Weltweit gehen mehr als 272 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Besonders dramatisch ist die Lage in Konflikt- und Krisengebieten: Hier werden Bildungswege zerstört, Schulen geschlossen oder Lehrkräfte vertrieben. Die Situation verschärft sich durch das Schwinden internationaler Solidarität und eine an nationale Wirtschaftsinteressen ausgerichteten Politik.
Globale Rückschritte
Die aktuellen Kürzungen internationaler Fördermittel und das Erstarken nationalistischer Interessen gefährden unzählige Bildungsinitiativen und befördern neue Zugangsbarrieren. Eine weltweit spürbare Entsolidarisierung und das schwindende Übernehmen von Verantwortung für Ungerechtigkeiten bedrohen auf lange Sicht die Zukunft ganzer Generationen. Damit werden internationale Verpflichtungen, wie sie mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG 4: Hochwertige Bildung für alle) vereinbart wurden, massiv erschwert oder sogar verhindert.
Gerade angesichts wachsender Herausforderungen wie Krieg, Konflikte, Klimakrise und Flucht, wäre mehr – nicht weniger – Bildungsfinanzierung dringend notwendig. Neben mehr Solidarität und Investitionen braucht es auch politischen Druck, damit Bildung auf der internationalen Agenda nicht in den Hintergrund gerät. Bildungsfinanzierung darf dabei nicht an wirtschaftlicher Interessen ausgerichtet sein. Doch nicht nur materielle, auch ideelle Barrieren stehen einer gerechten Bildung im Weg.
Demokratische Teilhabe braucht kritisches Denken
In Zeiten starker gesellschaftlicher Polarisierung und rechtspopulistischer Narrative braucht es Bildung, die zum kritischen Denken befähigt und eine aktive Beteiligung an politischen Prozessen ermöglicht.
Das bedeutet auch, den Umgang mit eurozentrisch geprägten Wissensinhalten zu reflektieren. Lehrpläne sollten daher so gestaltet sein, dass sie die Dominanz westlicher Bildungssysteme sowie koloniale Denkstrukturen hinterfragen und die Marginalisierung lokaler Wissensbestände überwinden. Dekoloniale Bildung tritt dafür ein, vielfältige Stimmen, Geschichten und Perspektiven – insbesondere aus dem Globalen Süden und von indigenen Gemeinschaften – in Bildungsprozesse einzubeziehen. Entkolonialisierung betrifft dabei nicht nur die Inhalte, sondern auch die Art und Weise des Unterrichts und der Wissensvermittlung.
Was jetzt zu tun ist
Um Bildungsgerechtigkeit zu fördern, braucht es:
- Mehr Investitionen in Schulen, Lehrkräfte und Lernmaterialien, insbesondere im Globalen Süden
- Schutz und Ausbau von Bildungsangeboten in Krisen- und Konfliktregionen
- Eine kritische Auseinandersetzung mit und Überwindung kolonialer Strukturen im Bildungssystem
- Internationale Partnerschaften auf Augenhöhe, die lokale Bedürfnisse und Expertise respektieren
- Vernetzungen, um voneinander zu lernen.


