Anpassungsindex
Der Klimawandel trifft die Ärmsten am härtesten. Trotz des Pariser Klimaabkommens, das zu mehr Klimagerechtigkeit beitragen soll, wird zu wenig Anpassungsfinanzierung für den Globalen Süden bereitgestellt. Mehr noch: Ausgerechnet bei denjenigen, die am meisten von der Klimakrise betroffen sind, kommt das Geld weiterhin nicht an. Das zeigt der Anpassungsindex 2026 von Brot für die Welt.
Die Karte [PDF] basiert auf der im Zeitraum 2017-2023 zugesagten Anpassungsfinanzierung der Länder pro Kopf und setzt diese ins Verhältnis zum Klimarisiko.
Die fünf Kategorien des Anpassungsindex
Länder der ersten Kategorie erhalten einen Anteil an der internationalen Klimafinanzierung, der größer ist, als es ihrem Klimarisiko entspricht. Im CAFI 2026 fallen nur zwei Länder in diese Kategorie: Tuvalu und Nauru. Beide sind kleine Inselstaaten. Ihre guten Indexwerte bedeuten jedoch nicht, dass ihre tatsächlichen Anpassungsbedarfe gedeckt sind.
Länder dieser Kategorie erhalten einen Finanzierungsanteil, der ihrem Klimarisiko in etwa entspricht. Damit können sie Anpassungsmaßnahmen wie Hochwasserschutz, klimaresiliente Landwirtschaft oder Frühwarnsysteme auf den Weg bringen. Nur acht der 129 untersuchten Länder gehören in diese Kategorie, darunter mehrere kleine Inselstaaten.
Länder der dritten Kategorie können dringend nötige Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel nur eingeschränkt umsetzen. Für diese Länder wird es aufgrund fehlender Mittel schwieriger, sich vor extremen Wetterereignissen zu schützen. 27 Länder fallen in diese Kategorie, zum Beispiel Peru, Kolumbien oder Sri Lanka.
Viele dieser Länder sind doppelt betroffen: vom Klimawandel und von großer Armut oder schwachen staatlichen Strukturen. Hier müssen dringend Lösungen gefunden werden, damit mehr Anpassungsmaßnahmen finanziert werden können. Diese Kategorie umfasst 55 Länder, drei mehr als im Vorjahr, darunter zum Beispiel Nepal, Sierra Leone und Bolivien.
Länder der fünften Kategorie sind gemessen an ihrem Klimarisiko am stärksten unterfinanziert. Hier brauchen die Menschen am dringendsten die Unterstützung der Staatengemeinschaft. Doch ausgerechnet sie erhalten im Verhältnis zu ihrem Klimarisiko die geringste Klimaanpassungsfinanzierung. 37 Länder umfasst diese Gruppe, zum Beispiel Afghanistan, Tschad, Südsudan, Somalia, Niger, Mali und Jemen.
Video: Was der Anpassungsindex in Bezug auf Klimagerechtigkeit untersucht
Im Fokus: Fidschi
Anpassungsfinanzierung? Was ist das?
Die finanzielle Unterstützung der Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern. Sie ist Teil der Klimafinanzierung, zu der andererseits der Klimaschutz gehört. Sie hilft Ländern im Globalen Süden, sich besser an veränderte Bedingungen durch den menschengemachten Klimawandel anzupassen. Mit dem Geld können sich die Länder zum Beispiel vor Überschwemmungen schützen oder ihre Landwirtschaft an das veränderte Klima anpassen. Solche Anpassungsmaßnahmen sind zum Beispiel der Bau von Schutzdämmen oder angepasste landwirtschaftliche Anbaumethoden. Es ist ein wichtiger Bestandteil der internationalen Bemühungen, dem Klimawandel zu begegnen.
Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) legte bereits 1992 fest, dass die Industrieländer die ärmeren Länder bei der Finanzierung einer klimafreundlichen Entwicklung und der Anpassung an den Klimawandel unterstützen sollen. Begründet wird dies mit der Verantwortung der Industrieländer für den Klimawandel und ihrer hohen Wirtschaftskraft. Seitdem versucht die Staatengemeinschaft in den UN-Klimaverhandlungen, den internationalen Klimaschutz voranzubringen. Mit dem Pariser Abkommen von 2015, in dem beschlossen wurde, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wurde ein großer Schritt getan. Dieses Abkommen unterstreicht die Bedeutung der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen.
Die Anpassungsfinanzierung wird von verschiedenen Akteuren getragen. Dazu gehören vor allem die Industrieländer, die durch Abkommen wie die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) von 1992 zur Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern verpflichtet sind. Daneben spielen multilaterale Fonds eine Rolle, darunter der Green Climate Fund (GCF) und der UN-Anpassungsfonds. Aber auch private Investoren und Initiativen leisten einen wachsenden Beitrag.
Bei der Anpassungsfinanzierung gibt es Fortschritte, aber es bleiben Herausforderungen. Auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP15) der UN-Klimarahmenkonvention in Kopenhagen 2009 verpflichteten sich die Industrieländer, ab 2020 jährlich insgesamt 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern bereitzustellen. Das Ziel wurde im Pariser Klimaabkommen auf der COP21 in Frankreich bestätigt und bis 2025 verlängert. Auf Wunsch der Industrieländer erstellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit 2015 regelmäßig Fortschrittsberichte in Bezug auf dieses Ziel. Demnach haben die Industrieländer ihr Versprechen im Jahr 2020 und 2021 nicht gehalten und weniger Geld bereitgestellt. Erst im Jahr 2022 konnten sie ihr Versprechen halten und die 100 Milliarden-Marke durchbrechen, indem sie 115.9 Milliarden US-Dollar mobilisierten.
Der Vorwurf, dass sie ihre Beiträge besser erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind, steht weiterhin im Raum. Kritisch ist auch, dass ein erheblicher Teil der bereitgestellten Mittel in Form von Krediten vergeben wurde. Dies birgt die Gefahr, dass die Verschuldung der Empfängerländer weiter zunimmt.
Klimaanpassungsfinanzierung ist die Bereitstellung finanzieller Mittel durch die Verursacher des Klimawandels zur Unterstützung von Menschen im Globalen Süden, die stark betroffen sind durch die Klimakrise, aber selbst nicht dazu beigetragen haben. Maßnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels werden dadurch finanziert. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass die Verursacher der Klimakrise, unter Berücksichtigung der historischen Verantwortung, bedarfsgerechte Klimafinanzierung bereitstellen und die besonders betroffenen Länder, die am stärksten unter der Klimakrise leiden, ausreichend unterstützen. Es muss sichergestellt werden, dass diejenigen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, aber den höchsten Klimarisiken ausgesetzt sind, einen gerechten Anteil haben an der Klimafinanzierung.
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