Blog-Beitrag

Die Magie von Wasser und heißer Schokolade

Lia hilft während ihres Freiwilligendienstes einer indigenen Gemeinschaft in Costa Rica und begleitet Touristen bei Ausflügen durch den Dschungel an der Grenze zu Panama.

Von Klaus Ehrlich am
Bild von Klaus Ehrlich
Klaus Ehrlich Referent Personalmarketing mehr zur Person

Sonntagabend habe ich erfahren, dass ich am nächsten Morgen nicht im Büro arbeiten würde, sondern für ein Pärchen, das sich soeben für die nächsten zwei Tage angemeldet hatte, übersetzen durfte. Dadurch habe ich mich am Montagmorgen um viertel vor neun auf den Weg gemacht und in der Cocina Abajo, einer der zwei Küchen der Organisation die Artesanias, die Kunstgegenstände, wie Schmuck, selbst geflochtene Körbe und allerlei aus Kalabasse hergestellten Gegenständen, die dem Projekt ihren Namen geben (Stibrawpa – Kunsthandwerker auf Bribri) zum Verkauf vorzubereiten. Für die beiden Tage war Maryurí die Köchin und Yasmín Salonera (sowas wie Kellnerin) und mit beiden verstehe ich mich schon recht gut, sodass wir die Zeit, bis die Touristen ankamen, perfekt mit Quatschen überbrücken konnten.

Als um 10:30 Uhr weder Bernarda, die, soweit ich das verstanden hatte, als Guide dran war, noch die Touristen aufgetaucht waren, habe ich angefangen, mir ein bisschen Gedanken zu machen, ob ich etwas missverstanden hatte. Doch dann kam Prudencio mit den Beiden, die sich als Niederländer herausstellten. Wenn Leute sich erst kurz bevor sie kommen telefonisch anmelden ist es immer ein wenig eine Überraschung wer da kommt. Mir wurde nur gesagt, dass ich zum Übersetzen gebraucht werde – welche Sprache, wusste ich bis dahin noch nicht. Prudencio hatte die beiden mit dem Boot abgeholt und keine fünf Minuten später traf auch Bernarda ein, sie hatte sich verspätet, weil sie beim Putzen im Haus ihres Vaters keine Uhr mitgenommen hatte.

Das Programm am ersten Tag ist im Grunde immer gleich, nur dass die, die eine Ein-Tages-Tour machen, schon um 15:00 Uhr wieder abreisen und man mit den Gästen, die über Nacht bleiben, weniger Zeitdruck hat. Wir waren also im Fluss an einer schönen, seichten Stelle schwimmen, haben nach dem Mittagessen die kulturellen Aktivitäten, wie das Pfeil und Bogen schießen, Lernen wie die Palmdächer hergestellt werden und den Weg von frischen Kakao bis zur heißen Schokolade (inkl. Verkostung versteht sich – absolut mein Lieblingsteil;) gemacht. Abends gab es ein Abendbrot im Kerzenschein und Bernarda hat erzählt, wie die Organisation entstanden ist.

Als ich zuhause war, war es schon nach acht und ich bin direkt ins Bett - am nächsten Morgen musste ich schließlich schon um sechs Uhr wieder raus, weil es um 7:30 Uhr Frühstück in der Besucherküche geben sollte. Da ich sowieso jeden Morgen zwischen fünf und sechs Uhr aufwache und dann einfach noch bis sieben liegen bleibe macht mir die frühe Uhrzeit im Grunde nichts aus. In der Besucherküche  gibt es immer mehr als reichlich zu essen und man muss sich schließlich gut für die Wanderung wappnen... und Frühstück ist in manchen Dingen schon die leckerste Mahlzeit am Tag (heiße Schokolade!!) .

