Blog-Beitrag

Die Fossile der Weltklimaverhandlung

Von Ehemalige Mitarbeitende am
Bild von Ehemalige Mitarbeitende
Ehemalige Mitarbeitende
mehr zur Person

Jeden Abend um 18 Uhr tümmeln sich am Stand des Klimanetzwerkes CAN (Climate Action Network) einige Dutzend Schaulustige zusammen, um zu erfahren, welches Land oder welche Institution den Preis des Tages „Fossil of the Day“ abgeräumt hat.

Am Freitag wurde dann Punkt 18 Uhr feierlich verkündet, dass Japan – nach Australien und Polen – den ehrenwerten Preis erhalten hat. Wofür? Nachdem es zuvor schon Gerüchte darüber gab, verkündete Japan am Freitag Morgen zum Entsetzen vieler TeilnehmerInnen tatsächlich, dass es seine Klimaschutzziele senken werde. Hatte Japan noch 2009 angekündigt, seine Emissionen um 25% bis 2020 zu senken (im Vergleich zu 1990), so stellen die neu verkündeten Ziele für 2020 einen ANSTIEG um 3,1% gegenüber 1990 dar. Japan begründet diesen Schritt mit dem Abschalten von Atomkraftwerken nach dem Erdbeben und Tsunami im Jahr 2011. Dies spiegelt jedoch nicht die wahren Gründe (u.a. eine starke Industrielobby) wieder, denn die Treibhausgasemissionen könnten trotzdem – sofern der politische Wille vorhanden wäre – durch verschiedene Maßnahmen vermindert werden, so z.B. durch Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien.

Die Europäische Union, England sowie die AOSIS-Staaten (Alliance of Small Island States) zeigten sich tief enttäuscht über diese Entscheidung. Was die Welt angesichts klimabedingter Katastrophen wie dem Taifun „Haiyan“ braucht, ist die Steigerung der Ambitionen und nicht das Gegenteil. Japan sollte sich auch bewusst sein, dass es sich durch seine Äußerungen zum Außenseiter für die weiteren Verhandlungsgespräche gemacht hat. Bleibt zu hoffen, dass Japan seine als „vorläufig“ angekündigte Emissionssteigerung nochmals überdenken und diese durch ein wirklich ambitioniertes Reduktionsziel ersetzen wird!

 

Helfen Sie mit einer monatlichen Spende: Fördermitglied werden