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Ostermarsch 2020: Virtuell für den Frieden

Kirchliche Friedensgruppen und säkulare NGO-Netzwerke hatten sich bundesweit in vielfältiger Weise auf das Osterfest vorbereitet: Flüchtlingsschutz, Reduzierung der Militärausgaben und Atomwaffenabzug standen auf der Agenda der diesjährigen Kundgebungen. Diese werden nun keine Straßen und Plätze füllen, sondern virtuell durchgeführt - und auch "Gesundheit" und "Klima/Umweltpolitik" thematisieren.

Von Dr. Martina Fischer am
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Dr. Martina FischerReferentin für Frieden
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AktivistInnen der Aktion Aufschrei demonstrieren gegen Rüstungsexporte vor dem Reichstag in, Berlin (2012)

AktivistInnen der Aktion Aufschrei demonstrieren gegen deutsche Rüstungsexporte

Am 11. April 1960 organisierte die Friedensbewegung in Deutschland den ersten Ostermarsch. Seither treibt es alljährlich viele Menschen auf die Straßen, darunter viele Christinnen und Christen, die sich für Friedenspolitik und gegen weltweite Aufrüstung engagieren. Zahlreiche NGOs, darunter das bundesweite Netzwerk "Kooperation für den Frieden", hatten auch für dieses Jahr umfangreiche Protestaktionen geplant. Das gilt auch für die evangelischen Organisationen, wie die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK) und die "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF). Die geplanten Themenschwerpunkte umfassten unter anderem die weltweite atomare Aufrüstung, die jährlichen Erhöhungen des deutschen Rüstungshaushalts bis hin zur Rüstungsexportpraxis, da immer noch zu viele in Deutschland (oder in deutscher Lizenz) produzierte Waffen in Krisengebiete oder in die Hände von Diktatoren gelangen.

Virtueller Ostermarsch am Samstag, 11.4.2020, 19 Uhr

Aufgrund der Corona-Pandemie können nun keine Kundgebungen auf der Straße stattfinden. Dennoch wird es einen Ostermarsch geben: Virtuell am Samstag, 11. April, um 19 Uhr. Gemeinsam und solidarisch mit vielen. Dazu aufgerufen hat das „Bündnis Virtueller Ostermarsch 2020“, das von den genannten Gruppierungen mitgetragen bzw. unterstützt wird. Das Bündnis fordert eine "friedenspolitische Wende". Es ruft die Bundesregierung dazu auf, rund 40 Milliarden Euro, die zur Erhöhung der Rüstungsausgaben vorgesehen sind, umzuwidmen und in Gesundheit, Umwelt, Bildung und Soziales zu investieren. Weiterhin fordert es einen Stopp der deutschen Rüstungsexporte und einen Einstieg in eine Rüstungskonversion. Weitere Forderungen sind der Abzug der US-Atomwaffen aus Büchel, der Verzicht auf die deutsche nukleare Teilhabe, die Unterzeichnung des UN-Vertrages zum Verbot von Atomwaffen durch die Bundesregierung, die Aufnahme von Geflüchteten aus den Lagern auf den griechischen Inseln sowie eine Klimaschutzpolitik, die der Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens entspricht.

„Die Corona-Pandemie offenbart die Verletzlichkeiten der Welt und scheint sie zum Stillstand zu bringen. Doch viele Probleme und Herausforderungen, die es vor der Pandemie gab, bestehen weiter und verschlimmern sich mit jedem Tag“,

heißt es im Aufruf. Im Stream geplant sind Redebeiträge von Renke Brahms, dem Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), von Beatrice Fihn (Direktorin der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten „Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“, ICAN), von der Netzaktivistin Katharina Nocum und dem Sprecher der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“, Jürgen Grässlin. Die Musikbeiträge liefern Konstantin Wecker, der deutsch-argentinische Liedermacher Pablo Miró, die deutsch-französische HipHop-Combo Zweierpasch und der finnische Blues-Musiker Pan Salmenhaara.

Dem Bündnis "Virtueller Ostermarsch 2020" gehören an: IPPNW Deutschland – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Bundesverband, pax christi Deutschland, Netzwerk Friedenskooperative, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK) sowie die NaturFreunde Deutschlands. Unterstützer des virtuellen Ostermarsches sind daneben die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), die Kooperation für den Frieden und Ohne Rüstung leben (ORL).

Der Stream ist zu sehen unter: https://youtu.be/p1PpbqTb8dA (bzw. auf www.youtube.com/dfgvk)