Blog-Beitrag

Dritter Tag des Brot für die Welt Partner-Treffens

Spannende Diskussionen und einen besonderer „Abend der Kulturen“ am dritten Tag des Partner-Treffens zu Gesundheit und HIV in Kamerun 2016

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Ehemalige Mitarbeitende
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Am dritten Tag der Gesundheitskonferenz in Kamerun, Limbé, lag der Fokus auf vielen unterschiedlichen Workshops; dort wurde unter anderem über Wege zur Stärkung von Gesundheitssystemen und nicht-übertragbare chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus und Herzkreislauf-Erkrankungen gesprochen. Trotz der Intensität, mit der die Themen behandelt wurden,  war  die Stimmung weiterhin herzlich und angenehm. Das Interesse sich weiter kennen zu lernen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen, war  unverändert spürbar.

 

„Communities are the voice of the population“

Im Workshop zur Stärkung von Gesundheitssystemen wurde deutlich, dass viele Teilnehmende sich eine stärkere Position der Gemeinden in der Gesundheit wünschen, da diese einen großen Beitrag zu qualitativer Gesundheitsversorgung leisten und die Stimme der Bevölkerung verkörpern. Weiterführend spiegelte sich in der intensiven Diskussion wieder, dass Informationen über Gesundheit, wie zum Beispiel das Wissen über Symptome eines Herzinfarkts oder der Schutz vor bestimmen Infektionskrankheiten, für jeden Menschen zugänglich und kostenlos sein sollten. Eben die Finanzierung spielt eine wesentliche Rolle, da diese der Grundstein für eine gerechte Gesundheitsversorgung ist. Die Finanzierungssysteme sollten stabil und nicht korrupt sein. Dies bedeutet, dass Regierungen aufgefordert werden sollen, gesetzliche Mechanismen gegen Korruption zu entwickeln und umzusetzen, damit das Geld da ankommt, wo es gebraucht wird. Des Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass die Situation in Konflikt- und Post-Konflikt-Ländern wie zum Beispiel im Süd-Sudan eine besondere ist. Das kann sich in der Praxis  der Gesundheitsversorgung zeigen, aber auch in diesen Ländern stellen die Gemeinden das Grundgerüst für eine Gesundheitsversorgung dar. Denn oftmals  können die Regierungen ihrer Aufgabe, Gesundheit zu fördern oder Medizin und Pflege anzubieten, kaum ohne die Unterstützung durch die Gemeinden gerecht werden.  Kurzum: Ohne die lokalen Gemeinden gäbe es in diesen Ländern kaum eine Gesundheitsvorsorge und Versorgung und – das wurde noch einmal von vielen Teilnehmenden ausdrücklich betont – es sei wichtig, dass die Gemeinden  viel mehr unterstützt  werden müssen.

 

„Africa is facing a double burden”

In einem weiteren Workshop ging es um die Herausforderungen vieler Länder durch Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Ebola und Malaria und neuerdings auch vermehrt chronische Erkrankungen, wodurch eine doppelte Belastung der Länder entsteht. Dr. Phillipe Lukanu aus der Demokratischen Republik Kongo (DRC) wies darauf hin, dass aufgrund der  höheren Lebenserwartung (die in der DRC bei 60 Jahren liegt) und der Veränderung von Lebens- und vor allem Ernährungsgewohnheiten eine massive Zunahme der chronischen Erkrankungen zu beobachten sei. Zugleich sind Infektionskrankheiten weiterhin ein großes Problem in der Bevölkerung. Dadurch sind viele Länder doppelt belastet, sie haben die größte Last an Erkrankungen zu tragen und häufig wenig Mittel, dem entgegenzuwirken.

 

„Keep in mind: NCDs are linked to question of disability.”

Auch wurde in den Diskussionen deutlich, dass aufgrund der Zunahme der chronischen Erkrankungen Behinderungen zunehmen werden und auch diese Entwicklung Afrika vor neue Herausforderungen stellen wird. Daher sollte auch die Gesellschaft für diese Thematik sensibilisiert werden. Durch gezielte Prävention, wie zum Beispiel durch Aufklärungsarbeit mit Hilfe der Medien, könnte die Anzahl der Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden, gesenkt werden. Die Gemeinden und das Gesundheitspersonal müssten entsprechend der neueren Herausforderungen geschult werden. Sie sind es auch, die gute Kontakte zur Bevölkerung haben und diese direkt ansprechen können. Der Fokus der Gesundheitsarbeit sollte verstärkt auch auf Männern liegen, da diese grundsätzlich weniger Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen als Frauen und in den Programmen der vergangenen Jahre zu wenig angesprochen wurden: „Women are much more involvend in community based health care then men“.

Des Weiteren wurden im Verlauf des Tages „Open Space-Diskussionen“ geführt. Alle Teilnehmenden erhielten die Möglichkeit, in dieser freien Zeit Probleme oder Fragestellungen zu besprechen, welche wenig Raum in den einzelnen Workshops fanden, wie unter anderem:

  • Heilung durch Glauben – Fluch oder Segen?
  • Traditionelle Medizin
  • IT, Technologie und Kommunikationssysteme für Gesundheitsversorgung

Den Raum für offene Gespräche zu haben, wurde von vielen als sehr positiv aufgenommen, und es wurden anregende Diskussionen geführt. Es wurde deutlich, dass noch viel Gesprächsbedarf in einzelnen Themenfeldern besteht und diese auch mehr Relevanz in der Umsetzung von Gesundheitsmaßnahmen haben sollten.

Abschließend stelle Deborah Ewing von der AIDS Foundation South Africa die neue Internet-Plattform "Sex Rights Africa Network" vor. Auf dieser können sich Nichtregierungsorganisationen über Herausforderungen und Strategien im Bezug auf HIV/ AIDS und sexuelle und reproduktive Rechte austauschen. Durch diese neue Plattform kann ein noch intensiverer Austausch einzelner NROs untereinander entstehen, um sich gegenseitig neue Projekte vorzustellen und eventuell gemeinsame Schritte zu planen.

Der Tag wurde durch einen besonderen bunten und schönen „Abend der Kulturen“ abgerundet, den die Konferenz-Teilnehmenden organisierten. Am Strand von Limbé tanzten alle zu einer kamerunischen Band aus Douala, die durch ihre traditionelle Musik und Tanzeinlagen begeisterte. Die Teilnehmenden bewiesen ihr rhythmisches Talent! Es  wurde traditionelle Kleidung getragen, und jede und jeder hatte die Möglichkeit, Besonderheiten aus seinem Land im Bezug zur Gesundheit vorzustellen. Dazu gehörten Heilpflanzen gegen Mangelernährung wie die Blätter des Moringa Baumes oder eine besondere Art des Hände Waschens in Gebieten ohne fließend Wasser.

 

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