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Eta, Iota und fehlende Antworten des Staates

In der ersten Novemberhälfte sind zwei Wirbelstürme, Eta und Iota, innerhalb von nur zwei Wochen auf die nicaraguanische Karibikküste getroffen. Iota war Hurrikan Nummer 13 dieser Saison und erreichte aufgrund seiner Windstärken die höchste Kategorie (5). Seit 2005, dem Jahr des Hurrican Katrina, war dieses Jahr die verheerendste Hurrikansaison mit einem Rekord an 30 Tropenstürmen.

Von Anna Brunner am
Bild von Anna Brunner
Anna BrunnerProjektbearbeiterin El Salvador und Nicaraguamehr zur Person

Gemeinden Peñas Blancas und Amak

Spuren der Verwüstung und Überschwemmungen in den Gemeinden Peñas Blancas und Amak im Bosawás

Die verheerendste Hurrikansaison seit 15 Jahren

2020 ist nicht nur das Coronajahr, sondern auch ein La Niña-Jahr. Während man in Europa in La Niña-Jahren kalte und schneereiche Winter erwarten kann, begünstigt La Niña in der Karibikregion die Entstehung tropischer Wirbelstürme. So sind in der ersten Novemberhälfte zwei Wirbelstürme, Eta und Iota, innerhalb von nur zwei Wochen auf die nicaraguanische Karibikküste getroffen. Iota war Hurrikan Nummer 13 dieser Saison und erreichte aufgrund seiner Windstärken die höchste Kategorie (5). Seit 2005, dem Jahr des Hurrican Katrina, war dieses Jahr die verheerendste Hurrikansaison mit einem Rekord an 30 Tropenstürmen.

Ein erster Blick auf die Auswirkungen

Die Brot für die Welt-Partnerorganisation Centro Humboldt analysiert in Koordination mit einem regionalen Zusammenschluss aus etwa 200 Organisationen (Foro Centroamérica Vulnerable) kontinuierlich Entstehung, Verlauf und Auswirkung von Wetterphänomenen und Naturkatastrophen insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Im Vergleich mit Niederschlagswerten aus den vergangenen Jahren für den Monat November sind in den 18 Tagen der zwei Wirbelstürme etwa drei bis acht Mal so viel Regen gefallen sowie 40-50% des durchschnittlichen Niederschlags für eine komplette Regenzeit (Mai bis Oktober).

Die Folge: Erdrutsche und überbordende Flüsse und zum Teil komplette Ernteausfälle im ganzen Land. Eine erneute Aussaat ist zu dieser Jahreszeit kaum möglich, denn die Trockenzeit steht nun bevor. Auf der direkten Verlaufsbahn beider Wirbelstürme liegen zudem zahlreiche Naturreservate, unter ihnen der nicaraguanische Bosawás. Dieser ist Teil des - nach dem brasilianischen Amazonas - größten zusammenhängenden tropischen Regenwaldes des Kontinents. Hier hinterließen Eta und Iota eine Schneise der Verwüstung. Der Bosawás ist bereits gefährdet. Hauptsächlich aus der Pazifikregion stammende Siedler betreiben hier intensive Viehzucht und dringen zunehmend in indigenes Schutzgebiet ein. Abholzung und eine Veränderung der Bodennutzung lassen die Schäden durch die Wirbelstürme noch gravierender ausfallen.

Krise in der Krise

Allein in der nördlichen Karibikregion wurden etwa 40.000 Personen vorübergehend in Notunterkünften untergebracht, die jedoch kaum mit dem grundlegendsten ausgestattet waren. Hygienevorkehrungen konnten nicht getroffen werden, was insbesondere angesichts der aktuellen Pandemie gravierend ist. Die Essensversorgung durch den Staat war unzureichend. Zudem wurden Bestrebungen der Bevölkerung für die Opfer der Wirbelstürme das Nötigste zusammenzutragen, unterbunden. Humanitäre Hilfe ist in Nicaragua staatlich zentralisiert. Intransparenz und Ineffizienz staatlicher Institutionen in Bezug auf die Erhebung der Schäden und die Organisation entsprechender Unterstützung machen eine genaue Analyse des Ausmaßes nach wie vor schwierig.

Auch Nicaragua ist von der weltweiten Coronapandemie betroffen. Im Gegensatz zu den Nachbarländern wurden jedoch kaum staatliche Präventionsmaßnahmen getroffen, sondern gar weiter öffentliche Großveranstaltungen organisiert und gefördert. Zivilgesellschaftliche Versuche die Bevölkerung für die Gefahren zu sensibilisieren und entsprechende Präventionsmaßnahmen wie bspw. die Verteilung von Masken durchzuführen, wurden kriminalisiert. Staatliche Unterstützung für diejenigen Menschen, die durch die Pandemie ihre Erwerbsmöglichkeiten verloren haben, gibt es kaum. Ganz im Gegenteil: flexible Entlassungen und Zwangsurlaub wurden sogar begünstigt. In dieser prekären Situation hat ein Großteil der Bevölkerung kaum noch Reserven, um den Verlust von Hab und Gut durch die Wirbelstürme auffangen zu können. Gleichzeitig ist der Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft zunehmend eingeschränkt, um Unterstützung zu mobilisieren. Neben der Zentralisierung humanitärer Hilfe sind in den letzten Wochen zwei Gesetze in Kraft getreten, die die Zusammenarbeit mit internationalen Geldgebern regulieren und kontrollieren und digitale Meinungs- und Informationsfreiheit einschränken.

Wie unterstützen Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe?

Derzeit unterstützt Diakonie Katastrophenhilfe über Partnerorganisationen Familien in Guatemala, Honduras und Nicaragua mit Grundnahrungsmitteln und Medikamenten, denn die Auswirkungen von Eta und Iota gehen weit über Nicaragua hinaus. Brot für die Welt-Partner in Nicaragua erheben derzeit nach wie vor Schäden und Bedarfe und loten ihren Handlungsspielraum aus.