Blog-Beitrag

Auftaktkundgebung auf Weltsozialforum - Gedenken an ermordete Menschenrechtlerin Berta Cáceres

15.000 Globalisierungskritiker aus 120 Staaten auf den Straßen Montreals demonstrieren gegen Ausbeutung und Turbokapitalismus . Vertreter der „First Nation“, der  Erstbewohner Kanadas liefen auf der Eröffnungsdemo vorneweg, gefolgt  von einer großen Vielfalt kanadischer und internationaler Gruppen. Metallarbeiter neben Lesben und Schwulen, Mönche neben Umweltaktivistinnen oder Unterstützer und Gegner der Regierung in Venezuela. Daneben auch NROs, wie Oxfam, Brot für die Welt oder die katholische Entwicklungsagentur Frankreichs CCFD.

 

Von Francisco Mari am
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Francisco Mari Referent Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik
Telefon: +49 (0) 30 65211-1822 francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de
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15.000 Globalisierungskritiker aus 120 Staaten auf den Straßen Montreals demonstrieren gegen Ausbeutung und Turbokapitalismus . Vertreter der „First Nation“, der  Erstbewohner Kanadas liefen auf der Eröffnungsdemo vorneweg, gefolgt  von einer großen Vielfalt kanadischer und internationaler Gruppen. Metallarbeiter neben Lesben und Schwulen, Mönche neben Umweltaktivistinnen oder Unterstützer und Gegner der Regierung in Venezuela. Daneben auch NROs, wie Oxfam, Brot für die Welt oder die katholische Entwicklungsagentur Frankreichs CCFD.

Der friedliche Marsch endete auf dem Festivalsplatz mit einer ungewöhnlichen Kundgebung. Anstatt langer Reden von AktivsitInnen aus aller Welt, gab es nur zwei bewegende Ansprachen und danach aus allen Kontinenten gesellschaftskritische Musik bis tief in die Nacht.

Zu Beginn der Kundgebung wurde massiv gegen die Verweigerung von Visa zur Einreise von über 200 Gästen protestiert. Das würde sich mit den Versprechen der neuen kanadischen Regierung für mehr Offenheit und internationaler Verantwortung nicht vereinbaren.

Auch Brot für die Welt ist empört, dass zwei hohen Kirchvertretern des westafrikanischen Kirchenrates (FECCIWA), Partner von Brot für die Welt, Bischof Udofia aus Nigeria und Rev. Tolbert Jallah  aus Lomé in Accra und Abuja festsitzen. Ihre Pässe sind immer noch unbearbeitet in den Botschaften. Sie werden wohl nicht mehr am parallel stattfinden Forum der Befreiungstheologie und zu einem Podium zu den Wirkungen des Klimawandels auf die Bäuerinnen und Bauern in Westafrika teilnehmen können.

 Stuart, Vertreter der indigenen Gruppe der Mohawk, die ehemals auf dem Gebiet von Montreal siedelten erzürnte sich gegen die Respektlosigkeit den kapitalistischen Umgang mit „Mutter Erde“. Profitsucht zerstöre gerade auch in Kanada systematisch die Natur.  Es wäre ein „machistischer Weg“ im Umgang mit dem Ursprung des Lebens, der soziale und ökologische Strukturen mit sich reiße. Er wünschte den TeilnehmerInnen des Forums, dass sie diese Fragen zusammen denken und sich nicht auf Teillösungen oder faule Kompromisse einlassen.

Ergreifender wurde es als Bertha Isabel und Laura Zuniga aus Honduras sprachen - Töchter der vor sechs Monaten ermordeten Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres von der Brot für die Welt Partnerorganisation COPINH (Rat indigener Organisationen von Honduras). Sie riefen dazu auf, trotz des Mordes an ihrer Mutter den Kampf für eine gerechtere Welt nicht aufzugeben. Sie verlangten die Bestrafung der Täter, aber auch derjenigen die für die Zustände in ihrem Land verantwortlich sind - nicht nur ihre Regierung, sondern auch ausländische Konzerne die ihr Land ausbeuten, gegen die auch ihre Mutter kämpfte.

Es ist ein leiser und nachdenklicher Auftakt des Weltsozialforums. Es untermauert die Absicht, dass in Montreal die Schnittmengen für gemeinsames Handeln gesucht werden und nicht die lauten Parolen anderer Foren. Dabei wird durchaus scharfe Kritik am Turbokapitalismus und an einer Globalisierung geübt, die zu mehr weltweiter Ausbeutung und Unrecht führt. Es zeigt sich schon beim  Auftakt, dass einer solchen Entwicklung eine Überwindung von Nord-Süd Gegensätzen von unten gestellt werden muss. Es gibt den armen Süden in den Metropolen des Nordens und verantwortungslose Eliten im Süden. Dem stehen weltweit Menschen entgegen, die die Verhältnisse radikal verändern wollen. Einige davon gibt das Weltsozialforum hier eine Stimme.

Ein Auftakt getreu dem Motto von Montreal „Nur gemeinsam verändern wir die Welt“, der auf Vielfalt und Unterscheide setzt, die nicht trennen sondern die Plattform schaffen für globale und lokale Veränderungen.

 

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