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In der indonesischen Provinz Papua steigt die Zahl der HIV-Infizierten rasant an – nicht nur unter Risikogruppen wie Prostituierten oder Straßenkindern. Durch Aufklärungsarbeit will die Hilfsorganisation YPKM die Ausbreitung des Virus stoppen.
Annik Srihartini hat eine Verabredung mit ihrer Vergangenheit, wie jede Woche. Die Stufen sind steil, die Frau keucht und bleibt stehen. Langsam spüre sie ihr Alter, sagt sie und lacht. Sie blickt hinunter auf Tannak 1.000, den Ort der tausend Stufen, wie die illegalen Bordelle am Rande der Hafenstadt Jayapura in der Provinz Papua genannt werden. Vor den Sex-Salons sitzen einige Prostituierte und warten auf Kundschaft. Als Annik an ihnen vorbeigeht, winken sie ihr zu. Die Frauen kennen sich.
Aufklärung, Vorsorge und Nachsorge
Annik Srihartini ist seit einem Jahr Sozialarbeiterin bei der lokalen Hilfsorganisation YPKM, dem "Verein zur Förderung des Öffentlichen Gesundheitswesens". YPKM wurde 1993 gegründet, weil sich immer mehr Menschen in der Provinz Papua mit dem HI-Virus infizierten. YPKM bekämpft die Seuche mit einem ebenso einfachen wie wirksamen Rezept: Aufklärung, Vorsorge und Nachsorge. Ein Heer von Sozialarbeitern und freiwilligen Helfern zieht durch die Städte und die Provinz, klärt Prostituierte und Straßenkinder auf, spricht mit Pastoren, Beamten, Politikern. Sie überreden zu HIV-Tests, verteilen Kondome, bilden kirchliche Mitarbeiter weiter und beraten die lokalen Behörden.
Reden über Syphilis und Aids
In ihrem alten Leben arbeitete Annik selbst als Prostituierte. Die Frauen, die ihr zuwinken, vertrauen ihr, weil sie eine von ihnen ist, weil sie geblieben ist, um ihnen zu helfen. Dreimal in der Woche versammelt sie die Frauen und Mädchen um sich. Dann sitzen sie auf einer Veranda und reden über Verhütung und Geschlechtskrankheiten, von denen die meisten der Frauen noch nie zuvor gehört haben: Tripper, Herpes, Syphilis. Vor allem aber sprechen sie über die Gefahren von HIV/Aids. Wie man sich ansteckt und sich schützen kann. Dass man auf jeden Fall Kondome benutzen soll – auch wenn die Freier es anders wünschen und mehr dafür bezahlen wollen. Am Ende dieser Gespräche verteilt Annik Srihartini Kondome und sagt: "Euer Leben ist mehr wert als ein paar lumpige Rupien."