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Ebola in Westafrika: Die Angst vor der Berührung

Von Online-Redaktion am

Die Hiobsbotschaften aus den Ebola-Gebieten in Westafrika reißen nicht ab. In Sierra Leone gerät die Epidemie immer stärker außer Kontrolle. Nach offiziellen Angaben des Gesundheitsministeriums in Freetown starben allein im Laufe des Samstags in dem Land 121 Menschen an dem Virus – so viele wie nie zuvor seit Ausbruch der Seuche. Einen Grund für diesen dramatischen Anstieg haben die Gesundheitsexperten allerdings nicht. Damit stieg die Zahl der Ebola-Toten in Sierra Leone auf 678 Fälle. Am stärksten jedoch von der Seuche betroffen ist Liberia. Dort starben laut Weltgesundheitsorganisation bereits knapp 2.500 Menschen an Ebola. In ganz Westafrika gibt es der WHO zufolge bislang rund 3.500 Todesfälle zu beklagten. Insgesamt fast 7.500 Infizierte sind registriert (Stand: 3.10.). Doch die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Um die Ausbreitung des tödlichen Virus zu stoppen braucht Westafrika in jedem Fall mehr internationale Unterstützung.

Das betont auch Dr. Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm). Die langjährige Partnerin der Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe fordert im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika dringend dazu auf, wesentlich mehr gegen die Ausbreitung der Krankheit zu unternehmen und dabei die Gesundheitssysteme vor Ort zu stärken.

Es mangelt an grundlegender Ausrüstung

„Vielen lokalen Gesundheitseinrichtungen fehlt es an Handschuhen, Schutzanzügen und Desinfektionsmittel“, sagt die Tübinger Ärztin. „In den letzten Monaten sind viele Krankenschwestern und auch Ärzte an Ebola gestorben.“ Bei ihrem letzten Besuch in Liberia waren fünf von sechs lokalen Gesundheitseinrichtungen nicht gut genug aufgestellt, um Ebola-Patienten frühzeitig zu erkennen und zu isolieren. Dagegen sind die Ebola-Behandlungszentren zwar gut ausgerüstet, aber mit der schnell steigenden Anzahl der Patienten überfordert. „Für das Personal dort ist es eine sehr große Belastung, wenn sie Kranke wegen Bettenmangels abweisen müssen“, betont Gisela Schneider.

Wissen schützt vor Ansteckung

Auch Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe wollen und können helfen. Nicht akut medizinisch, sondern vor allem durch Aufklärung und Prävention. Dabei geht es auch um das Aufrechterhalten der regulären Gesundheitseinrichtungen, besonders der Kirchen. So setzt die Diakonie Katastrophenhilfe Projekte in Liberia und Sierra Leone mit zwei kirchlichen Partnern um, die mehrere Basis-Gesundheitsstationen betreiben. Auf ihrer Website informiert die Organisation über ihren Einsatz. Dort sind auch Online-Spenden möglich. Die beiden Werke planen zudem, das Netz der Partner zu erweitern, um noch mehr Menschen über die Krankheit aufzuklären. Denn Wissen ist und bleibt der beste Schutz vor Ansteckung.

Das hat längst auch schon der Kirchenrat in Sierra Leone (CCSL), Partner von Brot für die Welt, erkannt und informiert mit Unterstützung von ACT Alliance die Bevölkerung über das tückische Virus. Er lässt unter anderem Radioprogramme produzieren, druckt und verteilt Plakate und Flugblätter. Somit erreicht man auch Menschen, die nicht lesen können und kann ihnen vermitteln, wie Ebola entsteht, welche  Symptome es gibt, wie sich die Krankheit eindämmen lässt und wie Vorsorge möglich ist, erklärt CCSL-Generalsekretärin Ebun James-DeKam.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Allein mit Worten und Bildern lässt sich das Ebola-Virus aber nicht stoppen. Sierra Leone hat wie andere Staaten auch den Gesundheitsnotstand ausgerufen und teilweise Ausgangs- und Reisesperren verhängt, um eine weitere Verbreitung einzudämmen. Dadurch wollen die Regierungen effektiver und effizienter gegen die Krankheit vorgehen und die Übertragung begrenzen. Auch Polizei und Militär helfen dabei, dass die aufgestellten Quarantänezonen eingehalten werden. Das wirft andere Probleme auf: Viele Menschen in Westafrika gehen, wenn sie krank werden, gar nicht mehr zum Arzt, auch wenn sie vielleicht gar nicht an Ebola leiden, sondern aus anderen Gründen Fieber haben. Auch deshalb ist Aufklärung wichtig.

