Blog-Beitrag

Entwicklungsfinanzierung - auch mit Geld aus dem Empfängerland?

Von Online-Redaktion am

Sollte die Zahlung von Mitteln im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit daran gekoppelt werden, dass die Länder, die solche Hilfen bekommen, auch eigene finanzielle Ressourcen stärker verfügbar machen – indem sie zum Beispiel die Reichen, auch die Regierungschefs, stärker besteuern und mit dem Geld Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut finanzieren?


Prof. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik:

Es ist unbedingt sinnvoll, Entwicklungs- und Schwellenländer dabei zu unterstützen, ihre eigenen finanziellen Ressourcen stärker verfügbar zu machen und die Steuersysteme von Entwicklungs- und Schwellenlän-dern zu stärken. Dabei muss es darum gehen, faire Steuersysteme zu entwickeln, die Menschen mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit ent-sprechend ihrer Möglichkeiten besteuern.


Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Nationale Ressourcen sind die zuverlässigste und berechenbarste Quelle zur Finanzierung staatlicher Aufgaben, z.B. für Bildung und Ge-sundheit. Daher müssen sie im Mittelpunkt jeder Entwicklungsfinanzie-rung stehen. Die Stärkung der Eigenverantwortung von Entwicklungs- und Schwellenländern, nationale Ressourcen zu mobilisieren (z.B. Ver-besserung der Steuersysteme, Bekämpfung illegaler Finanzströme, Entwicklung der nationalen Finanzmärkte) hat deshalb auch höchste Priorität. Das BMZ unterstützt internationale Prozesse um Steuerver-meidung und illegale Finanztransaktionen zu bekämpfen und fördert im Rahmen seiner Entwicklungszusammenarbeit auch den Aufbau natio-naler Steuersysteme.


Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt:

Es darf nicht sein, dass besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen am härtesten getroffen und für die Sünden ihrer Regierungen bestraft werden. Eine direkte Koppelung der Entwicklungsleistungen kann prob-lematisch sein. Aber natürlich ist sehr darauf zu drängen, dass es in den Entwicklungs- und Schwellenländern zum Auf- und Ausbau von wirklich funktionierenden und sozial gerechten Steuersystemen kommt und die dort lebenden Reichen größere Beiträge zur Bekämpfung der Armut leisten. Dies erfordert aber ebenso die Austrocknung von Steu-eroasen, von denen es auch welche in Europa gibt – und gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung von Steuerflucht.


Auf unserer Veranstaltung am 26. Februar

zur Rolle Deutschlands im Superentwicklungsjahr (2015) konnten aus Zeitgründen nicht alle Fragen von den drei

Panelisten – Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, DIE-Direktor Prof. Dr. Dirk Messner und Brot für die

Welt-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel – direkt beantwortet werden. Sie haben aber alle Fragen aus dem

Publikum, die auf die Kärtchen geschrieben worden waren, im

href="http://info.brot-fuer-die-welt.de/event/super-entwicklungsjahr-2015">Nachgang schriftlich beantwortet.

 

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