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Haben Sie Hoffnung?

Von Johannes Küstner am
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Johannes Küstner Referent Bildung
Telefon: +49 (0) 30 65211-1809 johannes.kuestner@brot-fuer-die-welt.de
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Eine adventliche Stimmung ist dieser Großkonferenz völlig fern. Man ist der deutschen Vorweihnachtszeit entrissen. An Advent oder Weihnachten erinnert hier nichts. Und doch mag es seinen Sinn haben, dass die COP immer wieder in die Adventszeit fällt. Der Advent ist die Zeit der Hoffnung. Und ohne Hoffnung sind Klimaverhandlungen schlicht nicht möglich.

Die sechzehn Tausend registrierten Delegierten, Beobachter und Journalisten sind im Verlaufe der Konferenz mehr schlechten als guten Nachrichten ausgesetzt: ein Land bremst Verhandlungen, ein anderes zieht in Aussicht gestellte Zusagen zurück und manche Länder sind ziemlich ungewillt überhaupt zu Ergebnissen zu kommen. Alles eine Frage des Erwartungsmanagements könnte man sagen. Erwarten wir halt nicht zu viel. So sieht die Strategie der EU momentan scheinbar aus. Aber das kann es ja auch nicht sein. Die Rettung des Klimas ist zu dringlich, um sich mit Handeln auf ferne Zukunft zu vertrösten.

Als heute Christina Figueres - die Generalsekretärin der UNFCCC - die Nichtregierungsorganisationen zu einer Fragestunde empfing, wurde auch das geschwundene Vertrauen der Bevölkerung in den möglichen Erfolg der UN-Klimaverhandlungen angesprochen: "Haben Sie überhaupt noch Hoffnung, dass diese Klimaverhandlungen dazu führen können, dass das Weltklima geschützt wird?" Christina Figueres antwortete: "Es gibt keine Alternative. Der Klimawandel ist ein globales Problem. Keine andere Instition kann globale Antworten finden. Auch wenn der Prozess kompliziert und langsam ist, gibt es keine Alternative zu einem Prozess bei dem jedes Land eine Stimme hat." Christina Figueres hat auch bei der "We have Faith"-Rally der Glaubensgemeinschaften gesprochen und deren Unterschriften und Botschaften sehr berührt entgegengenommen. Irgendwann sagt sie in einer Ausführung bei der heutigen Sitzung: "Ohne Hoffnung geht es nicht. Ich bete jeden Tag, dass unsere Verhandlungen erfolgreich sind." Das ist mit Sicherheit keine schlechte Voraussetzung für die Vermittlungsbemühungen einer Schlüsselfigur in diesen Verhandlungen.

Als ich diese Zeilen beginne zu schreiben, eilt Michel Takam an mir vorbei. Er ist einer unserer Partner aus Kamerun und verfolgt die Verhandlungen eng. Er lacht und ruft mir zu: "Things are moving!" In dem Verhandlungsbereich, den er verfolgt, scheint es Fortschritte zu geben. Lassen wir uns also von den berechtigten Sorgen nicht überwältigen. Ohne Hoffnung geht es nicht.

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