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One Health - Ergebnisse eines NGO-Austauschs

Brot für die Welt veranstaltete gemeinsam mit VENRO ein NGO-Seminar zu One Health. Dabei wurde die Bedeutung des Konzeptes nicht nur für die globale Gesundheitsarbeit, sondern auch für die Tier-, Umweltgesundheit und die Ernährung deutlich. Gefragt ist jetzt kohärentes Handeln der Bundesregierung und die Zusammenarbeit mit (lokalen) zivilgesellschaftlichen Gruppen.

 

Von Mareike Haase am
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Mareike Haase Referentin Internationale Gesundheitspolitik
Telefon: +49 (0) 30 65211-1814 mareike.haase@brot-fuer-die-welt.de
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Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Gesundheit des Verbands für Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) organisierte Brot für die Welt am 3. September 2020 ein online-Seminar zum Thema One Health.

One Health aus verschiedenen Perspektiven beleuchten

Der eineinhalbstündige NGO-Austausch hatte zum Ziel, eine gemeinsame Wissensgrundlage zu schaffen und anhand von Anwendungsbeispielen und politischen Entwicklungen die Chancen und Herausforderungen des One Health-Ansatzes für die Projektarbeit und die Entwicklungspolitik zu diskutieren.

Nach einer wissenschaftlichen Einführung in das Thema durch die Co-Vorsitzende der Lancet One Health Commission und Co-Direktorin des Centers for Global Health an der TU München, Prof. Dr. Dr. Andrea Winkler, folgten mehrere Inputs von zivilgesellschaftlichen Expert*innen aus den Bereichen Veterinär- und Humanmedizin sowie Agrarökologie und Umweltgesundheit. Dabei konnten die NGOs Tierärzte ohne Grenzen, die Christoffel-Blindenmission (CBM), der World Wide Fund for Nature (WWF) und Brot für die Welt aus ihrer Arbeit zu One Health berichten.

In der abschließenden Diskussion mit Beteiligung des online-Publikums wurden viele Überschneidungen zwischen den verschiedenen Perspektiven sichtbar und der besondere Wert des One Health-Ansatzes für die menschliche, tierische und auch die Umweltgesundheit unterstrichen.

Lokales Wissen einbeziehen und Kohärenz in der Bundesregierung einfordern

Zentral herausgestellt wurde die Rolle lokaler Akteur*innen und ihrer Wissenssysteme, insbesondere vor dem Hintergrund des Austausches zu lokalem Wissen in den Gemeinden selbst, aber auch auf regionaler und nationaler Ebene.

Als wesentlich wurde auch benannt, dass One Health mit anderen Gesundheitskonzepten verknüpft werden sollte, wie zum Beispiel der Idee, Gesundheit in allen Politikbereichen zu verankern (Health in all policies). Bisher liefen die globalen Diskussion noch als eher parallellaufende Stränge, die zukünftig stärker zusammengedacht werden müssten.

Auf eine Frage aus dem Publikum, ob der Ansatz auch die Lebensbedingungen im urbanen Kontext berücksichtige, wurde das Beispiel der chronischen Erkrankungen herangezogen, bei welchen im Sinne von One Health auch Faktoren wie Luftqualität und Bewegungsarmut als Ursachen einbezogen werden müssten. In Slums und Flüchtlingslagern müsse jedoch zunächst ein Augenmerk auf die Stärkung von Gesundheitssystemen gelegt werden, bevor Aspekte der Umweltgesundheit in einem langfristigen One Health-Ansatz mitbedacht würden.

Zum Themenkomplex der Tierhaltungspraxis in Deutschland und Europa wurde betont, dass diese nicht im Einklang mit dem One Health-Ansatz stehe. Es sei diesbezüglich Kohärenz zwischen den verschiedenen Ministerien gefragt. Zudem brauche es beim Antibiotikaverbrauch in der Nutztierhaltung einen holistischen und keinen anthropozentrischen Ansatz in der Tierhaltung und –produktion. Die Ausrichtung von Tierhaltungssysteme und -formen müsse sich an den zu haltenden Tieren orientieren.

Wie weiter bei One Health?

Von allen Diskutant*innen wurde betont, dass die Bundesregierung (globale) Initiativen für gemeinsame One Health-Plattformen gezielt befördern müsse. Dies meine einerseits auf der Ebene von Ministerien eine stärkere sektorübergreifende Zusammenarbeit an den Schnittstellen Gesundheit, Biodiversität, Tierhaltung, Landwirtschaft und Ernährung, im Sinne eines Mainstreaming des One Health-Ansatzes als eines der handlungsleitenden Prinzipien. Zweitens müsse auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Ministerien mit unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zur Umsetzung des One Health-Ansatzes sektorübergreifend gestärkt werden.

Die ausführliche Dokumentation des NGO Austauschs ist diesem Blog beigefügt. Brot für die Welt behandelt das Thema außerdem in einem weiteren Blogbeitrag.