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Erdüberlastungstag erst am 22. August 2020

Durch COVID-19 ist der ökologische Fußabdruck stark geschrumpft. Seit Jahren ist der Erdüberlastungstag erstmals wieder deutlich später. Ein Grund zum Feiern ist das nicht. Denn die Wirtschaftsschäden der Pandemie haben vielen Menschen Elend gebracht. Aber es ist eine Chance zur Neuausrichtung: für eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht.

Von Johannes Küstner am
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Johannes Küstner Referent Bildung
Telefon: +49 (0) 30 65211-1809 johannes.kuestner@brot-fuer-die-welt.de
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Erdüberlastungstage seit 1970

24 Tage später

In den letzten drei Jahre musste jedes Mal ein früherer Erdüberlastungstag attestiert werden. 2019 hatte die Menschheit bereits am 29. Juli das Maß an nachhaltig zur Verfügung stehenden ökologischen Ressourcen aufgebraucht. Dabei waren die Veränderungen von Jahr zu Jahr gering. Es ging immer nur um wenige Tage. 2020 ist der Erdüberlastungstag plötzlich mehr als drei Wochen später: am 22. August.

Kein Grund zum Feiern

Wir Menschen beanspruchen die Natur 1,7 mal so schnell, wie sie sich erholen kann. Für das Überleben der Menschheit ist es erforderlich den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und den Erdüberlastungstag nach hinten zu schieben. Auf dem grünen Zweig sind wir erst, wenn der Erdüberlastungstag über den 31. Dezember verschoben werden kann. Doch die diesjährige Verschiebung ist leider kein Grund zum Feiern. Denn sie ist nicht das Ergebnis einer erfolgreichen Nachhaltigkeitsstrategie. Sie ist die Folge der Wirtschaftseinbrüche durch die Pandemie. Und diese verursachen weltweit und besonders in den Ländern des globalen Südens großes Elend. Lockdowns machen es Tagelöhner*innen unmöglich ihr Überleben zu sichern. Prekär Beschäftigte werden bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten zuerst entlassen und haben keine Rücklagen Verdienstausfälle zu überbrücken. Und auch in Ländern wie Deutschland ist der wirtschaftliche Bankrott gerade von vielen kleinen Unternehmen, schlecht für unsere Gesellschaft.

Einen nachhaltigen Fußabdruck, der allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht, erreichen wir nur durch eine kluge Neugestaltung der Gesellschaft, nicht durch eine Katastrophe.

Chance für Neustart

Die Tatsache, dass nur eine Pandemie die Menge unseres Ressourcenverbrauchs in die richtige Richtung lenkt, ist ein Weckruf. Die Krise ist eine Chance für einen Neustart. Beim Ankurbeln der Wirtschaft sollten sich alle Länder auf nachhaltige Wirtschaftszweige konzentrieren. Dann könnten positive Effekte sogar verstetigt werden.

Gewohnheiten hinterfragen

Für Konsument*innen in Deutschland können einige der Corona-Beschränkungen neue Erfahrungen und Reflexionen ermöglichen. Eine Freundin von mir fliegt obszön viel. Wegen Corona hat sie gefühlt erstmals Urlaub in der Region gemacht. Sie war völlig überrascht wie schön der Taunus ist und meinte das will sie mal wieder machen. Ganz klar: Coronabedingte Beschränkungen sind ärgerlich und problematisch beispielsweise im Bildungssystem, für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern. Aber in Bezug auf unser Konsum- und Mobilitätsverhalten haben sie Erfahrungen erzwungen, die für manche neue Perspektiven geschaffen haben: Wie notwendig sind regelmäßig Flug- und Zugreisen? Kann ein Urlaub nicht auch in der Nähe schön sein? Kann eine Dienstreise nicht durch eine Videokonferenz ersetzt werden? Wie häufig muss man „shoppen“ gehen?

Wandel mit Hand und Fuß

Wer seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verkleinern möchte, kann mit unserem Fußabdrucktest Anregungen bekommen. Für die notwendigen strukturellen Veränderungen in der Gesellschaft, die nachhaltiges Verhalten für Viele einfacher machen, kommt es vor allem darauf an unseren politischen Handabdruck zu vergrößern. Auch dafür gibt es viele gute Ideen. Derzeit entwickeln wir gemeinsam mit Germanwatch eine Website, die Handabdruck-Aktionsmöglichkeiten anbietet. Interessierte Kolleg*innen aus der Bildungsarbeit sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen.

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