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Industrielle Fischerei zerstört Lebensgrundlage in Nord und Süd

Von Francisco Mari am
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Francisco Mari Referent Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik
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Aus Anlass der heutigen Fischereiministerkonferenz der norddeutschen Länder in Kiel fordern die Entwicklungsorganisationen EED und Fair Oceans von den Ministern, sich bei der EU dafür einzusetzen, dass die EU-Hochseeflotte auch außerhalb der europäischen Gewässer nachhaltig fischt und nicht die Nahrungssicherheit der Entwicklungsländer gefährdet. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die vor kurzem bekannt gewordenen Vorschläge für eine Reform der europäischen Fischereipolitik, keine Lösungsansätze dafür enthalten, die Lage der Fischer zu verbessern“, bringt es Andrea Müller-Frank vom Evangelischen Entwicklungsdienst auf den Punkt.

„Immer mehr ausländische Fischtrawler fischen in unseren Gewässern im Senegal. Es werden Lizenzen vergeben ohne Rücksicht auf die ökologischen und sozialen Wirkungen.  Viele industrielle Fangboote dringen illegal in die für die Kleinfischerei geschützten Zonen. So werden wir Kleinfischer unserer Lebensgrundlage beraubt,“ sagte Gaoussou Gueye, Generalsekretär des Westafrikanischen Fischereiverbandes. „Zukünftige Fischereiabkommen der EU müssen daher vor allem die Entwicklung unseres Fischereisektors fördern und nicht nur unsere Fischbestände beanspruchen“, so Gueye weiter.

Da inzwischen die Hälfte der Fischimporte in Europa aus Entwicklungsländern kommt, steigt die Verantwortung Deutschlands für die Fischereisituation in den Fangländern. „Die in Kiel versammelten Ministerien müssen sich für eine EU-Fischereireform einsetzen, die die Abhängigkeit Europas von Fischimporten reduziert und die europäischen Bestände in Nord- und Ostsee ökologisch nachhaltig wiederherstellt“, so Kai Kaschinski von Fair Oceans. Die Küstenfischer an Nord- und Ostsee fordern eine Erweiterung der Schutzzone, die sie alleine befischen dürfen, von bisher drei auf 12 Seemeilen.

„Gerade angesichts der aktuellen Hungerkrise in Ostafrika müssen auch die Fischereiministerien in Norddeutschland auf  EU und Bundesregierung einwirken, dass die Reform der EU-Fischerei so ausgestaltet wird, dass auch in Zukunft die lebenswichtige Proteinquelle Fisch in den Entwicklungsländern für die Reduzierung von Hunger und Armut zur Verfügung steht und nicht billig auf den Tischen der Reichen landet“, führt Andrea Müller-Frank, EED-Expertin für Ernährungssicherheit, aus. „Die Menschen in Westafrika sind wesentlich stärker vom Fisch als Eiweißquelle abhängig als die in Deutschland. Während bei uns der Anteil von Fisch und Meeresfrüchten am Proteinhaushalt bei etwa fünf Prozent liegt, beträgt er in Westafrika mehr als 25 Prozent.“

EED und Fair Oceans fordern eine stärkere Beteiligung von Kleinfischern weltweit bei den Entscheidungen über Meeresschutz und Fangrechte, ebenso bei industriellen Meeresprojekten, wie Erdölförderung oder Windenergieparks. Der bisherige Entwurf der EU-Fischereireform bleibt in seiner internationalen Dimension, was entwicklungspolitische Kohärenz, Transparenz und Partizipation betrifft, weit hinter den Ankündigen der Fischereikommissarin Maria Damanakis zurück. Noch können die Fischereipolitiker in den Ländern und im Bund die entwicklungspolitischen Schwächen dieses Entwurfes in den nächsten Monaten ausgleichen. Dazu muss man aber bereit sein einigen EU-Mitgliedsländern mit großen Hochseeflotten, wie Spanien und Frankreich, Paroli zu bieten.

 

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