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Green Economy – Eine trostlose Veranstaltung

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Ehemalige Mitarbeitende
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Schon die äußeren Bedingungen sind wenig ermutigend: Rund zweihundert Menschen in einem viel zu kleinen, fensterlosen Raum. Nicht wenige müssen stehen. Die Atemluft wird knapp. Je länger es dauert, desto größer wird der Kampf gegen die Erschöpfung. Nach zwei Stunden macht sich ein kaum mehr zu unterdrückendes Gähnen im Raum breit.

Die äußeren Bedingungen sind dabei ebenso trostlos wie die Verhandlungen selbst. Green Economy steht auf dem Tagesplan. Die Konflikte zwischen Nord und Süd erweisen sich, zumindest an diesem Vormittag, als nicht auflösbar. Der Kern des Problems, ob und wenn ja, wie der Norden den Süden in Sachen Green Economy unterstützt, welche Rolle das Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung spielt, hängt wie eine dunkelgraue Gewitterwolke in der ohnehin schweren Luft.

Konkret geht es um die Frage, ob, entsprechend Rio-Prinzip 2, jeder Staat die Souveränität über die auf seinem Territorium vorhandenen Ressourcen haben soll. Die Entwicklungsländer sagen ja, die Industrieländer, vor allem die USA, wollen das so nicht im Abschlussdokument lesen. Der freie Zugang zu Rohstoffen darf aus Sicht der Industrieländer durch die Green Economy nicht in Frage gestellt werden.

Und kann es einen Übergang zu einer Green Economy geben, wie die EU es durchzusetzen versucht, oder ist, wie die Entwicklungsländer meinen, Green Economy nicht doch nur ein Werkzeug für den Übergang zu einer Nachhaltigen Entwicklung? Und weiter: Ist Green Economy ein gemeinsames Unterfangen aller Staaten, ist es das nicht, oder – und hier schlagen die Feinheiten der Diplomatie erbarmungslos zu – ist es nicht eher ein gemeinsames Unterfangen aller interessierten Staaten?

Und schließlich: soll man die Notwendigkeit nachhaltiger Produktions- und Konsummuster eher allgemein anführen, soll man die Schuldigen, also die entwickelten Länder, konkret benennen, oder, so der – vertagte – Kompromissvorschlag der Entwicklungsländer, sollte man nicht nachhaltige Lebensstile, „wo sie vorkommen“, in nachhaltige Konsummuster überführen?

Mit diesen Fragen gähnt sich die Verhandlungsrunde durch den Vormittag. Ergebnisse, die im messbaren Bereich liegen, sind nach drei Stunden nicht zu vermelden.

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