Blog-Beitrag

Entwicklungsagenda: SDGs auch in Deutschland umsetzen?

Von Online-Redaktion am

Haben Sie den Eindruck, dass alle Ministerien in der Bundesregierung schon erkannt haben, dass die neue Entwicklungsagenda nicht nur etwas mit den klassischen Entwicklungsländern zu tun hat sondern auch auf enorme Veränderungsprozesse bei uns zielt („Große Transformation“)? Was sollte getan werden, damit die gesamte Bundesregierung diesen Prozess ernst nimmt und in die Pflicht genommen wird, alle SDGs auch in Deutschland umzusetzen?


Prof. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik:

Ich habe nicht den Eindruck, dass bereits alle Ministerien der Bundesregierung verstanden haben, dass die neue Entwicklungsagenda auch Veränderungsprozesse in Deutschland impliziert. Von den meisten politischen Akteuren wird die SDG-Diskussion noch immer als eine entwicklungspolitische Debatte wahrgenommen. Hier gilt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.


Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Das Kabinett und allen voran die Bundeskanzlerin sind sich sehr bewusst, was die heutigen Herausforderungen für uns bedeuten. Das Bewusstsein, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen müs-sen, um eine lebenswerte Zukunft zu erhalten, teilen wir innerhalb der Bundesregierung. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Diskussionsbe-darf, wie genau wir die Agenda in Deutschland umsetzen werden.

Für die nationale Nachhaltigkeitsstrategie ist das Bundeskanzleramt zuständig. Der Prozess der Überarbeitung der Strategie, damit diese die heutigen Herausforderungen aufgreift, wurde bereits begonnen. Auch der Zukunftscharta-Dialog zeigt, dass viele Menschen in Deutschland interessiert sind, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Wir werden die Ergebnisse der Zukunftscharta in den deutschen Überarbeitungsprozess einbringen.

Es ist jedoch wichtig, sich zu erinnern, dass die Umsetzung nicht nur auf Regierungsebene erfolgt. Wir alle müssen umdenken und unser Verhalten ändern. Das Kaufen fairer Jeans, der Konsum nachhaltig produzierter Nahrungsmittel, die Unterstützung von Flüchtlingen beim Deutschlernen, die Wahl des Fahrrads für den Arbeitsweg….

Nur gemeinsam können wir etwas erreichen.


Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt:

Dass nach der Logik der SDGs auch Deutschland ein Entwicklungs-land ist und die neue Agenda alle Politikbereiche betrifft, ist meines Erachtens noch nicht in allen Ministerien angekommen. Bisher enga-gieren sich vor allem das Entwicklungs- und das Umweltministerium in diesem Bereich. Wenn man allerdings das Ziel ernstnimmt, nach-haltigere Produktions- und Konsummuster anzustreben, dann sind auch das Wirtschafts- und das Agrarministerium stark gefordert. Koh-lekraftwerke und Massentierhaltung haben ja nun mit Nachhaltigkeit sehr wenig zu tun. Es ist deshalb sehr wichtig, dass in Deutschland ein nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der neuen Entwicklungsziele erarbeitet wird und alle Ressorts berichten müssen, was sie zur Erreichung der neuen Ziele beitragen – und dass sie zumindest der Erreichung der neuen Ziele nicht im Wege stehen.

Brot für die Welt überlegt, gemeinsam mit anderen Akteuren der Zi-vilgesellschaft wieder zu einem Transformationskongress einzuladen, um deutlich zu machen, dass die neue Entwicklungsagenda Verän-derungsprozesse in allen Bereichen der Gesellschaft in Gang setzen will.


Auf unserer Veranstaltung am 26. Februar

zur Rolle Deutschlands im Superentwicklungsjahr (2015) konnten aus Zeitgründen nicht alle Fragen von den drei

Panelisten – Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, DIE-Direktor Prof. Dr. Dirk Messner und Brot für die

Welt-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel – direkt beantwortet werden. Sie haben aber alle Fragen aus dem

Publikum, die auf die Kärtchen geschrieben worden waren, im

href="http://info.brot-fuer-die-welt.de/event/super-entwicklungsjahr-2015">Nachgang schriftlich beantwortet.

 

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