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Mitsprache bei Überfischung durch EU Fangflotten

Auf seiner diesjährigen Generalversammlung wurde Brot für die Welt als erste Entwicklungsorganisation in den  EU Ausschuss für Fragen der Fischerei außerhalb der EU Gewässer  (LDRAC) einstimmig aufgenommen. Gemeinsam mit Vertretern der Verbände der EU Industriefischerei beraten und kommentieren Umweltverbände, wie der WWF und Sea at Risks, Regelungen und Verordnungen der Generaldirektion Meere. Brot für die Welt und sein Partnernetzwerk erhalten durch die Mitgliedschaft in diesem Ausschuss beispielsweise die Möglichkeit direkt darauf Einfluss zu nehmen,  ob in Zukunft Fischereiverträge mit Entwicklungsländern auch das Recht auf Nahrung der lokalen Bevölkerung beachten.

 

Von Francisco Mari am
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Francisco Mari Referent Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik
Telefon: +49 (0) 30 65211-1822 francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de
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Auf seiner diesjährigen Generalversammlung wurde Brot für die Welt als erste Entwicklungsorganisation in den  EU Ausschuss für Fragen der Fischerei außerhalb der EU Gewässer  (LDRAC) einstimmig aufgenommen. Gemeinsam mit Vertretern der Verbände der EU Industriefischerei beraten und kommentieren Umweltverbände, wie der WWF und Sea at Risks, Regelungen und Verordnungen der Generaldirektion Meere. Brot für die Welt und sein Partnernetzwerk erhalten durch die Mitgliedschaft in diesem Ausschuss beispielsweise die Möglichkeit direkt darauf Einfluss zu nehmen,  ob in Zukunft Fischereiverträge mit Entwicklungsländern auch das Recht auf Nahrung der lokalen Bevölkerung beachten.

Über 800 große Trawler die in der EU registriert sind jagen auf den Weltmeeren den Fischwärmen hinterher. Die Überfischung in den eigenen Gewässern zwingt die EU Flotte dazu. Weitere 400 Fangboote fahren unter Flaggen von Ländern mit wenig nachhaltigen Fischereiverpflichtungen (Panama, Belize, Liberia), gehören aber europäischen Unternehmen. Sie versorgen den größten Weltmarkt für Fischprodukte, die Europäische Union mit 20% ihres Bedarfes, verdienen aber auch durch den Export in Entwicklungsländer.

Die gerade beschlossene Reform der EU Fischereipolitik sehen eine Verpflichtung vor, dass alle EU Fangboote auf allen Ozeanen, sich nach den in der EU gültigen Regelungen von Nachhaltigkeit und Transparenz verhalten. Das heißt auch an den Küsten der Entwicklungsländer, wo Fischfang und Fischverarbeitung Millionen Menschen beschäftigt und Fisch eine der wichtigsten Nahrungsmittel ist, besonders für die Eiweißversorgung. Partnerorganisationen arbeiten seit Jahren mit Brot für die Welt –Evangelischer Entwicklungsdienst zusammen, damit geschützte Fanggebiete der handwerklichen Fischerei von den ausländischen Fangtrawler, darunter auch den europäischen Fangbooten respektiert werden. siehe Broschüre Leere Netze

BfdW hat in den letzten drei Jahren dazu Gespräche und Aktionen gemeinsam mit anderen europäischen und afrikanischen Partnern durchgeführt um die Ausgestaltung der neuen Fischereipolitik so zu beeinflussen, dass das Recht auf Nahrung in den Fanggebieten der Entwicklungsländer von der Fischindustrie respektiert werden muss. Mit der EU Kommission Meere, dem deutschen Fischereiministerium (BMELV), Bundestags- und EU Parlamentariern wurden in diesem Sinne Gespräche geführt und Forderungen nach einer nachhaltigeren Fischereipolitik durch Kleinfischerverbände überbracht. siehe Blogbeitrag

Erfolgreich haben wir im Aktionsbündnis OCEAN 2012 schärfere Regelungen für nachhaltigere Fangmethoden, Respektierung wissenschaftlicher Ergebnisse über den Zustand der Fischbestände und für eine Privilegierung der lokalen handwerklichen Fischer in Fangabkommen im neuen Basisgesetz für die zukünftige Fischereipolitik durchgesetzt. Noch steht aber alles auf dem Papier. Wichtig ist es in Zukunft darüber zu wachen, wie diese neuen Regelungen umgesetzt werden. Unsere Partner am Atlantik, im indischen Ozean und Pazifik werden uns weiterhin berichten, wie EU Fangboote den Fischfang in ihren Gewässern betreiben.

Der Ausschuss für Fernfangfischerei berät die EU Kommission Meere, wie ihre Fischereipolitik außerhalb der EU Gewässer nachhaltiger gestalten werden kann. Zwei Drittel der Ausschussmitglieder sind Vertreter der EU-Fangflotten und der Fischindustrie. Zu einem Drittel sitzen VertreterInnen der Zivilgesellschaft (Gewerkschaften, Umweltverbände und die Koalition für faire Fischereiabkommen im Ausschuss. Vertreter aus Ländern außerhalb der EU dürfen nicht Mitglied werden. Auf Bitten seiner Partner, der Umweltverbände, aber auch des Sekretariats des LDRAC und einiger Unternehmen hatte der Evangelische Entwicklungsdienst, später Brot für die Welt nach einigen Jahren mit Beobachterstatus eine Mitarbeit bei der EU beantragt, der im Umlaufverfahren alle EU Mitgliedsländer zugestimmt haben. So wurde Brot für die Welt nun einstimmig auf der Jahresversammlung des LDRAC in Tanger/Marokko in den Ausschuss aufgenommen. Der Ausschuss hat fünf Arbeitsgruppen (Tunfischflotte, Handelsverträge, Fischerei im Nordatlantik, Fischereiverträge). BfdW berät noch in welchen Arbeitsgruppen es mitarbeiten wird. Erwartet wird, dass BfdW vor allem entwicklungspolitische Kompetenz und Analysen und Erfahrungen über die Wirkungen der EU Fernfangflotten auf die Ernährungssicherheit in Partnerländern einbringt. Die Stärkung der entwicklungspolitischen Kohärenz der EU Fischereipolitik wird in Zukunft damit eine größere Rolle im Ausschuss einnehmen (siehe GKKE Dossier Köhärenz).

Auf der diesjährigen Generalversammlung des LDRAC in Tanger wurden auch Präsidium und Exekutivkomitee neu gewählt. Der bisherige Vorsitzende Antonio Cabral wurde wiedergewählt und der Generalsekretär Carlos Aldereguía bestätigt. Kajsa Garpe, die Vertreterin des Brot für die Welt Kooperationspartners, der schwedischen Umweltorganisation SSNC, wurde erstmalig in das Exekutivkomitee gewählt. Beschlossen wurde in Tanger unter anderem ein Antrag, der die EU Kommission auffordert in dem zukünftigen Freihandelsvertrag mit Thailand die menschenrechtlichen Arbeitsbestimmungen für die fischverarbeitende Industrie besonders zu beachten. Die Zollpräferenzen für den Marktzugang in die EU dürften nur gewährt werden, wenn es Verbesserungen bei den ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen von Arbeiterinnen in den Fischdosenfabriken gibt. Alle Konventionen der ILO (intern. Arbeitsorganisation der VN) müssten nachweisbar eingehalten, nicht nur ratifiziert werden.

 

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