Blog-Beitrag

Punktsieg für Durban

Von Sabine Minninger am
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Sabine Minninger Referentin Klimapolitik
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Bevor ich meinen Blogbeitrag mit den technischen Verhandlungsdetails zu den Flug- und Schiffsemissionen Interessierten bereitstellen werde, an dieser Stelle jetzt mal ein persönliches Anliegen: „COP17 in Durban – gar nicht mal so schlecht wie seine Vorgänger“.

Meine spärlichen Erfahrungen mit den COPs nähren sich aus der Teilnahme an COP14 in Poznan, COP15 in Kopenhagen, COP 16 in Cancún und nun auch COP17 in Durban.

COP14 in Poznan konnte man wohl nur als Anfänger total spannend finden. Rückblickend war diese Veranstaltung eher grau, kalt, trostlos und unspektakulär, da alle Erwartungen auf COP15 ausgerichtet waren. Hängengeblieben ist bei mir, dass selbst in scheinbar vegetarischem Essen noch eine Wurst versteckt war.

Der Gedanke an COP15 verleitet mich allerdings noch heute dazu, mir imaginär auto-agressiv die Oberarme zu ritzen: Das blanke Organisationschaos, wie ich es nicht einmal auf irgendeinem Hippie-Musikfestival erlebt habe – selbst der Untergang der Titanic war wohl besser organisiert. Alleine bei der Registrierung habe ich sieben Stunden angestanden, um dann zu erfahren, dass ich am nächsten Tag noch mal antreten dürfe, denn jetzt würden die Registrierungsschalter für den Tag geschlossen. Dazu kam die Angst vor der brutal vorgehenden dänischen Polizei, die willkürlich Kollegen von mir auf dem Weg ins Verhandlungszentrum Bella Centre verhaftete und auch mit den Klimaaktivisten während der friedlichen Demonstration auf der Strasse unangemessen brutal umging. Pfui – die Dänen dürfen sich bis heute dafür schämen – und ich bin erleichtert zu lesen, dass die Weltpresse bis heute mit mir einer Meinung ist.

Cancún dagegen hatte eigentlich einen schweren Stand – die Luft war raus nach Kopenhagen. Doch es wurde besser als erwartet, denn die Organisation war gut, die Sonne half auch, die Arbeitslustakkus der Teilnehmer wieder aufzuladen. Networking-Veranstaltungen in Form von Strandparties von namhaften Umwelt- und Entwicklungsorganisationen bringen uns heute noch ins Schwärmen. Entscheidenden Punktabzug gab es jedoch bei der Essensversorgung: Wabbelige, überteuerte Sandwiches wurden als einzige erschwingliche Nahrung angeboten, lokalen Betreibern wurde der Zugang verboten. Klarer Erkenntnisgewinn: mit einer ausgewogenen Ernährung verhandelt es sich besser.

Durban 2011 hält in den hier aufgeführten Beschwerden locker dagegen: Die Organisation der COP17 ist ein Traum, keine einzige Warteschlange bisher, die Sonne lacht uns entgegen, wenn wir aus dem künstlichen Licht der Verhandlungszentren ins Freie taumeln. Dazu gibt es in den Pausen ein überaus attraktives kulinarisches Angebot, oft begleitet von afrikanischen Rythmen. Wenn wir nicht von morgens bis spät abends arbeiten würden, könnte fast der Eindruck entstehen, das hier ist Urlaub.

Und was ist nun dran am schlechten Ruf von Durban – dieser angeblich so gefährlichen Stadt? Wir sind verunsichert, denn an jeder Straßenecke stehen Polizisten und Sicherheitsbeauftragte. Ohne mein Schicksal mit Absicht herauszufordern, konnte ich doch bisher als blonde Frau sehr von diesem schlechten Image der Stadt profitieren.

Die überaus hilfsbereite Polizei, wie auch jeder Mensch auf der Strasse, scheint rührend um meine Sicherheit bemüht, sobald ich alleine gesichtet werde.

In den letzten fünf Tagen konnte ich bereits zwei Polizeieskorten vom Verhandlungszentrum zurück in mein Hotel verbuchen, eine Telefonshopbesitzerin schloss ihren Laden für fünf Minuten, nur um mich die 25 Meter zurück in mein Hotel zu bringen, und ein hilfsbereiter Philosophiestudent bestand darauf, mich in den öffentlichen Verkehrsmitteln (Minibusse) vom Forum der Zivilgesellschaften an der University KwaZulu-Natal bis zum Verhandlungszentrum zu begleiten. Bei soviel Fürsorge fühle ich mich sicher. Dennoch sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass Durban tatsächlich eine gefährliche Stadt sein kann, wenn man sich fahrlässig bewegt. Beachtet man aber gewisse Sicherheitsempfehlungen, dann kann man sich bei dieser COP nur über eins beschweren – dass die Verhandlungen bisher ohne Schwung verlaufen vor einer Sache Angst haben – dass die Verhandlungen wieder scheitern sich nur über eins aufregen – die Blockierungstaktiken der USA.

 

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