Blog-Beitrag

Wie sich Frauen Gehör verschaffen

Libanon: Bildungs- und Beratungsangebote für palästinensische Flüchtlinge in Lagern.

Von Online-Redaktion am

Seit Jahrzehnten müssen sie im Libanon ausharren. Diese haben sich zu regelrechten Wohnvierteln entwickelt. Aber die Lage der dort lebenden palästinensischen Flüchtlinge im Libanon ist schon immer unakzeptabel - und hat sich mit der Syrienkrise weiter verschärft: Die Lager stehen unter UN-Verwaltung, gelten aber formal als selbstverwaltet. Armut, Perspektiv- und Schutzlosigkeit vor Gewalt und fehlenden staatlichen Strukturen bestimmen den Alltag, besonders von der Schutzlosigkeit betroffen sind Frauen.

Vom Norden bis in den Süden erstrecken sich die Flüchtlingslager in dem Zedernstaat. In fünf von ihnen hat Najdeh, der Brot für die Welt-Partner, insgesamt 26 Zentren. Der Schwerpunkt der Arbeit von Najdeh liegt auf der Stärkung von Frauen in den palästinensischen Flüchtlingslagern, aber auch auf der Verbesserung der Rechte der Palästinenser im Allgemeinen. Durch Schul- und Berufsausbildungen, Betriebsbesichtigungen und berufsbegleitende Workshops können Frauen eine bessere Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt erlangen und ihre wirtschaftliche Lage verbessern, auch wenn ihnen der Zugang zu höherwertigen Tätigkeiten als Flüchtlinge noch immer verwehrt bleibt.

Aber Bildung fängt nicht erst im Erwachsenenalter an. Deshalb fördert und unterstützt Najdeh auch die Bildung von Kinder und Jugendlichen. Vorschulklassen wurden gegründet, öffentliche Schulen unterstützt und einmal jährliche Bildungs-und Entdeckungsausflüge organisiert. Lehrerinnen und Lehrer werden dafür ausgebildet. Das Bildungsangebot richtet sich insbesondere auf alle Themen rund um Kinderrechte, um früh den Missbrauch von Kindern vorzubeugen und sie so zu erziehen, dass sie für ihre Rechte eintreten können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bewusstseinsarbeit. Frauen, die für ihre Rechte einstehen, müssen diese erst einmal kennen. Unter der schlechten Lebenssituation in den Flüchtlingslagern mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut leiden die Frauen aufgrund des oftmals noch herrschenden traditionellen Frauenbildes deutlich stärker.

Vor Gericht als Zeugin, bei der Eheschließung oder Scheidung sowie beim Sorgerecht zählen sie nicht als gleichberechtigte Bürgerin. Ihre Bewegungsfreiheit kann jeder Zeit eingeschränkt werden. Viele von ihnen leben in einer Umgebung, in der häusliche Gewalt als eine Art soziale Norm gesehen wird. Najdeh bietet soziale und psychologische Beratungsangebote und Programme gegen häusliche Gewalt. Runde Tische von betroffenen Frauen können entstehen. Ein Frauen-Netzwerk wird aufgebaut. Die Frauen bringen ihre Anliegen zu Gehör. Sie gehen auf die Straße, demonstrieren und machen mit Sprechchören und großen Plakaten auf die Situation der Palästinenser im Allgemeinen und die der Frauen im Besonderen aufmerksam. Najdeh hat dafür auch die Kampagne „Recht auf Arbeit“, die die diskriminierenden Arbeitsgesetze gegenüber Palästinenser anprangert.

Ansprechpartner: Jens Halve

Kontakt: asien@brot-fuer-die-welt.de

 

Helfen Sie mit einer monatlichen Spende: Fördermitglied werden