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Halbzeit in Paris

Im Rahmen der Weltklimakonferenz in Paris sind Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammengekommen, um einen neuen ambitionierten, gerechten und global geltenden Klimavertrag zu erarbeiten, der dafür sorgen soll, die Erwärmung der Erdatmosphäre auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Um zu einem solchen Abkommen zu gelangen bedarf es Bereitschaft, Toleranz und politischen Willen aber auch Zivilcourage und eiserne Nerven.

 

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Weltweit nehmen die Auswirkungen des Klimawandels zu. Diese Aussage ist nicht neu. Wir kennen die Berichte der weltweit Ärmsten und Verletzlichsten, die durch steigenden Meeresspiegel ihre Heimat verlieren oder durch Extremwettereinflüsse ihre Äcker nicht mehr oder nicht ausreichend bestellen können.

Die Ergebnisse der so genannten Vulnerabilitätsanalyse – einer umfassenden und deutschlandweiten Studie zur Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel, holt das Thema Klimawandel auch in deutsche Wohnzimmer. Dorthin, wo vielleicht jetzt schon die Urlaubsplanung für das kommende Jahr stattfindet und Flüge in ferne Länder gebucht werden. Doch die Studienergebnisse laden zum Nachdenken ein, denn die Folgen des Klimawandels werden sich künftig auch in Deutschland verstärkt bemerkbar machen. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wird die Gefahr von Hochwassern oder Hitzewellen zunehmen. Damit wird das Schadenspotenzial des Klimawandels für Natur, Gesellschaft und Wirtschaft steigen.

Die großen Mengen an CO2, die durch unser Leben täglich in die Atmosphäre gelangen, erhöhen den so genannten Treibhauseffekt und führen damit zum Temperaturanstieg. Dieser setzt den Klimawandel immer stärker in Gang. Auch der Flug- und Schiffsverkehr tragen dazu erheblich bei. Allein der Luftverkehr macht 5% des vom Menschen hervorgerufenen Klimawandels aus, der Schiffsverkehr trägt mit nahezu 3% dazu bei. Die Emissionen beider Sektoren gemeinsam entsprechen etwa den Jahresemissionen von Deutschland. Beide Sektoren sind ein Spiegel unseres Lebensstils, der Flugverkehr steht für Urlaub, Reisen und Luxus; der Schiffsverkehr für Waren aus aller Welt (etwa 90% aller Güter werden mit dem Schiff transportiert) sowie für Urlaubsreisen auf zahlreichen Traumschiffen, die über die Ozeane kreuzen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass diese beiden emissionsintensiven Wirtschaftsbereiche keinerlei Emissionsregulierung unterliegen. Ganz im Gegenteil, sie werden subventioniert indem ihre Treibstoffe von Steuern befreit sind. Dies verhilft dem Schiffs- und Flugverkehr zur Gewinnmaximierung und fördert unreflektiertes Konsumverhalten.

Unsere Erde jedoch kann sich nicht unbegrenzt erwärmen! Zahlreiche Prognosen, allen voran der aktuelle Sachstandsbericht des Weltklimarates, verweisen auf den Ernst der Lage und die Auswirkungen zunehmender Temperaturen auf Mensch und Umwelt.

Im Rahmen der Weltklimakonferenz sind Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammengekommen, um einen neuen ambitionierten, gerechten und global geltenden Klimavertrag zu erarbeiten, der dafür sorgen soll, die Erwärmung der Erdatmosphäre auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Um zu einem solchen Abkommen zu gelangen bedarf es Bereitschaft, Toleranz und politischen Willen aber auch Zivilcourage und eiserne Nerven.

Soll mit dem Klimaabkommen das langfristige Ziel (<2°C) erreicht werden, so müssen auch für den Schiffs- und Flugverkehr, deren Emissionen nicht mit den nationalen eingereichten Beiträge zur Emissionsminderung (Intended National Determinded Contributions - INDCs) erfasst wurden, festgelegt werden. Dabei sind Reduzierung auf niedrigem Niveau und kohlenstoffneutrales Wachstum ab 2020 (Carbon Neutral Growth) nicht ausreichend. Denn beide Sektoren haben im Verlauf der vergangenen Jahre nahezu uneingeschränkt CO2 emittiert und unterliegen einer - für unser Klima - zu starken Wachstumsdynamik. Die klimaschädigenden Auswirkungen dieser beiden Wirtschaftsbereiche müssen drastisch reduziert werden.

Nach einer Woche Klimaverhandlungen liegt nun ein etwas kürzerer Textentwurf für das Abkommen vor. Das Ziel aber, ein etwa 12 Seiten umfassendes Dokument vorzulegen, ist noch weit entfernt. Der entsprechende Absatz zur zukünftigen Regelung der Emissionen von Luft- und Seeverkehr ist noch Bestandteil des Entwurfs. Er ist zwar wenig ambitioniert und konkret, aber ein Kompromiss für den es sich lohnt einzusetzen. Damit kann eine positive Zwischenbilanz der ersten Verhandlungswoche gezogen werden.

Jedoch muss das Vertragsdokument von Paris noch um viele Seiten gekürzt werden. Der Umgang mit klimaschädigenden Emissionen aus dem Flug- und Schiffsverkehr ist neben Themen wie Klimafinanzierung, Abkehr von fossilen Energieträgern, Mechanismen zur regelmäßigen Überprüfung der Zielerreichung und –erhöhung oder dem Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten, nur eines von vielen wichtigen Themen, die in Paris verhandelt werden. Endgültige Bewertungen des künftigen Klimavertrags können also erst am Ender der kommenden Woche vorgenommen werden.

 

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