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Kein Ende der Aids-Epidemie ohne günstige Medikamente

Die 21. Welt-Aids-Konferenz in Durban ist zu Ende gegangen. Das Ziel, AIDS bis 2030 zu beenden, ist trotz aller Hürden in erreichbarer Nähe. Astrid Berner-Rodoreda zieht Bilanz.

 

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Die Konferenz stand ganz im Zeichen des Ziels, AIDS bis 2030 zu beenden. Trotz aller Hürden, die noch zu überwinden sind, herrschte der Optimismus vor, dass das Ziel in erreichbarer Nähe ist.

Es gibt Grund, optimistisch zu sein. 17 Millionen Menschen sind inzwischen in Behandlung. Neue langwirkende Wirkstoffe werden entwickelt, die man nur einmal über einen längeren Zeitraum (1 bis 6 Monate) injizieren muss – eine gute Nachricht für alle HIV-Positiven, die sich mit der täglichen Einnahme der Medikamente schwertun. Für Frauen wird es ein Mikrobizid geben, das die Infektionsgefahr senkt und einen gewissen Schutz bietet,  verschiedene Vakzinstudien lassen hoffen, dass es in den nächsten Jahren einen Impfstoff geben wird. Und mehr und mehr Länder setzen die "Test and Treat" Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation um. Auch bei Kindern wurden enorme Fortschritte erzielt – inzwischen erhalten knapp die Hälfte aller HIV-positiven Kinder Zugang zu Behandlung und die Neuinfektionen sind deutlich zurückgegangen.

Zugang zu Prävention und Behandlung – auch für Männer

Es liegt allerdings noch ein weiter und steiniger Weg vor uns und wir können uns jetzt nicht mehr ausruhen. Bei den Erwachsenen gehen die Neuinfektionen kaum zurück. Hier müssen wir alles einsetzen, was wir in der Prävention zur Verfügung haben und wir müssen vor allem dafür sorgen, dass die Hindernisse zum Testen und zum Zugang zur Behandlung überwunden werden. Das bedeutet zum einen, gezielter und fundierter aufzuklären, so dass Stigma überwunden werden kann, aber auch mehr dezentrale Dienste anzubieten, mehr auf Haushalte zugeschnittene Angebote. Und Klinken sollten ihre Arbeit so umstellen, dass alle – Jugendliche, Frauen, Männer egal welcher sexuellen Orientierung – mit Respekt behandelt werden und die erreicht werden, die bisher kaum durch das Testen erreicht wurden: die besonders vulnerablen Gruppen aber auch Männer, die knapp die Hälfte aller HIV-Positiven ausmachen, aber den Frauen sowohl beim Testen, wie auch bei der Behandlung weit hinterherhinken.

Hohe Medikamentenpreise verhindern Fortschritt

In Durban wurden mehr als auf den Konferenzen der letzten Jahre die hohen Medikamentenpreise problematisiert. Es wurden die Preise gezeigt, die in Europa für HIV und Hepatitis C Medikamente anfallen und dagegen gehalten, wie viel billiger Generika sind und was der tatsächliche Herstellungspreis der Medikamente ist. Eine neue Forderung wurde laut: 90 Dollar für die HIV-Therapie pro Person und Jahr, 90 Dollar für die Hepatitis B-Therapie und 90 Dollar für die hochwirksame 12-wöchige Hepatitis C-Therapie! Diese Forderung wurde nicht von Aktivistinnen und Aktivisten, sondern Wissenschaftlern vorgetragen. Wir sind an einem Punkt, wo klar ist: mit Patenten auf Medikamente kommen wir nicht mehr weiter. Und immer wieder wurde der Ruf nach einer vollen Finanzierung des Globalen Fonds und der zur Zurverfügungstellung der benötigten Finanzmittel weltweit laut. Wenn wir jetzt nicht investieren, werden wir bis zum Jahr 2020 nicht die Zwischenziele erreichen, die für ein Ende von Aids notwendig sind.

Südafrika geht mit gutem Beispiel voran – man kann nur hoffen, dass diese Konferenz alle Länder wachgerüttelt hat. Wer jetzt noch weitermacht wie bisher und HIV keine Priorität einräumt, der trägt dazu bei, dass diese Epidemie sich weiter ausbreitet.

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