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Ein gesichertes Grundeinkommen kann ein Anstoß dafür sein, dass Menschen einen Weg aus der Armut finden. Darin waren sich die Teilnehmer eines Podiums zum gesicherten Grundeinkommen beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München einig. Als Anstöße für eine Debatte über den Sinn des Grundeinkommens dienten als Beispiele ein vom evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“ in einem Dorf in Namibia gefördertes Modellprojekt, bei dem zwei Jahre lang jeder Einwohner 100 Dollar im Monat erhielt, sowie ein Projekt zur Unterstützung von Familien in Sao Paulo. Im Anschluss feierten die Teilnehmer einen Gottesdienst mit Agapemahl.
Sowohl der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm als auch der Vorstand Sozialpolitik beim Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kerstin Griese, waren sich einig, dass das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens nicht auf Deutschland übertragbar sei. Griese würdigte das Projekt in Namibia, sah aber für Deutschland den Sozialstaat als geeignetes Modell. Ihn gelte es zu verbessern, etwa mit Mindestlöhnen oder Bildung. Das bedingungslose Grundeinkommen überschätze die Rolle des Geldes, sagte Griese.
Blüm: "Arbeitslose nicht mit Almosen abspeisen."
Auch Blüm gestand zu, dass Maßnahmen wie die in Namibia in manchen Situationen als Anschub nötig seien. In der Gerechtigkeitsdebatte dürfe jedoch nicht das Recht auf Arbeit und der gerechte Lohn vergessen werden. „Arbeitslose soll man nicht mit Almosen abspeisen“, mahnte Blüm. In der Welt gebe es genug Arbeit, fügte er hinzu -und kritisierte entschieden die gigantische globale Umverteilung, die es gegenwärtig gebe. „Lasst Euch nicht vom Grundeinkommen beruhigen“, sagte Blüm.
Bischof: Grundeinkommen war Weg aus Armut
Sowohl bei der Podiumsdiskussion als auch im Gottesdienst erläuterte der namibische Bischof Zephania Kameeta den grundlegenden Wandel, den das bedingungslose Grundeinkommen(Basic Income Grant, BIG), für das Dorf Otjivero mit etwa 1.100 Einwohnern gebracht hatte: Zwei Jahre hatten alle Einwohner unter 60 Jahren umgerechnet etwa zehn Euro im Monat erhalten. Dies sei für die Bewohner ein Weg aus der Armutsfalle gewesen, betonte Kameeta. Seien vor Beginn des Projekts 40 Prozent der Kinder nicht mehr zur Schule gegangen, weil sie Hunger litten, habe sich diese Zahl auf Null reduziert.
Vor dem Programm, das von der Regierung vorgeschlagen worden war, hätten die Menschen laut Kameeta unter Hunger und Armut gelitten. Danach hätten sie mit dem Geld Kleinunternehmen gegründet. Sie konnten sich Haushaltsutensilien kaufen und Schuluniformen für ihre Kinder. „Das Leben in dem Dorf hat sich grundsätzlich geändert“, sagte der Bischof. Er hoffe nun, dass trotz der Widerstände von Weltbank und Internationalem Währungsfonds das Modell auf das ganze Land ausgedehnt werden kann. Schließlich liege die Arbeitslosigkeit in Namibia bei 51 Prozent.
Präses Schneider: Wachsende Ungleichheit ist "Skandal und Sünde"
In seiner Predigt forderte der amtierende Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, weltweite soziale Standards angesichts der steigenden Zahl der Hungernden. Die wachsende Ungleichheit bezeichnete er als Skandal und Sünde. Es könne nicht sein, dass die Wall-Street-Banker mehr Geld erhalten als Millionen Hungernden zur Verfügung stehe. Er rief dazu auf, mit Intelligenz und Engagement die Instrumente gegen die Armut dort einzusetzen, wo sie geeignet sind.