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Indischer Advent

Von Ehemalige Freiwillige am
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Ehemalige Freiwillige
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Die Adventszeit neigt sich dem Ende. Bald ist Weihnachten und ich will dann doch einmal von einer etwas anderen Adventszeit berichten. Doch was ist eigentlich anders???

Zum einen juckt es, überall habe ich Mückenstiche. Wann hatte ich schon mal einen Mückenstich in der Adventszeit??? Doch nicht nur die Mückenstiche jucken. Auch auf dem Kopf juckt es, aber das, das ist eine andere Geschichte, die auch nichts mit der Adventszeit zu tun hat.

Eigentlich begann der Advent hier mit dem Christmas Carol Singen, von dem ich in meinem letzten blog bereits berichtet habe. Überhaupt bereiten sich die Menschen hier, so habe ich zumindest das Gefühl, sehr viel mit Singen auf das bevorstehende Weihnachtsfest vor, denn das war nicht das einzige Singen, welches wir uns angehört haben. Alle möglichen christlichen Organisationen, ganz egal ob Krankenhäuser, Universitäten, Schulen oder Waisenhäuser veranstalten eine Carol. Am Schönsten war eigentlich die Carol von Sophies Waisenhaus, denn dort wurden auch die Kinder des Waisenhauses mit in die Vorführung integriert und am Ende gab es Abendessen für alle Gäste, sodass man den Abend gemütlich ausklingen lassen konnte.

Die allwöchentlichen sonntäglichen Gottesdienste stimmen einen ebenfalls auf Weihnachten ein. Entweder auch mit viel Musik und Gesang, oder mit kleinen Aufführungen der Kinder.  Und der Abend des 4.Adventes war fast, wie bei mir zu Hause. Die Kinder haben den Gottesdienst gestaltet. Zwar gab es kein Krippenspiel, aber es wurde viel getanzt und gesungen und am Ende lief jedes Kind stolz mit einem kleinen Geschenk aus der Kapelle.

Es gibt hier keine überfüllten Kaufhäuser mit lauter Weihnachtsmusik, keine gestressten Menschen, die auf den letzten Drücker versuchen in kürzester Zeit so viele Geschenke zu den möglichst günstigen Preisen zu ergattern und keine übermäßige Weihnachtsbeleuchtung, stattdessen sieht man an den Häusern große Leuchtsterne hängen, wohl eher eine etwas dezentere Weihnachtsdekoration.

Doch wisst ihr, was wirklich fehlt an der indischen Adventszeit??? Man merkt meißt nämlich meist erst, was einem fehlt, wenn man wirklich auf etwas verzichten muss. Und das sind schon die kalten Temperaturen, der Schnee, die Gemütlichkeit mit Kerzen und die selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen. Vor allem bei letzterem wissen die Inder gar nicht, was ihnen doch entgeht. Doch da kann man nichts machen, denn ich habe bisher noch keinen indischen Haushalt mit einem Backofen gesehen. Aber wie soll ich es beschreiben, ich spreche hier vom Verzicht, doch eigentlich merkt man gerade in der Advents- und Weihnachtszeit, dass man seinen kulturellen Hintergrund doch nicht so einfach ablegen kann, nur weil man sich in einem anderen Land auf Weihnachten vorbereitet. Und so sitze ich nun gerade in unserem Wohnzimmerchen und neben mir brennen 4 dicke Kerzen und auf dem Tisch steht eine Dose mit Keksen. Keine indischen Kekse, sondern echte, selbstgebackene Vanillekipferl von der Oma aus Deutschland geschickt. Sie sind zwar nicht in den Maßen vorhanden, in denen ich sie in Deutschland bekommen würde, doch das macht diese Plätzchen noch viel besonderer. Denn so muss man jedes Einzelne genießen, denn man weiß ja, dass der Vorrat begrenzt ist. Und so merke ich, dass man sich auch als Deutsche die indische Adventszeit gemütlich gestalten kann und wenn die Plätzchen dann doch nicht reichen sollten, dann macht das gar nichts, denn ich bekommen jeden Tag im Kindergarten unzählige Sandkuchen gebacken und wer einmal einen richtig guten, von kleinen klebrig-dreckigen Kinderhänden gebackenen, Sandkuchen gegessen hat, der weiß, dass auch Diese besonders sind.

Und doch fühlt es sich anders an. Ich kann nicht beschreiben wie und ob besser oder schlechter, aber eben anders. Ich bin gespannt, wie „anders“ sich Weihnachten in Indien anfühlt und wünsche allen Lesern ein gesegnetes und frohes Fest.

Eure Sarah