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Die Reform der EU-Agrarpolitik muss die Probleme aus der industriellen Tierhaltung angehen

Von Online-Redaktion am

„Fit for global business“- „Fit für den globalen Handel“- lautete das Motto des vom Bundeslandwirtschaftministerium ausgerichteten Außenwirtschaftstags der Agrar- und Ernährungswirtschaft im Juni in Berlin, bei der es um die Erschließung neuer Exportmärkte für die deutsche Agrarwirtschaft insbesondere für Fleisch- und Milchprodukte ging. Anstatt eine Neuorientierung der Agrarpolitik und die Umsetzung des Rechts auf Nahrung zu verfolgen, setzt die Bundesregierung auf Produktionssteigerung und Kostenreduktion um auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein. Deshalb fordert ein Bündnis aus Entwicklungs- Umwelt und Bauernorganisationen die Bundesregierung auf, sich bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU für eine Abkehr von der Exportpolitik im Fleischsektor wie eine umwelt- und entwicklungsgerechte Tierproduktion einzusetzen.

Die Agrarexpertin Carolin Callenius hat in diesem Bündnis „Brot für die Welt“ vertreten und kritisiert: „Es ist ein paradoxer Kreislauf: Seit Jahren profitieren die industrielle Tierhaltung und die damit in Verbindung stehenden Unternehmen massiv von der Europäischen Agrarpolitik. Aber gleichzeitig tragen genau diese Massentierhaltung und die Fleischexporte aus der Europäischen Landwirtschaft am stärksten zum Hunger auf der Welt bei.“

Aus vielen Berichten von afrikanischen Partnerorganisationen so die Welternährungsexpertin, werde deutlich, dass durch die Fleisch-Exporte der EU die kleinbäuerliche Landwirtschaft sowie die mittelständische lokale Fleischverarbeitung unter Druck geraten. „Die Kleinbauernfamilien können dadurch ihrer Existenzgrundlage beraubt werden“, meint Carolin Callenius. Aber auch für Bevölkerungsgruppen in Südamerika bringe das hohe Niveau der Fleisch- und Milchproduktion der EU Gefahren mit sich. Denn nur durch hohe Importe von Futtermitteln vor allem von Sojaschrot als Eiweißträger sei die Produktion in diesem Ausmaß in der EU überhaupt erst möglich. Asociana, eine Partnerorganisation aus Nordargentinien berichtet von den verheerenden Konsequenzen auf die indigenen Völker durch den ausweitenden Sojaanbau. Hunger und Vertreibung zählen zu den Folgen, aber zudem wirke sich der monokulturelle Anbau von Futtermitteln negativ auf die biologische Vielfalt und das Klima aus.

„Aber auch in Deutschland machen sich die Folgen dieser politisch forcierten Überschussproduktion bemerkbar“, meint Carolin Callenius von „Brot für die Welt“. Der entstehende Preisdruck begünstige die industrielle Tierhaltung und verdränge bäuerliche Betriebe. Umwelt-, Tier- und Klimaschutz bleiben auf der Strecke. Carolin Callenius sieht sofortigen Handlungsbedarf: die Bundes- und Landesregierungen müssen ihrer internationalen Verantwortung gerecht werden und auf eine grundlegende Reform dieses Sektors, der Tierhaltung, im Rahmen der laufenden GAP-Reform dringen.

Folgende Organisationen haben das Positionspapier unterzeichnet:

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Agrar Koordination, ARA e.V., Biokreis e.V., Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED), Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V (FDCL), Forum Umwelt und Entwicklung, Germanwatch, Greenpeace, INKOTA-netzwerk, Katholische Landjugendbewegung, Meine Landwirtschaft, MISEREOR, Öko+Fair ernährt mehr!, Oxfam Deutschland, ProVieh, Weltladen Dachverband, WWF Deutschland.

 

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