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Papst Franziskus: es geht um Würde und Gerechtigkeit

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Papst Franziskus hat in seiner Rede auf der Zweiten Internationalen Konferenz zu Ernährung am 20. November 2014 in Rom den Delegierten aus 172 Staaten erklärt, dass die Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung kein Akt der Barmherzigkeit ist. Vielmehr gehe es um die Würde eines jeden einzelnen Menschen.

Menschenwürde und Barmherzigkeit, oder weniger altmodisch ausgedrückt, Empathie, sind jedoch gar keine Gegensätze. Zu versuchen, sich in jemanden einzufühlen, bedeutet auch, andere als gleichwertig anzuerkennen. Mitgefühl und menschliche Würde gehören also eng zusammen. Gerade bei der Menschheitsaufgabe, die Welt von Hunger und Mangelernährung zu befreien.

Dass diese Aufgabe bisher nicht gemeistert wurde, ist alles andere als schicksalhaft. Hunger und Mangelernährung überdauern Zeiten des Überflusses und ausreichender Nahrungsmittelproduktion. Es ist genug für alle da und doch fehlt es vielen am Nötigsten. Ein Paradox, auf das Franziskus gleich zu Beginn seiner Ansprache aufmerksam machte. Er zitierte hierbei seinen Vorvorgänger Papst Johannes Paul, der schon vor 22 Jahren, auf der ersten Internationalen Konferenz zu Ernährung, diesen Widerspruch offen gelegt hatte. Seitdem hat sich das Missverhältnis nicht aufgelöst.

Doch was hat uns die ganze Zeit daran gehindert, Hunger und Mangelernährung endlich in die dunklen Seiten der Geschichtsbücher zu verbannen? Ihr Fortbestand lässt sich nicht ohne ihre Verbindung zu Armut und Ungerechtigkeit erklären. Profitgier und ökonomische Banalisierung gefährden den kulturellen, sozialen und nicht zuletzt auch nährstofflichen Wert von Nahrung. Einer Welt ohne Hunger und Mangelernährung stehe das geltende Primat der Märkte und des Profits entgegen, stellte auch Franziskus fest. Essen würde zu einer bloßen Ware herabgestuft, die man kauft oder verkauft und der Spekulation frei gibt. Seine Bedeutung für das menschliche Leben, seine Rolle für die menschliche Würde rücken dabei in den Hintergrund.

Die Rede des Papstes berührte am Ende eine weitere Dimension. Ernährung ist nicht nur eine Frage von Gemeinschaft und Solidarität, des Verhältnisses von Mensch zu Mensch. Sie prägt auch das menschliche Verhältnis zur Natur. In diesem Verhältnis dürfen wir den Worten des katholischen Kirchenoberhauptes nach nicht auf Vergebung hoffen. Gott vergebe immer, aber Mutter Erde werde nicht vergeben, warnte der Bischof von Rom die Delegierten mit Blick auf die bevorstehenden Klimakonferenzen in Lima und Paris davor, die ökologischen Grundlagen von Ernährungssicherheit weiter aufs Spiel zu setzen.

 

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