Blog-Beitrag

Weniger CO2, mehr Wachstum - ein Widerspruch?

Von Online-Redaktion am

Einerseits will Deutschland viel CO2 einsparen, andererseits auch mit Hilfe von Freihandelsabkommen wie TTIP die Wirtschaft ankurbeln und mehr Wachstum erreichen. Wie passt das zusammen?


Prof. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik:

Im Wesentlichen geht es darum, Treibhausgasreduzierungen ver-bindlich zu vereinbaren und dann auch umzusetzen. Ob im Rahmen dieses Prozesses wirtschaftliche Entwicklung sich dynamisch gestaltet oder gar Schrumpfungen eintreten, ist eine Frage, die abhängt von der Umsetzung von entsprechenden klimaverträgli-chen Wirtschaftsreformen. Investitionen in klimaverträgliche Technologien, der Aufbau eines erneuerbaren Energiesystems, der Umbau von Mobilitätssystemen in Richtung Klimaverträglichkeit, die Dämmung von Gebäuden zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen können durchaus wichtige Impulse für Beschäftigung und Wachstum setzten. Es wird vor allen Dingen von der Kreativität der Wirtschaftsakteure abhängen, ob Klimaverträglichkeit insgesamt zu mehr oder weniger Wachstum führt. In jedem Fall wird die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu einer Schrump-fung der Energieunternehmen führen müssen, die heute im Wesentlichen auf die Verbrennung fossiler Energieträger setzen.


Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Die Bundesregierung setzt sich maßgeblich für den Klimaschutz sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene ein. Daher hat sie sich die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Emissionswachstum zum Ziel gesetzt und unterstützt weltweit die Transformation von fossilen hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz.

Richtig gestaltete Handels- und Investitionsabkommen führen da-zu, dass Klima- und Umwelttechnologien sich schneller verbreiten können und zu einem globalen Wachstum durch nachhaltiges Wirtschaften führen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung setzt sich in diesem Kontext für die Stärkung von Sozial- und Umweltstandards ein und fördert diese konkret in seinen Unterstützungsleistungen in Entwicklungsländern.


Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt:

Wirtschaftswachstum muss von einem Anstieg der Emissionen entkoppelt werden. Wenn dies nicht möglich ist, dann muss auf Strategien gesetzt werden, die emissionsarm sind, denn ein weiteres Ansteigen der Emissionen übersteigt die planetarischen Grenzen, wird die Armut verschärfen und das Weltklima kollabieren lassen.


Auf unserer Veranstaltung am 26. Februar

zur Rolle Deutschlands im Superentwicklungsjahr (2015) konnten aus Zeitgründen nicht alle Fragen von den drei

Panelisten – Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, DIE-Direktor Prof. Dr. Dirk Messner und Brot für die

Welt-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel – direkt beantwortet werden. Sie haben aber alle Fragen aus dem

Publikum, die auf die Kärtchen geschrieben worden waren, im

href="http://info.brot-fuer-die-welt.de/event/super-entwicklungsjahr-2015">Nachgang schriftlich beantwortet.

 

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