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Burkina Faso: Projektpartner fordert neuen Staatschef zum Dialog auf

Von Uta Bracken am
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Uta Bracken Referatsleiterin West- und Zentralafrika mehr zur Person

In einem fiktiven Brief an den neuen Staatschef Oberst Isaac Zida umreißt Bala Sanou, Berater bei YIRIWA, Partnerorganisation von Brot für die Welt, in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, die Notwendigkeit, über die Zukunft des Landes ins Gespräch zu kommen. YIRIWA ist eine Beratungseinrichtung für Partner in der Entwicklungsarbeit. Die Fachleute dort engagieren sich außerdem in zivilgesellschaftlichen Fachforen zu Genderfragen, Landrecht und Dezentralisierung. Brot für die Welt fördert YIRIWA seit 2003. „Großer Bruder“ ist die respektvolle Anrede eines Älteren.

Meinem "Großen Bruder" Issac,

ich wende mich an Sie nicht als Staatsoberhaupt, sondern als einen mir an Lebenserfahrung überlegeneren Mitbürger.

Unser Land begibt sich gerade auf den Weg, seine demokratischen Wurzeln wieder zu finden. Erlauben Sie mir, Ihnen zu Ihren Bemühungen zu gratulieren, in dieser schwierigen Etappe unser Land zu führen.

Gemeinsam mit anderen engagierten Bürgerinnen und Bürgern möchte ich zu dem derzeitig laufenden gesellschaftlichen Dialog beitragen. Wir arbeiten gegenwärtig an einem Vorschlag für das Management dieser aktuellen Krise in Burkina Faso, das auch tragfähig sein soll für ähnliche künftige Situationen. Bevor wir Ihnen unsere Empfehlungen zukommen lassen können, möchte ich Ihnen einen kurzen Einblick in unsere Überlegungen geben:

Die aktuellen Reibungen auf den unterschiedlichen Ebenen in unserem Land sind nach unserem Verständnis einerseits Ergebnis der Reife, aber andererseits auch der Unerfahrenheit der politischen Akteure in Burkina. Angesichts der rasanten Entwicklungen der Ereignisse der letzten Woche verstehen wir, dass wir alle nicht vorbereitet waren. Aber wie es so schön lautet: „Wer A sagt, muss auch B sagen“. Mit unseren Protesten haben wir „A“ gesagt. Nun muss jemand aus der Mitte der burkinischen Gesellschaft in diesen Zeiten großer Veränderungen die politische Verantwortung übernehmen. Sie, mein Bruder, tragen dazu bereits im Rahmen Ihrer Möglichkeiten bei.

Aus unserer Sicht braucht Burkina Faso eine Institution, die den legitimen Rahmen für das Aushandeln der Interessen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen bietet. Diese Schnittstelle würde den Dialog innerhalb der gesamten Gesellschaft im Falle einer Krise oder von notwendiger Verständigung  über weitreichende gesellschaftliche Fragen übernehmen. In der Vergangenheit wurden solche Prozesse häufig auf der Basis von Ad-hoc-Kommissionen organisiert. Deren Arbeit hat nicht die erforderliche Reichweite und auch kaum gesellschaftliche Zustimmung erhalten. Ihr Mandat lief nach Abgabe eines Berichtes aus. Das Monitoring für die Umsetzung von Vereinbarungen fand nicht statt. Auch gab es keinen Raum, in dem sich in der Gesellschaft abzeichnende Interessensunterschiede verhandelt werden konnten.

Das ist der Punkt, an dem wir nun ansetzen und unseren Beitrag leisten wollen. Dabei wollen wir aus der Vergangenheit gemeinsame Lehren für die aktuellen Herausforderungen ziehen.

Ich ermutige Sie in diesem Zusammenhang, unsere Armee auf das Konzept der Republikanischen Armee einzustimmen. Der Fokus ihrer Angehörigen sollte auf ihrer hoheitlichen Aufgabe liegen.

Ich wünsche Ihnen allen erdenklichen Erfolg und Kraft in dem laufenden gesellschaftlichen Dialog, damit Burkina lebt und wiedergeboren wird.

Hochachtungsvoll,

Bala Sanou

Senior-Berater bei YIRIWA, Ouagadougou

 

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