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Kailash Satyarthi: Menschenrechtsaktivist gegen Kinderarbeit

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Ehemalige Mitarbeitende
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Man kann ihn sich schwer als Mitglied eines SWAT-Teams zur Befreiung von versklavten Kindern vorstellen. Fast 60 Jahre ist er alt, graue Haare und eine Aura der Ruhe und Gelassenheit wecken den Eindruck eines gesetzten Mannes, der eher auf eine lange Karriere zurückblickt, als sich neuen Herausforderungen zuwendet. Doch bei seiner detaillierten Schilderung über die Vorgehensweise bei der Befreiung von Kindersklaven aus indischen Fabriken wird schnell klar, dass der Schein trügt. Die Befreiungsaktionen sind minutiös bis ins kleinste Detail durchgeplant, es werden Lagepläne analysiert und die Behörden nur soweit informiert, dass das korruptionsbedingte Risiko einer Warnung an die Fabrikbesitzer minimiert wird. Die Schilderung erinnern unweigerlich an Szenen aus Hollywood-Filmen wie „Ocean’s 11“.

Die von Brot für die Welt geförderte indische NGO BBA, was übersetzt so viel wie „save the childhood“ bedeutet, erfährt durch Familienangehörige, Medienberichte oder aufmerksame Nachbarn von Firmen, die Kinder aus den ländlichen Gebieten Indiens entführen, um sie dann als kostengünstige Arbeitskräfte einzusetzen, beispielsweise im Textilsektor. Die so identifizierten Firmen werden dann beobachtet, Einsatzstrategien werden entwickelt und schließlich werden die Kinder, bestenfalls im Beisein von vertrauten Personen, befreit. Anschließend werden die Kinder in sogenannten „Rehabilitationszentren“ medizinisch und psychologisch betreut. Die verantwortlichen Unternehmer sollen im Anschluss auch verhaftet und vor Gericht gebracht werden, jedoch können diese oftmals in den Wirren der Befreiungsaktion oder weil sie vorher gewarnt wurden, entkommen.

Kinder befreien, dieser Aspekt der Arbeit von Kailash Satyarthi muss sehr befriedigend sein, der Kampf gegen die Windmühlen der Legislative weniger. Als Initiator des „Global March against Child Labour“, ein weltweiter Aufschrei gegen Kinderarbeit 1998, beeinflusste er die Politik gegen Kinderarbeit auf internationaler Ebene wesentlich. Die ILO-Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit ist, auch auf Grund dieser weltweiten Proteste, die bis jetzt am schnellsten ratifizierte Konvention überhaupt und die 1999 beschlossene UN-Kinderrechtskonvention der alle Staaten außer USA, Südsudan und Somalia beigetreten sind.

Mit dem Label „Rugmark“, das auf Grund von Copyright-Streitigkeiten heute „good weave“ genannt wird, führte Kailash Satyarthi 1995 mit Unterstützung von Brot für die Welt das erste global vergebene Zertifizierungslabel überhaupt ein. Hierbei handelt es sich um ein Zertifikat, dass Akteuren in der Teppichindustrie ausgestellt wird, wenn diese auf Kinderarbeit verzichten.  Doch die Realität in einzelnen Ländern wie Indien, Mali oder Costa Rica zeichnet leider oftmals ein anderes Bild: Verschleppung von Kindern in sklavenähnliche „Arbeitsverhältnisse“, Zwangsprostitution, Misshandlungen und Missbrauch als Hausmädchen hinter verschlossenen Türen sind alltäglich. In Indien wird alle sieben Stunden ein Kind entführt, von den entführten Kindern werden nur 40 bis 50 Prozent befreit, auch durch die oben beschrieben spektakulären Aktionen.

Das aus dem Marsch resultierende internationale NGO-Bündnis ist im Kampf für Kinderrechte heute noch sehr erfolgreich aktiv. Kailash Satyarthi berät im Rahmen des Netzwerkes die UN und verschiedene Regierungen in Fragen der Kinderrechte, um zu bewirken, dass diese nicht nur auf dem Papier garantiert werden. Derzeitige Schwerpunkte der Arbeit sind der Kampf gegen die Entführung und Verschleppung von Kindern sowie Zwangsarbeit speziell in der Landwirtschaft und der Textilindustrie. Gerade in der Textilindustrie mehren sich die Lippenbekenntnisse von Unternehmen, den Kampf gegen Kinderarbeit zu unterstützen, es bleibt jedoch oft beim guten Willen, da die Lieferketten weder transparent sind noch kontrolliert werden.

 

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