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Dem Trump-Faktor trotzen

Bei der UN-Klimakonferenz wird trotz Verunsicherung an der Umsetzung des Paris-Abkommens gearbeitet – wenn auch in kleinen Schritten. Deutschland engagiert sich international, bleibt aber bei den eigenen, nationalen Klimaschutz-Ambitionen verhalten.

Von Johannes Grün am
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Johannes Grün Leiter Referat Wirtschaft und Umwelt
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„We have changed the world, make no mistakes about it. And we will go further.” Was die US-amerikanische Vertreterin bei der Präsentation der so genannten NDC-Partnerschaften halb trotzig ins Mikrofon sagt, kann auch an eine Botschaft an den eigenen designierten Präsidenten verstanden werden. Knapp eine Woche nach der Wahl Donald Trumps hat sich die Stimmung auf der UN-Klimakonferenz deutlich erholt. Zwar bleibt der bange Blick auf die klimapolitischen Ankündigungen Trumps, aber gleichzeitig will niemand hier ein Jahr nach Paris hinter erreichtes zurückfallen.

Marokko will Vorreiter beim Klimaschutz werden

Stattdessen ist die COP im Arbeitsmodus. Die heute vorgestellte und von Marokko und Deutschland angestoßene Initiative der NDC-Partnerschaften soll dazu dienen, Ländern des Globalen Südens Unterstützung bei der Umsetzung ihrer nationalen Klimaschutzpläne zu geben, durch finanziellen Support wie auch zum Beispiel durch Technologietransfer. Wenn sie funktioniert, kann sie wegweisend sein für eine zielgerichtete Umsetzung des Paris-Abkommens. Deutschland unterstützt auch die Anstrengungen des Gastgeberlandes Marokko, dem steigenden Energiebedarf mit einem forcierten Ausbau Erneuerbarer Energien zu begegnen. Bis 2030 will das nordafrikanische Land über die Hälfte seines Energiebedarfes aus Erneuerbaren decken – ein ambitioniertes Ziel in Anbetracht der Tatsache, dass die Energiegewinnung bisher zu 98 Prozent auf dem Import von fossilen Energieträgern beruht.

Deutschland verabschiedet sich von Vorreiterrolle

Nicht recht zu diesem internationalen Engagement Deutschlands passen will das in letzter Sekunde erzielte Verhandlungsergebnis  zum nationalen „Klimaschutzplan 2050“, den Umweltministerin Barbara Hendricks gestern auf einer Pressekonferenz in Marrakesch vorgestellt hat. Der Plan bestätigt schriftlich: Deutschland hat sich mit den nun vereinbarten Sektorzielen aus seiner Vorreiterrolle innerhalb Europas verabschiedet. Statt einer vorwärtsweisenden Energiewende liest sich der nach langem Ringen nun verabschiedete Plan zaghaft – von konsequentem Kohleausstieg keine Spur, ambitionierte Minderungsziele Fehlanzeige. Das bleibt den Delegierten der COP 22 nicht verborgen. Wer auf den luftigen Gängen der Konferenz-Zeltstadt nach einem Musterland für den Ausbau der Erneuerbaren Energien fragt, hört nur noch selten „Deutschland“ als Antwort, sehr häufig aber: „Marokko“.

 

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