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Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel reist mit EED und Misereor nach Kenia

Sie haben oft die gleichen Themen und scheinen doch aus verschiedenen Welten zu stammen: Mit Kirchen mag man Dirk Niebel nicht so recht in Verbindung bringen. Jetzt unternahm der Minister mit Kirchenvertretern eine Kenia-Reise - in größter Harmonie. Zwei Männer in Schwarz, einer mit Militärmütze - Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), der evangelische Prälat Bernhard Felmberg und der katholische Prälat Karl Jüsten sind auf den ersten Blick ein ungleiches Gespann. Dabei verbindet die Kirchen mit der Bundesregierung seit einem halben Jahrhundert eine besondere Beziehung: 1962 begann die offizielle Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen in der Entwicklungshilfe.

 

Von Online-Redaktion am

Aus diesem Anlass besuchten die drei nun Projekte in Kenia - am Montag kehrten sie zurück.

Von einer "fairen, freundschaftlichen Ebene" spricht Niebel, wenn es um die Zusammenarbeit mit den ja durchaus auch kritischen Kirchen geht. Für Felmberg, den Ratsbevollmächtigten der Evangelischen Kirche in Deutschland, ziehen in der Entwicklungshilfe beide grundsätzlich an einem Strang: "Wir haben alle ein Ziel - die Menschen zu befähigen, sich eine eigene Zukunft in ihrem Land zu bauen."

Tatsächlich ist die Zusammenarbeit von Staat und Kirche in Deutschland außergewöhnlich. Anders als andere Organisationen bekommen die Kirchen vom Staat einen gehörigen Vertrauensvorschuss: Sie erhalten ein Budget, bei dem sie eine Mitfinanzierung zusichern. Welche Projekte sie mit dem Geld unterstützen, steht den beiden Kirchen frei - nur das Missionieren ist ausgeschlossen. 2012 erhalten die Kirchen jeweils 108 Millionen Euro.

Ein besonderes Privileg, das sie unter anderem wegen ihrer Nähe zur Bevölkerung erhalten, sagt Niebel. In Kenia wird das besonders deutlich: 83 Prozent der Menschen hier sind Christen, die Kirchen spielen eine tragende Rolle im Alltag. Und immer wieder retten sie auch Leben.

Zum Beispiel das der HIV-positiven Mama Hellen, die den Prälaten und dem FDP-Mann ihre Geschichte erzählt: In ihr Heimatdorf in der verarmten Provinz Nyanza am Viktoriasee kam sie nach Jahren, um zu sterben, berichtet die in bunte kenianische Stoffe gekleidete stämmige Frau. Hier traf sie auf das Entwicklungsprogramm der anglikanischen Kirche, das mit Förderung des deutschen Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) das Selbsthilfepotenzial von Dorfgemeinden auslotet.

"Ich habe einen schwachen Körper, aber mein Geist ist stark", stellte die resolute Mama Hellen dort fest. Sie nahm an einem Kurs zum Umgang mit HIV teil und startete mit Medikamenten und ausgewogener Ernährung. Weitere Schulungen machten sie zur Geschäftsfrau: Mama Hellen hält nun Bienen, züchtet Tomaten, verkauft Wasser aus einem eigenen Sammeltank und kann sich jetzt ein großes Steinhaus bauen. «Die Leute können es gar nicht glauben, dass jemand mit HIV so einen Erfolg haben kann», sagt sie.

Solche Geschichten gefallen Niebel wie auch den Prälaten. Mit dem Projekt geht der EED über das etablierte «Hilfe zur Selbsthilfe» hinaus. Das Programm sieht sich mehr als Moderator denn als Helfer. Wer Unterstützung anfragt, lotet gemeinsam mit den Mitarbeitern das Potenzial aus.

Die Bewohner entscheiden selbst, was sie brauchen, vorgefertigte Vorschläge gibt es nicht - und Geld auch nicht. Mama Hellen zum Beispiel nahm immer wieder Kredite auf, die sie auch abzahlte. Ganz ähnlich verfährt die katholische Kirche bei ihren Projekten, erfahren die drei Herren bei dem Besuch eines Dorfes, das stolz den neuen Laden und einen üppigen Garten präsentiert. Den Kirchen ist wichtig, dass die Menschen auf diese Weise emanzipiert, in ihrer Entscheidungsfähigkeit ernst genommen werden: Dem christlichen Verständnis von der Würde des Menschen wird so entsprochen.

So würde Niebel das nicht ausdrücken. Ihm dürfte gefallen, wie kostengünstig diese Art der Hilfe ist. Neue Entwicklungsstrategien hin zu mehr Selbstverantwortung sind zugleich Kirche wie Staat eigen. Sahen sich die einen früher als "barmherzige Samariter", die anderen als Helfer mit mehr oder minder offenem Eigeninteresse, setzen beide Seiten heute verstärkt auf die Fähigkeiten der Menschen, sich selbst zu helfen.

Da passen Kirche und Regierung dann auch mal rhetorisch unerwartet gut zusammen. Als Felmberg in Kenia das Evangelium heranzieht, nach dem "Freiheit und Verantwortung" untrennbar zusammengehörten, lacht Niebel. Liberales Vokabular in der Bibel, das gefällt dem FDP-Minister.

© epd

 

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