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Evakuiert die Camps!

Unterstützt unseren offenen Brief an Bundesinneminister Horst Seehofer.

Von Brot für die Welt Jugendausschuss am
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Vor zwei Tagen sind 47 Jugendliche, die bisher in den griechischen Flüchtlingslagern untergebracht waren, in Hannover gelandet. Das ist ein guter Anfang, reicht aber noch lange nicht aus um die Situation in den Lagern zu entschärfen. Gemeinsam mit Ture und Florentine aus Hamburg und vielen weiteren Organisationen fordern wir weiterhin die Evakuierung der Camps. Dafür haben wir den folgenden offenen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer unterschrieben:

Sehr geehrter Herr Seehofer,

in großer Sorge blicken wir auf die Zustände in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln. Ungefähr 42 000 Flüchtende sind dort momentan in Lagern untergebracht, die eigentlich für etwa 6 000 Menschen konzipiert sind. Etwa ein Drittel davon ist minderjährig, viele sogar unter zwölf Jahre alt.

Die Menschen sind dort auf engstem Raum in Zelten untergebracht. Einer menschenwürdigen Unterbringung kommt so etwas nicht einmal nahe. Immer wieder brechen Feuer aus und erst vor wenigen Tagen kam dabei ein junges Mädchen um. Die hygienischen Bedingungen in den Lagern sind katastrophal. Laut Berichten von „Ärzte ohne Grenzen“ werden Toiletten von durchschnittlich bis zu 160 Menschen genutzt, anderen Quellen zufolge sogar bis zu 250 Menschen. Teilweise gibt es nur einen Wasserhahn für 1 300 Menschen – und dazu nicht einmal Seife. Auch als Laie kann man sich denken, was für eine Gefahr solche Bedingungen bezüglich der Ausbreitung von Krankheiten darstellen. Solch eine Situation ist immer gefährlich, besonders aber natürlich jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie. Abgesehen davon, dass sich Corona in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln rasant verbreiten würde, gehören viele der Menschen dort auch zu den sogenannten „Risikogruppen“. Weiterhin sind die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung stark limitiert. Die einzige Möglichkeit, um mit Sicherheit einen Ausbruch von Corona mit schwerwiegenden Folgen zu verhindern, ist eine sofortige Evakuierung aller dort lebenden Menschen.

Deutschland hat Recherchen der Süddeutschen Zeitung zufolge jetzt sofort Platz für 65 000 Menschen. Die 42 000 Menschen aus den Lagern auf den Inseln können also sofort alle von Deutschland aufgenommen werden.

In Zeiten so absoluter Dringlichkeit darf nicht auf europäische Lösungen gewartet werden. In Zeiten dieser Dringlichkeit und gefährdeter Menschenleben darf nicht vor „zu viel“ Humanität durch einen „deutschen Alleingang“ gewarnt werden. Und in Zeiten von Corona, in denen ständig zu Solidarität aufgerufen wird, muss diese für alle gelten.

Wir rufen Sie dringlichst zu einer sofortigen Evakuierung aller Flüchtenden in den Lagern auf den griechischen Inseln auf! Handeln Sie jetzt im Namen der Menschlichkeit und retten Sie Leben!

Mit freundlichen Grüßen

Ture

Florentine

sowie folgende Organisationen:

Alarm Phone

Brot für die Welt Jugend

Borderline Europe

Flüchtlingsrat Baden-Württemberg

Flüchtlingsrat Bayern

Flüchtlingsrat Hamburg

Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern

Flüchtlingsrat Niedersachsen

Flüchtlingsrat Sachsen

Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein

Grundrechtekomitee

Law Clinic an der Bucerius Law School

Mission Lifeline

Refugee Law Clinics Deutschland

Refugee Law Clinic Würzburg

Refugee Law Clinic Siegen

Refugee Law Clinic Rostock

Refugee Law Clinic Dresden