Bernarda hat mich dann erst mal noch nach Hause geschickt, damit ich mir etwas anderes anziehe, da man auf dem Weg durch den Fluss waten muss und eine schwere Jeans da verdammt unpraktisch ist. Dann sind wir aufgebrochen, über die Brücke und dann den Fluss am Berg entlang. Die Wege erinnern hier häufig mehr an Bachläufe als an Wege und ich bin zu Anfang auch einmal auf einer glitschigen Wurzel ausgerutscht, aber es ist nichts passiert. Auf einer Seite ging es auch recht steil runter, sodass man gut auf den Weg achten muss, was eigentlich schade ist, weil man dadurch die beeindruckende Natur und Landschaft verpasst. Aber da die Touristen etwas langsamer waren als ich, konnte ich immer wieder stehen bleiben und die Aussicht genießen. Auch durch Felder voller Bananen, die hier hauptsächlich in Mischkultur mit anderen Pflanzen angebaut werden und an knorrigen alten Kakaobäumen sind wir vorbeigekommen. Bis schließlich die Stelle kam, an der der Fluss Yorkín flach genug ist ihn zu überqueren. Das Wasser ging nur etwas weiter als bis zum Knie und dann waren wir in Panama – für mich das allererste Mal in Panama. Der Unterschied war unglaublich! Auf dem Weg haben wir viele Menschen aus dem Dorf getroffen. Bernarda hat zum Beispiel auch ihre Farm und die Kinder gehen von dort auch hier zur Schule. Die Zeitumstellung (in Panama ist es eine Stunde später) hat man jetzt nicht so gemerkt, leider habe ich vergessen, ob mein Handy die überhaupt mitbekommen hat und allgemein wurde mal wieder deutlich, dass Ländergrenzen nichts weiter als ein menschliches Konstrukt sind. Den blauen Schmetterling hat sie jedenfalls nicht gestört, genauso wenig wie sie Krankheiten oder Umwelteinflüsse aufhalten können. Die Wege waren auch auf beiden Seiten des Flusses gleich matschig, man hat überhaupt keinen Unterschied gemerkt.

Bald darauf ging es immer steiler bergan und auf der linken Seite konnten wir bereits Teile des Wasserfalls sehen. Eigentlich hatte ich es mir so vorgestellt, dass das Wasser über den Rand einer Klippe im Freienfall herunterschießen würde, aber dieser war anders. Die Steinwand war nicht senkrecht, aber trotzdem recht steil an der das Wasser herunterläuft und durch einige Vorsprünge Kurven macht. Es sah aus, wie eine riesige natürliche Wasserrutsche, die immer wieder von kleinen Pools unterbrochen wurde.

Zu einem dieser Miniseen sind wir hinaufgestiegen. Es war wunderschön. Ein von Steinen und Felsen eingerahmtes Becken, dass auf der Hinterseite vom Wasserfall gespeist wurde. Das Wasser schimmerte grün-türkis und war ganz klar. Bernarda sagt, dass man es ohne Probleme trinken kann. Ich wollte unbedingt darin schwimmen und konnte es mir einfach nicht entgehen lassen. Erst vom Wasser aus war zu erkennen, dass sich an der linken Felswand Tropfsteine gebildet hatten. In den ankommenden Wasserfall konnte man hineinklettern, sodass das ankommende Wasser über den Rücken prasselt. Für mich hatte der Ort fast etwas magisches, aber wir mussten auch bald wieder zurück.

Der Rückweg kam mir viel schneller vor als der Hinweg. Wir haben auch eine Abkürzung genommen, indem wir zweimal durch den Fluss gewatet sind, um nicht wieder bis zur Brücke zurück laufen zu müssen. Nachdem wir trockene Kleidung angezogen und Mittag gegessen hatten, war es schon Zeit, das Paar zum Boot zu bringen und zu verabschieden. Die Zeit ist mal wieder richtig schnell vergangen und die beiden haben sich genau wie ich sehr über den Ausflug gefreut. Mir macht es immer viel Spaß, als Übersetzerin die Touren zu begleiten.

Text und Bild: Lia Bernhauser

 

Helfen Sie mit einer monatlichen Spende: Fördermitglied werden