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von Astrid Berner-Rodoreda, HIV-Beraterin bei "Brot für die Welt"
Vom 8. bis 10. Juni haben im Rahmen des Gipfels der Vereinten Nationen zu HIV und Aids rund 3000 Delegierte, darunter über 30 Staatschefs und Vizepräsidenten in New York Bilanz gezogen zu den HIV-Interventionen der letzten zehn Jahre sowie neue Zielsetzungen für die nächsten 5 Jahre vereinbart.
Die politische Erklärung sieht vor, dass bis 2015 15 Millionen Menschen die Behandlung mit anti-retroviralen Medikamenten erhalten, dass die sexuelle Übertragung des Virus sowie die Übertragung über intravenösen Drogengebrauch bis 2015 um 50 Prozent zurückgeht, dass die Mutter-zu Kind Übertragung bis 2015 eliminiert wird. Auch soll die Finanzierungslücke von sechs Milliarden US-Dollar pro Jahr geschlossen werden und Staaten werden aufgefordert, ihren Versprechen nachkommen – die finanzkräftigen Staaten, das vereinbarte 0,7 Prozent Ziel für die EZ aufzubringen, afrikanische Staaten, die Abuja Deklaration von 2001 umzusetzen und 15 Prozent ihres Staatshaushalts für Gesundheit auszugeben.
Die Deklaration enthält wichtige Aussagen und Zielsetzungen bis 2015 und deckt vom Gender- bis zum Handelsbereich vieles ab, wenn auch einige Stellen vage formuliert sind. Es ist auch gut und richtig, die finanziellen Versprechen und Vereinbarungen zu wiederholen. Aber die Frage bleibt: geht es hier um ein Verschieben der Ziellinie von 2010 auf 2015, um Zeit zu gewinnen oder ist es der internationalen Gemeinschaft wirklich ein Anliegen, in den nächsten viereinhalb Jahren die benötigten Ressourcen zur Verfügung zu stellen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die so notwendigen Fortschritte in der Prävention und Behandlung sowie in der Stärkung der Rechte HIV-positiver Menschen zu machen?
Weder im Zugang zu anti-retroviraler Behandlung noch im akkuraten Wissen über HIV bei Jugendlichen wurden bisher mehr als 40 Prozent erreicht. Es liegt demnach noch ein langer Weg vor der internationalen Gemeinschaft, um den universellen Zugang zu realisieren. Auch sind nationale Präventionsbemühungen nicht immer optimal auf die Epidemie eines Landes zugeschnitten, wie Partner von Brot für die Welt kürzlich in Bangladesch feststellten. Worte und Deklarationen allein, so wichtig sie sind, helfen den 9 Millionen Menschen, die noch keinen Zugang zu Behandlung haben, nicht weiter und bilaterale Handelsabkommen erschweren den lebenslangen Zugang zur Behandlung für die sechs Millionen Menschen, die schon unter anti-retroviraler Therapie sind. Die politische Deklaration dieses High-Level Meetings wird sich an den daraus resultierenden Taten messen lassen müssen. Ein weiteres "move the goal-post" darf sich die internationale Gemeinschaft nicht mehr leisten. Es sind schon über 30 Millionen Menschen an Aids gestorben – jedes weitere Leben gilt es mit allen geeigneten Maßnahmen und Möglichkeiten zu retten.