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So war Youthtopia 2020

Eigentlich hatten wir ein großes Treffen in Hannover geplant. Dann kam COVID-19. Also haben wir kleine Treffen gemacht: in Aabenraa, Berlin, Bremen, Dresden, Erfurt, Hannover und Winsen. Unser Thema war Klimagerechtigkeit. Und Teile des Programms haben wir online gemeinsam gestaltet. Ansonsten war Youthtopia dieses Jahr überall ein bisschen verschieden. Hier ein paar Einblicke...

Von Brot für die Welt Jugendausschuss am
Bild von Brot für die Welt Jugendausschuss
Brot für die Welt Jugendausschuss mehr zur Person

BERLIN

Auch wir in Berlin haben ein lokales Youthtopia-Event gestartet. Freitagabend haben wir uns in einem Jugendkeller getroffen, um uns kennenzulernen, gemeinsam zu Essen und den nächsten Tag zu planen. Samstag früh ging es dann ja zunächst mit Plenum und Workshops los, an denen wir gemeinsam vom Jugendkeller aus teilgenommen haben. Nachmittags haben wir an einem belebten Ort an der Spree eine Straßenaktion gestartet: Wir haben mit Kreide auf den Boden >„Klimapanik“ – gerechtfertigt?!< geschrieben und Passant:innen dazu befragt. Die Kommentare zu unserem Slogan haben wir dann in Denkblasen um den Slogan herum notiert und so unser Kreidebild immer mehr erweitert. Von Zustimmung, über kein Kommentar bis hin zu totaler Ablehnung haben wir alles gehört. Es waren Stimmen dabei, die das Thema Klimaschutz nach wie vor sehr wichtig und längst noch nicht ausreichend umgesetzt finden. Es gab aber ebenso Stimmen, denen das Thema egal ist oder denen es auf die Nerven geht. Wir fanden es echt spannend mit den verschiedenen Menschen kurz ins Gespräch zu kommen und als Gruppe ein Zeichen zu setzen. Für den Abend haben wir uns dann Pizza geholt und gemeinsam beim Utopien-Abend mitgemacht. Insgesamt war‘s echt cool und hat hybrid total gut funktioniert für uns!

BREMEN

Nachdem die ersten technischen Probleme am Freitagabend behoben waren, trafen wir uns zunächst in einer kleinen Runde. Zu sechst versuchten wir kreative Antworten bei einer digitalen Form von „Stadt-Land-Fluss“ zu finden. Dabei lernten wir nicht nur unsere Bremer Brot-für-die-Welt-Jugend, sondern auch alle anderen Ortsgruppen besser kennen. Anschließend haben wir bei veganer Pizza Ideen für unsere Straßenaktion gesammelt, die am nächsten Tag stattfinden sollte.

Am Samstag Morgen war das Forum Kirche, eine alte, imposante Villa, schon früh voller Leben. Denn die unterschiedlichen Räume für die Workshops mussten mit Laptops ausgestattet werden. Und da es ja zu langweilig gewesen wäre, wenn alles reibungslos verlaufen wäre, tauchte unser Zoom-Bild zwischenzeitlich mal auf dem Kopf auf oder verschwand gänzlich. Aber auch diese kleinen Hindernisse überwanden wir schnell. Unsere neu formierte Ortsgruppe wartete nun gespannt auf den offiziellen Beginn von Youthtopia 2020. Nach den ersten Infos und der Einführung ins Thema, teilten wir uns in die unterschiedlichen Räume für die Workshops auf. Die Entscheidung zwischen den Workshops fiel wirklich schwer. Alle drei Expert:innen gaben spannende Einblicke in ihre Felder und zeigten Problematiken, Fragestellungen, Auswirkungen, aber auch Projekte im Rahmen von Klimaungerechtigkeit auf. Nachdem wir am Vormittag also viel Input bekommen hatten, wurden wir nach den Workshops schnell aktiv, denn der Nachmittag war nicht mehr weit entfernt und die Plakate mussten erst noch geschrieben werden. Trotz des Zeitdrucks schafften wir es gerade noch pünktlich auf die Treppen des Bremer Doms. In schicker Kleidung und ausgestattet mit Schildern auf denen die Namen deutscher Politiker:innen und großer Unternehmen standen, machten wir es uns in Klappstühlen und FlipFlops gemütlich. Dazu noch ein Gläschen Traubensaft und ein paar Snacks. Wir taten, was unserer Meinung nach Politik und Wirtschaft gegen den Klimawandel und für Klimagerechtigkeit tun: nichts. Über unseren Köpfen hingen währenddessen Plakate, welche die Dringlichkeit der Problematik verdeutlichten: „Pro Minute werden 35 Fußballfelder Regenwald abgeholzt.“ oder „2008 bis 2017 wurden 246,5 Mio. Menschen durch geophysische und klimabedingte Katastrophen vertrieben.“ Und in der Mitte natürlich die große Frage „Und was tun unsere Politiker:innen?“.

