Blog-Beitrag

Der Überfischung in Westafrika ein Ende setzen - Projekte zur Bestandsforschung und zum Schutz der Fischereibestände im Senegal

(Mbour, Senegal, 04.07.2012) Auf einer vom EED geförderten Fachtagung des Westafrikanischen Kleinfischereiverbandes CAOPA und lokaler Fischereiverbände, diskutierten Fischer und Meeresbiologen über den Zustand der Fischbestände im Senegal. Gaoussou Gueye, CAOPA-Generalsekretär, forderte Forscher, Politiker und Fischer zu verstärkter Zusammenarbeit auf. Problembewusstsein und Handlungswille seien nach wie vor zu gering.

Von Francisco Mari am
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Francisco Mari Referent Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik
Telefon: +49 (0) 30 65211-1822 francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de
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Die Fischereiaktivitäten in Westafrika und im Senegal

überfordern die regenerativen Möglichkeiten der Fischbestände, darin waren sich

Alassane Samba, Direktor des senegalesischen Zentrums für Meeresforschung und Dyhia

Belhabib, Wissenschaftlerin des internationalen Forschungsprogramms „Sea around

us“  der Universität  von British-Columbia in Kanada, einig. Ihr

Forschungsansatz,  die historischen

Fangzahlen nachzubilden, ergeben nach ersten Forschungsergebnissen schon jetzt

um 30 % höhere Fangzahlen als die von der Welternährungsorganisation FAO bisher

angegebenen. Die Ergebnisse führen zu dem Schluss, dass gegenwärtig über 80 %

aller Fischbestände  in Westafrika

überfischt oder schon zusammengebrochen sind. Darunter befinden sich nicht nur

für den Export bestimmte  Edelfischarten

wie Barsche oder Doraden und Tintenfische, sondern auch viele Schwarmfischarten

wie Sardellen und Makrelen, die die Grundlage für die Versorgung   der westafrikanischen Bevölkerung mit Fischprodukten

liefern. In den letzten Jahren hat sich der Befischungsdruck auch auf diese

eiweißreichen pelagischen Fischarten intensiviert. Der Grund hierfür ist, dass

vermehrt Fangboote aus Ländern wie China und Russland auf pelagische

Schwarmfische zielen, um von der steigenden Nachfrage nach Fischöl und

Fischmehl für Aquakulturen zu profitieren.

Francisco Mari, EED Fischerei-Referent forderte: «Die

Kenntnis über den Zustand der Bestände muss am Anfang jeglicher Verhandlungen

über die Vergabe von Fanglizenzen an die industrielle Fischerei, inklusive an

die EU Schiffsindustrie, stehen.  Bisher

werden noch zu oft ohne Wissen, ob es überhaupt einen sogenannten „Überschuss“

gibt, Fanglizenzen aus ökonomischen Gründen an industrielle Fangboote vergeben.

Aber ebenso wichtig wie die wissenschaftliche Feststellung des

Zielartenbestands, sind Untersuchungen über die Bedeutung der Fischbestände für

den Lebensunterhalt von Fischern und Fisch verarbeitenden Frauen, besonders

aber auch für die Ernährungssicherheit der Bevölkerung.“

Im

Vorfeld des Forums besuchten VertreterInnen des EED mit den ForscherInnen das

Meeresschutzgebiet in der Lagune von Joal-Fadiouth, südlich von Dakar. Es ist

ein Vorzeigeprojekt für die Selbstverwaltung eines Aufwuchsgebietes für viele

Fischarten, das mit Hilfe der Behörden von den Fischern geschützt und überwacht

wird. Durch ein ebenfalls von der lokalen Bevölkerung umgesetztes

Aufforstungsprogramm von Mangroven wird seit 2004 der die Brutstätten

schützende Mangrovenwald erweitert. Die steigenden Fangzahlen bis jetzt

überfischter demersaler  Edelfischarten

sprechen für das Projekt. Die die Schutzzone verwaltende Gruppe von Fischern

hat es geschafft, die lokalen Fischereiorganisationen in das Management der

Schutzzone einzubeziehen. So kommt  es zu

relativ geringen Verstößen illegalen Fischfangs in dem Aufwuchsgebiet,

zumal  nachhaltige Kleinstfischerei zur

Subsistenz erlaubt ist.

 

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