Blog-Beitrag

Friedensförderung in einer komplexen Welt

Am 7. und 8. Mai fand in Berlin das FriEnt Peacebuilding Forum 2014 statt. Über 200 deutsche und internationale Gäste, des Forums diskutierten die Herausforderungen für Friedensförderung in einer komplexen Welt. Auch Partnerorganisationen von Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst waren auf verschiedenen Podien präsent.

 

Von Caroline Kruckow am
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Caroline Kruckow Referentin Frieden und Entwicklung
Telefon: +49 (0) 30 65211-1795 caroline.kruckow@brot-fuer-die-welt.de
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Am 7. und 8. Mai fand in Berlin das FriEnt Peacebuilding Forum 2014 statt. Über 200 deutsche und internationale Gäste des Forums, unter ihnen auch Partnerorganisationen von Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst, diskutierten die Herausforderungen für Friedensförderung in einer komplexen Welt, unter anderem

  • was zunehmend komplexe Konfliktkonstellationen und globale Veränderungen für die eigenen Peacebuilding-Aktivitäten bedeuten;
  • ob aktuelle internationale Prozesse wie die Post-2015 Agenda oder der New Deal for Engagement in Fragile States neue Perspektiven für Friedensförderung eröffnen;
  • wie viel Raum zivilgesellschaftliche Initiativen zur Friedensförderung haben und wie Partnerschaften zwischen Staat und Zivilgesellschaft ausgestaltet werden können und
  • welche Rolle Deutschland übernehmen sollte, um einer „neuen Verantwortung“ gerecht zu werden.

Eröffnet wurde das Peacebuilding Forum von Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im BMZ, und Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender von Misereor. Silberhorn hob in seiner Rede hervor, dass sich das BMZ für mehr Krisenprävention und die friedliche Bearbeitung von Konflikten einsetzt. Dafür brauche es starke Partner, neue Perspektiven und den Blick über den eigenen Tellerrand. Deshalb seien Netzwerke wie FriEnt so wichtig. Auch die Erfahrungen von neuen Akteuren gelte es zu nutzen, seien es aufstrebende Mächte oder fragile Staaten selbst. Der „New Deal for Engagement in Fragile States“ sei dabei der bislang überzeugendste Versuch, das Engagement in fragilen Kontexten gemeinsam neu zu gestalten. Dieser betont die Eigenverantwortung der betroffenen Staaten. Und er gibt einen Rahmen für das Geberengagement vor.

Pirmin Spiegel erinnerte angesichts der aktuellen Debatte um Deutschlands „neue Verantwortung“ in der Welt daran, dass internationale Verantwortung zu Hause beginnt  – dort, wo es um die eigenen Politiken und deren Auswirkungen auf Konfliktdynamiken in anderen Ländern geht. Antworten auf die komplexen Herausforderungen, neue Wege der Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure sowie ein Paradigmenwandel hin zu lokal definierten Prioritäten standen bei der anschließenden öffentlichen Podiumsdiskussion ebenfalls im Mittelpunkt.

Der zweite Tag des FriEnt Peacebuilding Forums richtete sich an ein Fachpublikum und begann mit einem Impulsreferat zur systemischen Friedensförderung. Hilft die Anwendung von Erkenntnissen aus der „Komplexitätstheorie“ bei der Formulierung von Politik und Praxis im Bereich der Friedensförderung und welche praktischen Hindernisse bestehen - bei aller Rhetorik über Komplexität und Interdependenz – tatsächlich Silos zu überwinden und lineare Wirkannahmen zu hinterfragen?

Aktuelle internationale Prozesse, wie die Debatte zur Post-2015 Agenda und die Umsetzung des New Deal, standen im Mittelpunkt des zweiten Panels, das sich mit der Zukunft von Friedensförderung in Politik und Praxis auseinandersetzte. Schnell wurde deutlich: Der New Deal ist work-in-progress, bietet aber gute Anknüpfungspunkte für staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure, ihr Engagement in fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten effizienter zu gestalten. Lancedell Mathews, Direktor der BfdW-EED-Partnerorganisation NARDA aus Liberia, betont auf dem Podium das lokales Wissen für die Friedensarbeit zentral sei. Internationale Friedensbemühungen tendieren dazu, lokales Know-how nicht ausreichend einzubinden, Geber-Policies unterminieren nicht selten lokales Friedensengagement. Häufig wechsele die internationale Agenda zu schnell, ohne dass die lokalen Partner die Möglichkeit haben, sich auf Prioritätensetzungen und Änderungen der Geberseite einstellen zu können. Auch der Zeitdruck und die häufig nicht ausreichende Möglichkeit der Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure an Entscheidungsprozessen stellen große Herausforderungen dar. Einen Einstieg und Potential für Verbesserungen im Friedensbereich sieht er in Vertrauensaufbau und der Förderung einer aktiven und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Friedensakteuren auf allen Ebenen.

In fünf Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden aktuelle Trends und Herausforderung in spezifischen thematischen Bereichen. Das Forum bot außerdem Gelegenheit, sich über eigene Projekte und innovative Ideen austauschen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Lancedell Matthews war in einer dieser Arbeitsgruppen vertreten und hielt einen Vortrag über Management natürlicher Ressourcen und Friedensförderung.

Ausführliche Berichte von den einzelnen Diskussionen und aus den Arbeitsgruppen erscheinen in Kürze auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung.

 

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