Hungerkrise in Sicht

Zudem wirkten sich die Reise- und Transportbeschränkungen negativ auf den eh schon darbenden Handel in den Ländern aus. Weil inzwischen kaum noch Lieferungen in die Katastrophenregionen gelangen, bleiben die Märkte leer und ziehen Preise für Grundnahrungsmittel massiv an. Nur wenige Kleinbauern haben noch etwas gepflanzt, aber als die Lage eskalierte, konnten sie die Felder nicht weiter bearbeiten. „Etwas Getreide ist vielleicht da, aber von Unkraut überwuchert, die Äcker sind aufgegeben“, erzählt Sheku Kamara in einem Interview des Deutschlandfunks.

Der Mitarbeiter einer Partnerorganisation von Brot für die Welt aus Sierra Leone war ursprünglich zum neuen Kampagnen-Thema „Satt ist nicht genug“ nach Berlin eingeladen worden. Jetzt berichtet er über das Leben in Zeiten von Ebola: „Wir können nichts ernten und werden völlig abhängig von Importen sein. Die Ernährungssicherheit wird problematisch, schon normalerweise haben wir kaum genug für alle. Jetzt machen wir uns große Sorgen, was nach Ebola kommt.“

Vorsicht vor Blut, Schweiß und Tränen

Allein schon um eine mögliche Hungerkrise in Westafrika abzuwenden, ist es unerlässlich, Ebola einzudämmen. Doch ein wirksames Heilmittel oder einen Impfstoff gegen das Virus gibt es (noch) nicht. In bis zu 90 Prozent aller Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Nach ersten Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit kommt es im späteren Verlauf zu blutigem Durchfall und Erbrechen. Übertragen wird das Virus in erster Linie durch Körperkontakt und Körperflüssigkeiten. Das stellt besonders pflegende Angehörige und Gesundheitspersonal vor große Gefahren. Schon eine Berührung genügt, das gefährliche Virus weiterzutragen.

Stress in der Familie

Panik macht sich breit. Mittlerweile ist das öffentliche Leben in den Dörfern erloschen. Die Schulen sind seit Juli zu, die Kinder dürfen aus Angst vor Ansteckung nicht draußen spielen. Sie sind eingesperrt – wie die Erwachsenen auch. Und das gefährdet die Familien, wie Sheku Kamara im Interview erklärt: „Wenn die Leute Freunde, Angehörige oder Nachbardörfer besuchen können, am Leben anderer teilhaben, vermindert das ihren Stress, sie können normal miteinander umgehen. Jetzt gibt es – anders als in den Städten – überhaupt keine sozialen Aktivitäten mehr. Nicht mal familiäre: Hochzeiten, Taufen oder so. All das fällt weg. Stattdessen sind die Menschen in ihren Hütten zusammengepfercht. Das erzeugt Stress, Spannungen, immer mehr Konflikte brechen auf.“

Flucht nach vorn – in die Vorsorge

Die allgegenwärtige Angst vor Ansteckung frisst die Solidarität, findet auch Kamaras Kollege Lancedell Mathews aus Liberia, der ebenfalls als Gast von Brot für die Welt nach Berlin gekommen war. Für ihn gibt es nur eine Lösung: die Flucht nach vorn – in die Vorsorge, in die Eindämmung der Epidemie: „Das ist die einzige Option. Wir müssen stark genug sein, Ebola zu stoppen. Diese Krankheit ist nicht heilbar, sie tötet. Der einzige Optimismus, der bleibt, ist: die Ausbreitung verhindern, Dorf für Dorf erobern. Nur so bringen wir das zu einem Ende“.

Und dabei leistet Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe mit ihren Partner vor Ort einen wichtigen Beitrag. Denn Hygiene und Prävention können die Krankheit zwar nicht heilen, helfen aber, die Verbreitung des Virus aufzuhalten und die Folgen der Krankheit auf die Lebensumstände in Westafrika zu begrenzen.

 

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