Blog-Beitrag

Kampf gegen Fehlernährung: Einfluss der Konzerne reduzieren – Frauenrechte stärken

In Rom ging gestern die Sitzung des Welternährungsausschusses (Commitee on World Food Security) zu Ende. Dabei wurde nochmals hervorgehoben, wie wichtig es ist, den Kampf gegen Fehlernährung ernsthaft anzugehen.

 

Von Dr. Bernhard Walter am
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Dr. Bernhard Walter Referent Ernährungssicherheit
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In Rom ging gestern die Sitzung des Welternährungsausschusses (Commitee on World Food Security, CFS) zu Ende. Dabei wurde nochmals hervorgehoben, wie wichtig es ist, den Kampf gegen Fehlernährung ernsthaft anzugehen. Vor allem müssen der Landwirtschafts-, Gesundheits- und Bildungsbereich zusammengebracht werden. Das CFS hat in diesem Jahr die Voraussetzung geschaffen, indem nun Welternährungsorganisation und  Weltgesundheitsorganisation an einem Strang ziehen, um die gerade beschlossenen Nachhaltigkeitsziele der internationalen Staatengemeinschaft zu erreichen.

Nahrungsmittelkonzerne weiten Einfluss aus

Aber es zeichnen sich auch gefährliche Tendenzen im Kampf gegen Fehlernährung ab: Denn Nahrungsmittelkonzerne und Privatsektor versuchen immer stärker, ihren Einfluss auf politische Entscheidungen zu Themen der Ernährung systematisch auszubauen. Sie behaupten zum Beispiel, nur industriell verarbeitete Lebensmittel sind gesund und sicher. Damit diskreditieren sie Lebensmittel, die unverarbeitet sind und auf den Märkten von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen angeboten werden. Zur Überwindung von Hunger und Mangelernährung bringen die Nahrungsmittelkonzerne immer mehr Lebensmittel auf den Markt, die künstlich mit Zusatzstoffen angereichert wurden.

Ihre Rolle als Mitverursacher von Mangel- und Fehlernährung wird aber völlig  ausgeblendet. Denn eine zentrale Ursache für  Fehlernährung ist der wachsende Konsum von weiterverarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken mit viel Fett, Zucker und Salz. Diese Produkte aus den Fabriken der großen Nahrungsmittelkonzerne werden auch in Entwicklungs- und Schwellenländern massiv beworben und verdrängen dort regionale landwirtschaftliche Produkte. Kritisch sieht die Zivilgesellschaft die zu starke Ausrichtung der Nahrungsmittelkonzerne auf technische Lösungsansätze. Künstliche Zusatzstoffe sind nur in Ausnahmefällen - wie bei Jodmangel – notwendig. Aber aus Sicht der Zivilgesellschaft ist eines klar: Ausreichende und ausgewogene Ernährung bereitzustellen, muss eine Aufgabe der Politik bleiben und darf nicht privatwirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden.

Frauen und Mädchen besonders von Mangelernährung betroffen

Beim CFS wurde auch betont, dass für die Reduzierung der Fehlernährung die Situation der Frauen und Mädchen besonders berücksichtigt werden muss, denn sie leiden am stärksten unter den Folgen von Mangelernährung. Jeder fünfte Mensch ist eine mangelernährte Frau oder ein mangelernährtes Mädchen. Sie kommen in vielen Gesellschaften beim Essen traditionell zu kurz: Unter dem Vorwand, Männer würden besonders hart arbeiten, sind für sie die größere Portion oder das einzige Stück Fleisch reserviert. Aber Tatsache ist: besonders in armen Gesellschaften des Südens arbeiten Frauen körperlich – speziell in der Landwirtschaft – häufig härter als Männer und haben daher einen hohen Bedarf an Nährstoffen. In Südostasien beispielsweise sind die Arbeitskräfte in der Reisproduktion zu 90 Prozent weiblich.

Weltweit sind allein 528 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter durch Eisenmangel von Blutarmut  betroffen. Viele Todesfälle von Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt lassen sich auf Blutarmut zurückführen. Zudem werden die Zusammenhänge unterschiedlicher Formen der Benachteiligung von Frauen und Mädchen noch zu wenig beachtet: Frauen leiden unter Hunger und Mangelernährung besonders in den Ländern, in denen es Gesetze gibt, die sie diskriminieren oder in denen Töchter in vielfacher Hinsicht benachteiligt werden.

Deswegen sind mehr Geschlechtergerechtigkeit und ein verbesserter Zugang zu Nahrung und weniger technische Lösungsansätze gefragt. Wichtig ist, die Armut von Frauen wirksam zu bekämpfen und ihre Rechte auf Bildung, Arbeit und Gesundheit zu stärken. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, die sie brauchen, um sich und ihre Familien gesund ernähren zu können. Die Zivilgesellschaft hat in Rom diesen Aspekt besonders betont und hofft, dass die Regierungen nun wirksame Programme auf den Weg bringt, damit besonders die Fehlernährung von Frauen und Mädchen effektiv verringert wird.

 

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