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Hoffnung aus Paris: 1,5°C, eine "high ambition coalition" und 10 Mrd. für Erneuerbare in Afrika

Die zweite Woche in Paris ging gut los. Die 1,5°C Grenze ist wieder in aller Munde. Eine Koalition aus über 100 Staaten wirbt für Ambition. Und eine Gruppe von Industrieländern kündigt an, die afrikanische Initiative zum Ausbau Erneuerbarer Energie in Afrika mit 10 Milliarden US $ zu unterstützen.

 

Von Dr. Joachim Fünfgelt am
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Dr. Joachim Fünfgelt Referent Energiepolitik
Telefon: +49 (0) 30 65211-1054 joachim.fuenfgelt@brot-fuer-die-welt.de
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Die zweite Woche in Paris ging gut los. Zum einen ist die 1,5°C Grenze wieder in aller Munde. 1,5°C ist die Forderung vieler Inselstaaten sowie der „Least Developed Countries“. Diese werben seit jeher darum, dass der Klimawandel 1,5°C nicht überschreiten darf, weil sie ansonsten um ihr Überleben und ihre Heimat fürchten müssten. Diese Grenze schien schon vom Tisch, auch die Bundesregierung ist mit dem Ziel „Below 2°C“ angetreten. Das Comeback von 1,5°C kann ein gutes Zeichen sein, denn wir sollten alles daran setzen, sie zu halten. Im Pariser Abkommen muss diese Obergrenze durch ein entsprechendes Langfristziel (vollständige Dekarbonisierung der Weltwirtschaft durch 100% Erneuerbare bis 2050), durch eine Überarbeitung der nationalen Beiträge vor 2020 und durch sogenannte Ambitionsmechanismen, die dafür sorgen, dass alle Länder über die Zeit mehr Klimaschutz betreiben als bisher, operationalisiert werden. Ohne diese ambitionierte Operationalisierung würde die 1,5°C Grenze eine traurige Illusion bleiben.

Packen wir es an! Das scheint sich jetzt eine “high ambition coalition” zu denken. So nennt der Guardian eine neu gebildete Koalition aus über 100 Staaten inklusive 79 Staaten aus Afrika, Karibik und Pazifik, sowie den USA und sämtlichen EU Mitgliedern. China und Indien gehören nicht dazu. Diese “high ambition coalition” könnte die Verhandlungen tatsächlich in Richtung eines ambitionierten Abkommens bewegen.

Es gibt einen weiteren Hoffnungsschimmer. Wie aus dem Nichts kündigte eine Gruppe von Industrieländern an, die afrikanische Initiative zum Ausbau Erneuerbarer Energie in Afrika mit 10 Milliarden US $ zu unterstützen. Zu der Gruppe von Industrieländern gehören Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien, Japan, Schweden, Niederlande, Großbritannien, USA und die EU Kommission. Deutschland stellt mit 3 Mrd. US $ den größten Betrag zur Verfügung. Die Gelder sollen zwischen 2016 und 2020 fließen.

Die Initiative, die damit unterstützt wird, nennt sich African Renewable Energy Initiative (AREI) und ist in der ersten Verhandlungswoche verkündet worden. Das Ziel der Initiative ist es, bis 2020 insgesamt 10 GW Erneuerbare Energie in Afrika zu installieren. Zudem sollen bis 2030 sogar 300 GW Erneuerbare installiert werden. Zum Vergleich: aktuell werden in Afrika insgesamt 150 GW Energie produziert. Es geht also darum, bis 2030 die doppelte Menge der gegenwärtigen Strommenge neu und erneuerbar zu installieren. Das klingt endlich nach der Art von Vision und Ambition, die wir für die Begrenzung des Klimawandels brauchen.

Das Ziel der AREI ist nicht nur die Begrenzung des Klimawandels. Es geht auch darum, Zugang zu Energie für 635 Millionen Menschen zu schaffen, die in Sub-Sahara Afrika keinen Zugang haben. Wenn das gelingt, kann der Ausbau Erneuerbarer Energie ein Motor für Entwicklung und die Überwindung von Armut werden. Klimaschutz und Entwicklung würde Hand in Hand gehen. Daher sind die Ankündigung, die AREI mit 10 Mrd. US $ zu unterstützen, sowie die starke Beteiligung der Bundesregierung erstmal zu begrüßen.Wichtig wird sein, diese Initiative richtig umzusetzen.

Das gilt natürlich auch für alle anderen Beschlüsse, die in Paris getroffen werden. Doch noch müssen wir erstmal weiter auf ein ambitioniertes Abkommen hinarbeiten. Die Hoffnungsschimmer mehren sich.