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Sechstagekrieg: 50 Jahre Alltag im Ausnahmezustand

Vom 5. bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg statt. Unzählige Bemühungen, Frieden zwischen Besatzern und Besetzten zu schaffen, sind gescheitert. Die Partner von Brot für die Welt und MISEREOR setzen sich stetig für Versöhnung und die Einhaltung der Menschenrechte für alle ein.

Von Bernhard Schäfer am
Bernhard Schäfer Gemeinsame Initiative humanitäres Völkerrecht Nahost mehr zur Person

Vom 5. bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg statt. Israel nahm das Westjordanland, den Gazastreifen und die Golanhöhen ein. 50 Jahre danach feiern die einen die „Wiedervereinigung“ Jerusalems. Die anderen beklagen die anhaltende Besatzung. Die unzähligen Bemühungen, Frieden zwischen Besatzern und Besetzten zu schaffen, sind gescheitert. Die Partner von Brot für die Welt und MISEREOR setzen sich trotz den immer schwieriger werdenden Bedingungen stetig für Versöhnung und die Einhaltung der Menschenrechte für alle ein, um somit die Tür zum Frieden offen zu halten. Auch wenn die Zeichen schlecht stehen: es ist höchste Zeit, den Konflikt dauerhaft zu lösen – zum Wohle aller.

Die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts ist bisher nur für das israelische, nicht aber das palästinensische Volk erreicht. Die Errichtung zweier Staaten, wie sie bereits vor 70 Jahren im UN-Teilungsplan vorgesehen war, ist noch nicht gelungen. Was wir haben ist ein Staat Israel und ein „Palästina“, dessen Staatlichkeit unklar sowie nicht allgemein anerkannt ist und das unter den gegebenen Bedingungen der Besatzung ohnehin nicht souverän sein kann.

Welche Lösung auch immer die beiden Parteien – mit internationaler Unterstützung – finden, es ist dringend notwendig, den Weg hierzu neu zu beschreiten. Die beiden Völker und auch die Welt können und dürfen sich keine weiteren 50 Jahre einen solchen Zustand leisten, denn der Preis dafür ist zu hoch: Die einen sehen sich wiederkehrenden Terrorakten und willkürlichen Angriffen ausgesetzt; die anderen sind ihrer Freiheit und Würde beraubt. Beides ist inakzeptabel.

Mira Rizeq, Generalsekretärin des Christlichen Vereins Junger Frauen (YWCA) in Palästina, hält an der Hoffnung fest, „dass es eines Tages eine Lösung geben wird“. Aber das werde noch sehr lange dauern – „wegen beiden Seiten.“ Die Besatzung sei kein Weg zum Frieden. „Der einzige Weg dazu ist Gerechtigkeit. Deshalb arbeiten wir für einen gerechten, nicht für irgendeinen Frieden“, so Rizeq. Hierfür setzen sich neben dem YWCA viele der israelischen und palästinensischen Partnerorganisationen von Brot für die Welt und MISEREOR ein. Hierzu gehört auch das unermüdliche Engagement für die Einhaltung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts. Aber ohne eine dauerhafte Lösung des Konflikts, die ein Ende der Besatzung und Siedlungspolitik, aber auch Sicherheit für beide Völker beinhalten muss, ist Frieden für Israelis wie Palästinenser und ist eine nachhaltige Entwicklung für Palästina nicht möglich.

Rabbi Arik Ascherman, prägendes Mitglied und langjähriger Direktor der Organisation „Rabbiner für Menschenrechte“ sowie Gründungsdirektor der Menschenrechtsorganisation „Haqel“ (Das Feld), gibt zu bedenken, dass es eindeutig keine Symmetrie in diesem Konflikt gebe. „Als Israelis haben wir viel mehr politische, militärische und wirtschaftliche Macht. Trotzdem leiden auch viele von uns, sie leiden seelisch.“ Vieles würde verdrängt. Beim 50. Jahrestag komme ihm die jüdische Tradition in den Sinn, wonach es alle 50 Jahre ein Erlassjahr gebe, an dem es heißt: „Wir erklären Freiheit im ganzen Land.“ „Warum können wir das Jahr 2017 nicht zu einem Erlassjahr machen?!“, fragt Ascherman.

Zum Thema 50 Jahre Besatzung haben Brot für die Welt und MISEREOR mit Mira Rizeq, Rabbi Arik Ascherman und anderen Vertreterinnen und Vertretern der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft gesprochen. Zusammengefasst erscheinen die Gespräche in Kürze in einer Broschüre auch zum herunterladen auf dieser Internetseite.

Gemeinsame Initiative humanitäres Völkerrecht Nahost