortung zu bekommen, eigenständig arbeiten zu können und bin gespannt, wie das Projekt laufen wird und wie sich die Atmosphäre in der Schule verändern wird.
Einleben und Zurechtkommen im Alltag
Anfangs war die Umstellung zwischen dem Leben in meinem Elternhaus in Deutschland und das Leben allein in einem anderen Land sehr groß. Ich musste lernen, wie man richtig einkauft, kocht und zeitlich Haushaltsarbeit abstimmt, während ich mich gleichzeitig in den Supermärkten und in der Stadt zurechtfinden musste. Da es mein erster Aufenthalt außerhalb Europas ist, kamen direkt zu Anfang ganz viele neue Eindrücke hinzu – beispielsweise die neue Sprache oder der Aufbau der Städte. Eine große Umstellung war zum Beispiel das Bussystem hier, da die Busse ohne richtigen Zeitplan fahren. Anfangs war dies sehr ungewohnt für mich und hat mich auch immer beim Planen genervt, aber jetzt merke ich, wie ich dadurch viel spontaner werde und wie beim Warten an der Bushaltestelle interessante Gespräche entstehen können.
Auch in die Haushaltsarbeit finde ich mich langsam aber sicher ein, und im Supermarkt kenne ich mich nun besser aus und weiß, wo man am besten und günstigsten einkaufen kann. Ich habe auch den lokalen Wochenmarkt für mich entdeckt, bei dem man frisches Obst und Gemüse direkt von den Bäuerinnen und Bauern kaufen kann. Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass das Einleben in eine für mich neue Kultur so schnell gehen würde und ich mich so schnell so wohl in einer mir völlig fremden Stadt fühlen kann.
Land und Leute: Die Pura-Vida-Mentalität
Eine Sache, die ich in Costa Rica sehr schätze, ist die Offenheit, die ich bei vielen Ticos und Ticas, wie sich die Menschen in Costa Rica nennen, wahrnehme. Die Leute, die ich bisher getroffen habe, begegnen mir sehr aufgeschlossen, erzählen mit viel Stolz über die costa-ricanische Kultur und fragen mich viel über mein Leben in Deutschland.
Ich finde, das Leben hier ist viel spontaner und es kann beispielsweise gut sein, dass ein Treffen zehn Minuten früher abgesagt oder verschoben wird. Auch wenn dies eine große Umstellung für mich im Vergleich zu meinemLeben in Deutschland ist, empfinde ich diese Spontanität auch als sehr befreiend. Oft kann ich einfach schauen, worauf ich momentan Lust habe und die witzigsten Sachen geschehen meist, wenn man vorher noch keinen richtigen Plan hatte. Ich habe hier gelernt, viel flexibler zu sein und mich auf das einzulassen, was kommt.
Einfach Reisen
Obwohl Costa Rica ein sehr kleines Land ist, gibt es hier unendliche viele schöne Orte zu sehen. Meine Mitfreiwilligen und ich nutzen fast jedes freie Wochenende, um zu verreisen und uns die Strände, Regenwälder und Vulkane Costa Ricas anzuschauen. Die Größe des Landes und die öffentlichen Reisebusse machen einem das Verreisen sehr einfach und auch, wenn man mit Stau für eine Strecke von 100 Kilometern mal sechs Stunden braucht, lohnt es sich meiner Meinung nach immer, jede Chance für einen kleinen Trip zu nutzen.
Die letzten Monate durfte ich viele Erfahrungen sammeln, interessante Gespräche führen, und habe schon viel von den Menschen in Costa Rica und über die Kultur lernen können. Ich bin sehr gespannt auf alles, was noch kommt und bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung, nach Costa Rica gegangen zu sein.