Mit Passant:innen kamen wir dabei nur wenig in Kontakt. Immer wieder blieben einige Menschen stehen, beäugten skeptisch die Plakate oder schmunzelten über unsere Rollen, aber gingen dann doch lieber unauffällig weiter. Nach einer Stunde waren wir froh, dass unsere „Plakat-Konstruktion“ dem Wind standgehalten hatte und machten uns mit den Klappstühlen unter den Armen auf den Rückweg. Wieder im Forum angekommen aßen wir leckeres veganes Chili-con-Carne und ließen die Aktion Revue passieren. Dann starteten wir in den Utopien-Abend, bei dem wir in kleinen Gruppen spannende Gespräche darüber führten, was Utopie für uns bedeutet und wie wir uns eine bessere Welt vorstellten. Wir hätten wohl noch Stunden darüber reden können…

Damit endet zwar unser Youthtopia in Bremen, aber bedeutete damit auch den Anfang einer neuen Ortsgruppe, die voller Ideen, Tatendrang und Optimismus steckt!

ERFURT

Nachdem es kurz vor Beginn von Youthtopia in Erfurt noch Probleme mit den Räumlichkeiten gegeben hat, ist die Erfurter Gruppe kurzerhand in eine WG im nördlichen Teil der Stadt ausgewichen und hat hier drei wundervoll inspirierende Tage Youthtopia verbracht.

Am Freitagabend ging es direkt mit einem Online-Teil los. Eine lockere Runde hat sich gegenseitig aus den jeweiligen Orten online zusammengefunden und nach ca. einer Stunde Kennenlernen und einem Klima-Stadt-Land-Fluss wieder verabschiedet. Wir aus Erfurt haben uns dann also offline zu einem gemeinsamen Abendessen in der WG-Küche versammelt und sind dort so sehr in spannendem Austausch und Diskussionen versunken, dass wir keine der vorher gesammelten Ideen zur Abendgestaltung mehr umsetzen konnten.

Entsprechend motiviert haben wir uns dann auch am Samstagmorgen wieder zu den Workshops zusammengefunden. Aufgeteilt auf die verschiedenen Räume haben wir an zwei spannenden Workshops über Klimapolitik und Klimafolgen in Äthiopien teilgenommen. Leider waren eineinhalb Stunden viel zu kurz, um so große Themen in ihrer Gänze abzudecken, und wir hätten noch eine Weile weitermachen können.

Im Anschluss an die Workshops haben wir unsere Straßenaktion vorbereitet. Wir wollten gern Sprüche mit Kreide auf die Straßen schreiben und somit die Erfurter auf die Thematiken von Klimawandel und Klimagerechtigkeit aufmerksam machen. Dazu gehörten Aussagen wie „Der Norden schweigt, der Süden schreit: Klimaungerechtigkeit!“ und „1.5°C – können wir das schaffen?“. Von manchen Menschen haben wir durchaus Reaktionen bekommen – sowohl positive als auch negative. Aufmischen konnten wir mit unseren Sprüchen auch einige Teilnehmer:innen einer Demonstration der irreführenden und verleugnenden Initiative Querdenken auf dem Domplatz. Alles in allem eine geglückte Straßenaktion, die Lust auf mehr gemacht hat.

Am Abend gab es online einen gemeinsamen Austausch über die Straßenaktionen aus den anderen Orten. Danach ging es darum, Utopien einer besseren Welt zu entwickeln. Stichworte wie Gleichheit, Einheit und Liebe sind oft gefallen und haben uns alle nachdenklich und gleichzeitig euphorisch in den Abend entlassen.

Sonntag gab es dann noch die Vollversammlung der Brot für die Welt Jugend, die inkl. der Wahl des neuen Jugendausschusses angedacht war. Gleich zwei Menschen aus der Erfurter Gruppe haben sich zur Wahl aufstellen lassen und sitzen nun gemeinsam mit den acht anderen im neuen Jugendausschuss. Mal sehen, was das neue Jahr für ihn bereithält.