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Lokale Produktion statt Verschwendung

Von Online-Redaktion am

Auf dem Stuttgarter Schlossplatz fanden sich am 17. September ungefähr 2000 Menschen ein, um miteinander zu essen und über Alternativen zur Verschwendung von Essen nachzudenken. Die "Lange Tafel" bildete den Abschluss der gemeinsamen bundesweiten Aktionswoche "Teller statt Tonne" von Slow Food, "Brot für die Welt" und EED gegen Lebensmittelverschwendung.

Wie bereits in Berlin, wurde aus Kartoffeln, Zucchini, Tomaten und anderen Gemüsesorten, die “normalerweise” weggeworfen worden oder bestenfalls im Futtertrog gelandet wären, mit vielen Helfern und unter Anleitung des Kochs Wam Kat ein schmackhaftes Mittagessen zubereitet. Mit dabei waren der Landesbischof von Württemberg, Frank Otfried July und Madieng Seck, der im Senegal Slow Food-Projekte koordiniert.

Landesbischof July hielt es “moralisch untragbar, dass 40 Prozent der Lebensmittel in unserem Lande im Müll landen, während anderswo die Menschen verhungern.” Wir müssten wieder lernen, den realen Wert von Nahrung und Lebensmitteln zu schätzen. Die Landwirtschaft in den Ländern des Südens muss in erster Linie dafür da sein, die eigene Bevölkerung dort zu ernähren. In ländlichen Gebieten sei der Zugang zu nutzbarem Land eine entscheidende Voraussetzung für Ernährungssicherheit. Denn von der fast einer Milliarde Menschen, die weltweit unter Mangelernährung leiden, leben 80 Prozent dort, wo Lebensmittel angebaut werden: auf dem Land.

Maedieng Seck stellte dies am Beispiel seines Landes plastisch dar: “Senegal exportiert jährlich 35 Millionen Kilo Gemüse und 20 Millionen Kilo Fisch nach Europa, wovon vieles dann einfach weggeworfen wird. Bei uns sind viele Menschen unterernährt und brauchen protein- und vitaminreiche Nahrung.” Europas Verbraucher sollten bedenken, dass Anbauflächen, die in Entwicklungsländern für die Produktion von Exportgütern genutzt werden, der Bevölkerung vor Ort für ihre eigene Versorgung fehlen. Seck kritisierte auch, dass die Länder der Europäischen Union ihrerseits auf ein Produktionsmodell setzen, das Überschüsse produziert. Diese Überschüsse werden dann, unter anderem, in afrikanischen Ländern zu Dumpingpreisen, mit denen die lokalen Produzenten nicht mithalten können, auf den Markt geworfen. Es wäre besser, sich an der Nachfrage in Europa zu orientieren und weniger zu produzieren.

Der Agrarexperte Seck erklärt seine Projektarbeit zur Förderung lokaler Landwirtschaft und traditioneller Getreidesorten so: “Im Jahr 2008 stiegen die Preise für Lebensmittel aufgrund der weltweiten Spekulation mit Grundnahrungsmitteln im Senegal ins Unermessliche. Die Proteste gegen die hohen Preise und die Verzweiflung der armen Menschen waren für mich der Auslöser, in den Slow Food-Projekten mitzuarbeiten. Wir müssen uns von Nahrungsmittelimporten unabhängig machen und die Produkte anbauen und konsumieren, welche die Entwicklung unserer Landwirtschaft fördern. Nur so können wir unsere eigene Ernährungsgrundlage wieder aufbauen”. In dem Projekt “Mangons local – last uns Lokales essen” vermittelt er Schülern die Bedeutung der lokalen Getreidesorten wie Fonio oder Sorghum.

 

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