Blog-Beitrag

„Wir fordern mehr Informationen über die Nutzung unserer Fischerei-Ressourcen“

Der afrikanischen Kleinfischereiverband CAOPA veranstaltete vom 22.-24.11.2011 in Mbour (Senegal) ein Seminar zum Thema „Die Transparenz im Sektor Meeresfischerei in Afrika“. Teilnehmer waren CAOPA-Vertreter aus 14 afrikanischen Ländern, sowie von Partnerorganisationen wie dem EED und anderen international tätigen NGOs aus Entwicklungspolitik und Ökologie.

Von Francisco Mari am
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Francisco Mari Referent Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik
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Die Teilnehmer, unter ihnen auch viele Frauen aus fischverarbeitenden Betrieben, untersuchten in Vorträgen und Diskussionen die Ursachen und Auswirkungen der fehlenden Transparenz bei den Fischereiabkommen, welche die Regierungen ihrer Herkunftsländer, mit ausländischen Partnern abschlieβen. Und sie forderten von ihren Regierungen konkrete Maβnahmen hierzu, z.B. die Einrichtung von Internet-Seiten der jeweiligen Fischerei-Ministerien mit allen wichtigen Informationen, sowie eine bessere Einbeziehung ziviler Interessensvertreter in Entscheidungen, die den Sektor betreffen. Laut einer Studie, erstellt von André Stanging (Transparent Sea, Kenia) in Zusammenarbeit mit CAOPA, müssen fast alle untersuchten Länder ihre Informationspolitik deutlich verbessern. Als positive Beispiele gingen Südafrika und Nigeria voran. Vor allem die frankophonen Länder Afrikas müssten deutlich aufholen, denn Transparenz ist ein Mehrwert für die ganze Gesellschaft.

Laut CAOPA fehlen den Kleinfischern Informationen und Zahlen zum Fischfang und zum Export von Fisch und Meerestieren. Diese Informationen sind äussert wichtig, um z.B. gerechte Preise für den Fisch und die Meerestiere fordern zu können. Des weiteren nimmt die Überfischung ihrer Gewässer durch ausländische Fangflotten zu, und die betroffenen Fischer können nicht einmal richtig dagegen Einspruch erheben, da sie gar nicht wissen, welche Abkommen mit welchen Partnern und in welchem Umfang geschlossen wurden. Deshalb empfahlen viele Rednerinnen und Redner, auch Joint-Venture-Unternehmen aufmerksam zu beobachten, damit in den schon stark befischten Gewässern nicht noch die letzten Ressourcen abgefischt würden.

Die senegalesische Verteterin der fischverarbeitenden Frauen, Mbathio Niang, forderte die Teilnehmer auf, diese schädlichen Praktiken innerhalb der Fischereiministerien deutlich zu benennen und zu bekämpfen. Denn sie schaden den handwerklichen Kleinfischern und gefährden deren Existenz, da die Ressourcen immer geringer werden. Frau Mbatio Niang forderte, „dass die Beteiligten aus allen Bereichen des Fischereisektors eine Haltung der verantwortungvollen Fischerei einnehmen müssten“.

Als deutliches Beispiel für fehlende Transparenz und schlechte Praktiken stellte der Vorsitzende von CAOPA, Herr Sid´Ahmed Abeid das Beispiel des im Juni 2011 unterzeichnete Fischereiabkommens zwischen seinem Heimatland Mauretanien und dem privaten chinesischen Unternehmen Poly HonDone Pelagic Fishery Co. LTD, vor. In diesem Falle wurde das Abkommen in völliger Verschwiegenheit ausgehandelt und dem Parlament übereilt und unter Druck zur Unterzeichnung vorgelegt. Das chinesische Unternehmen darf laut Abkommen die Gewässer Mauretaniens 25 Jahre lang steuerfrei befischen, während der mauretanische Staat normalerweise nur ein Jahr gültige Lizenzen an seine eigenen Staatsbürger vergibt. Als Gegenleistung habe das chinesische Unternehmen den Bau eines Hafens im Wert von 40 Mio. US Dollar, Investitionen von 100 Mio. US Dollar, sowie die Schaffung 2000 Arbeitsplätzen in Mauretanien versprochen. Aber es hat bis jetzt keinerlei technische Angaben zur Fangkapazität und Ausrüstung seiner Flotte von 20 Schiffen geliefert, so dass die zu erwartenden Fänge und Exporte nicht berechenbar sind. Der Generalsekretär der senegalesischen Reeder- und Ficherverarbeiter-Vereinigung, GAIPAS, Dougoutigui Coulibaly, drückt die Befürchtung aller Konferenzteilnehmer aus: „Die Chinesen werden keine fünf Jahre bleiben, sie sind wie Heuschrecken, die über unsere Ressourcen herfallen.“

Andrea Müller-Frank, Referentin für Ernährungssicherheit beim EED, nahm am Seminar in Mbour teil und kam zu folgendem Ergebnis: „Der EED unterstützt die Forderungen der afrikanischen Kleinfischer nach mehr Transparenz in Fischereisektor, denn sie leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung. Es ist wichtig, dass ihre Forderungen nach einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Fischerei Gehör finden. Denn nur in Zusammenarbeit mit den Fischern und dem weiterverarbeitenden Gewerbe wird es möglich sein, die Meeresresourcen Afrikas langfristig zu bewahren und den fatalen Wettbewerb um die schwindenden Ressourcen endlich aufzuhalten.“

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