Blog-Beitrag

Friedensengagement der Kirchen im südlichen Afrika

Der Lutherische Weltbund (LWF) und der Zimbabwe Council of Churches (ZCC) veranstalteten die Tagung „Faith-Based Engagement in Confllict Transformation" in Simbabwe. ZCC engagiert sich für die Überwindung von Gewaltkulturen und dafür, dass die Wahlen 2018 in einem friedlichen Umfeld stattfinden.

Von Dr. Martina Fischer am
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Dr. Martina Fischer Referentin Frieden und Konfliktbearbeitung
Telefon: +49 (0) 30 65211-1420 martina.fischer@brot-fuer-die-welt.de
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Die Veranstaltung fand vom 7.-10. Dezember 2016 in Kadoma (Simbabwe) statt und widmete sich der Frage, wie religiöse Akteure zur Friedensförderung beitragen können. Sie bot Raum für den Austausch zwischen religiösen Würdenträgern und Menschen, die sich der praktischen Friedensarbeit widmen.  Die Teilnehmenden (ca. 30 Personen) kamen aus den Mitgliedskirchen des ZCC, sowie vom Ecumenical Church Leaders Forum,  von der Evangelical Church Mekane Yesus aus Äthiopien, vom LWF World Service Country Programme aus Kamerun und aus dem Referat Menschenrechte und Frieden von Brot für die Welt. Die Diskussion ergab, dass man sich mit den tieferliegenden Ursachen von Konflikten („root causes“) befassen muss, wenn man zur Konflikttransformation und Friedensförderung beitragen will. Bischof emeritus Ambrose Moyo gab einen Überblick über präkoloniale ethnische Konflikte, die das südliche Afrika prägten, die koloniale Phase, die diese Gegensätze massiv verschärfte und neue Formen institutioneller Gewalt hervorbrachte, und die aktuelle Situation in Simbabwe. Wenn die gewaltsame Vergangenheit nicht aufgearbeitet werde, so stellte er fest, können weder Frieden noch Gerechtigkeit geschaffen werden.

Aufarbeitung von Vergangenheit und Gerechtigkeit - Fallstudien aus anderen Regionen

Die Konferenz richtete ihren Blick aber auch auf friedenspolitische Herausforderungen und Erfahrungen in anderen Regionen, um neue Impulse einzubeziehen. Eine Fallstudie zum Westlichen Balkan und zur Rolle religiöser Akteure in Bosnien-Herzegowina seit den 1990er Jahren (Martina Fischer) bestätigte die Notwendigkeit, Gewaltereignisse aus der Vergangenheit in den Blick zu nehmen, und die Bedeutung von Faktenermittlung, Anerkennung von Verletzung und Übernahme von Verantwortung für Prozesse der Heilung und Aussöhnung. Paul Deouyo widmet sich in Kamerun der Unterstützung von Flüchtlingen aus Zentralafrika und legte dar, wie schwierig es ist, Gerechtigkeit zu definieren und Konflikte zu schlichten, die entstehen, wenn eine alteingesessene Bevölkerung von Ackerbauern mit Flüchtlingen zusammentrifft, die Weidevieh mit sich führen. Auch in der Arbeit mit Flüchtlingen ist der Umgang mit Traumatisierung durch Gewalterfahrungen ein zentrales Thema. Die Bedeutung von Prozessen der Aufarbeitung wurde auch im Beitrag von Simone Sinn (LWF) zur Konflikttransformation ausgeleuchtet. Eyob Yishak aus Äthiopien berichtete über Ansätze zur Überwindung inter-ethnischer Gewalt in Äthiopien und betonte, dass die Wiederherstellung sozio-ökonomischer und politischer Infrastrukturen eine zentrale Grundlage für Friedensprozesse und Aussöhnung in kriegszerstörten Gesellschaften bilde.

Einige Beitragende aus Simbabwe machten deutlich, dass nicht nur sozio-ökonomische Strukturen und politische Prozesse Unfrieden generieren, sondern dass Gewalt auch aus dem kulturellen Kontext in der Region entspringt; ganze Generationen hätten gelernt zu akzeptieren, dass Konflikte mit Gewalt auszutragen sind, und dass der Stärkere berechtigt sei, Gewalt gegen den Schwächeren anzuwenden, sei es in der Ehe, Familie, Schule oder sozialen Gruppe. Gerade deshalb komme Erziehung eine große Bedeutung zu, in der Menschen lernen gewaltfrei zu handeln, zu kommunizieren und Beziehungen zu gestalten, so Kenneth Mtata, Generalsekretär des ZCC. Den Kirchen kommt eine große Verantwortung als wertebildende Instanzen zu. Sie besitzen eine hohe Legitimität, angesichts dessen, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des Landes Christen und viele auch kirchlich engagiert sind.

Kirchen für Überwindung geschlechtsbasierter Gewalt

Im Anschluss an die Konferenz lud ZCC am Tag der Menschenrechte (10. Dezember) zu einer öffentlichen Veranstaltung und Demonstration ein (“Church taking action against gender-based violence”). Die Sprecher/innen (überwiegend kirchliche Würdenträger und Repräsentantinnen von Frauenorganisationen) wiesen darauf hin, dass Gewalt in ihrem Lande auf vielfältigen Ebenen das tägliche Leben bestimme, als Mittel der Konfliktaustragung, oder auch um Macht in sexuellen Beziehungen, in der Familie und Institutionen auszuspielen. Viele seien in der Tradition aufgewachsen, dass Gewaltanwendung normal sei, und Missbrauch sei an der Tagesordnung. Kirchenvertreter (und auch eine Polizeiverantwortliche) drückten große Besorgnis angesichts dieser Probleme aus. Sie riefen dazu auf, die Einstellungen zu überdenken, das Verhalten zu ändern und sich an den christlichen Werten (Gewaltlosigkeit, Empathiefähigkeit und Nächstenliebe) zu orientieren, um Gewaltkulturen zu überwinden.

Die Tagung und anschließende öffentliche Veranstaltung in Kadoma haben gezeigt, dass dem Zimbabwe Council of Churches eine große Verantwortung für das Friedensengagement zukommt. Dem Kirchenrat und seinen Mitgliedskirchen ist zu wünschen, dass es ihnen gelingt, ihren Einfluss und Beitrag zur Konflikttransformation weiter zu verstärken. Ihre Erfahrung und Fähigkeit zur Unterstützung von Dialog wird mehr denn je benötigt, weil in Simbabwe 2018 Wahlen anstehen. In der Vergangenheit kam es vor und während der Wahlen regelmäßig zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern der Opposition und der Staatsgewalt. ZCC sieht eine seiner vordringlichen Aufgaben darin, daran mitzuarbeiten, dass die Vorbereitung und Durchführung friedlich verlaufen.

Weitere Informationen und Berichte zu den Veranstaltungen in Kadoma finden sich auf der Website des Lutherischen Weltbunds (https://www.lutheranworld.org/news)

 

 

 

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