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Textilunternehmen sollen Hinterbliebene entschädigen

Ein Jahr nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch warten Überlebende und Hinterbliebene noch immer auf finanzielle Entschädigung. Brot für die Welt fordert die in Bangladesch produzierenden deutschen Textilunternehmen auf, in den Entschädigungsfonds einzuzahlen: „Viele Verletzte warten bis heute auf medizinische Behandlung und finanzielle Unterstützung“, so Brot für die Welt-Referentin Sarah Lincoln.

 

Von Online-Redaktion am

Ein Jahr nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch warten Überlebende und Hinterbliebene noch immer auf finanzielle Entschädigung. Brot für die Welt fordert die in Bangladesch produzierenden deutschen Textilunternehmen auf, in den Entschädigungsfonds einzuzahlen. Sarah Lincoln, Referentin für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte bei Brot für die Welt: „Viele Verletzte warten bis heute auf medizinische Behandlung und finanzielle Unterstützung. In den Entschädigungsfonds ist bisher noch nicht einmal die Hälfte der benötigten Summe eingezahlt worden, das reicht bei weitem nicht aus.“

Am 24. April 2013 starben über 1.100 Textilarbeiter und Textilarbeiterinnen in den Trümmern der eingestürzten Fabrik, rund 2.500 erlitten teils schwerste Verletzungen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat einen Hilfsfonds eingerichtet, in den jedoch erst rund 15 der benötigten 40 Millionen US-Dollar eingezahlt wurden. Auch deutsche Textilunternehmen, die Ware aus Rana Plaza bezogen, haben noch nicht eingezahlt.

Trotz des immensen öffentlichen Aufschreis nach dem Einsturz hat sich in der Textilbranche bislang wenig getan. Die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben der großen Modeketten sind weiterhin katastrophal. Beschäftigte arbeiten bis zu 18 Stunden täglich zu Hungerlöhnen. Belästigungen und Schikane sind alltäglich, eine gewerkschaftliche Betätigung ist in vielen Fabriken nicht möglich.

Freiwillige Unternehmensinitiativen zur Sozialverantwortung (CSR), wie die 2004 gegründete Business Compliance Initiative (BSCI), tragen eher zu einem besseren Image der Handelsketten bei. Eine tatsächliche Veränderung der Arbeitsbedingungen vor Ort ist nicht zu beobachten. Die durchgeführten Kontrollen sind unzureichend, unter anderem sind NGOs und Gewerkschaften nicht einbezogen. Um eine positive Wirkung zu erzielen, müssten die Textilunternehmen bereit sein, die Rahmenbedingungen zu verändern, angefangen bei der eigenen Einkaufspolitik: Momentan tragen die kurzen Lieferfristen und der enorme Preisdruck maßgeblich zu den Arbeitsrechtsverletzungen in den Betrieben bei.

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass freiwillige CSR-Aktivitäten nicht ausreichen“, sagt Sarah Lincoln. „Um zukünftig die Bedingungen in der Textilbranche zu verbessern, ist der Gesetzgeber gefragt, klare menschenrechtliche Sorgfaltspflichten für die auf dem deutschen Markt vertretenen Modeketten zu verabschieden. Damit müssten sie auch Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmern übernehmen, egal wo diese produzieren.“

 

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