Bild: UNAIDS/ONUSIDA 2011
Armut wird immer wieder als Argument für die Verbreitung von HIV/AIDS in Afrika aufgeführt. Es heißt: Arme Menschen können sich Kondome nicht leisten und finanzielle Notlagen können zu Prostitution führen. Dadurch könne sich der Virus besonders effektiv in weiten Teilen der Bevölkerung ausbreiten.
Es sind aber nicht nur die Ärmsten der Armen betroffen, sondern auch wirtschaftliche Eliten. Die Länder mit den höchsten HIV -Raten sind die, die im afrikanischen Vergleich wirtschaftlich gut dastehen. Auch wenn Arme von der Krankheit betroffener sind, kann dies allein nicht die unterschiedliche Verteilung von HIV und Aids erklären.
Unzureichende medizinische Gesundheitssysteme haben sehr wahrscheinlich einen Einfluss auf die Verbreitung der Krankheit. Zu Beginn der Epidemie gab es im Afrika südlich der Sahara zu wenig gut ausgebildete Ärzte und Pflegepersonal. Das ist teils auch heute noch so. Vor allem in abgelegenen Regionen gibt es großen Verbesserungsbedarf bei den Gesundheitssystemen. Während in den reichen Ländern hauptsächlich abgrenzbare Risikogruppen HIV-positiv sind (Drogenabhängige, Prostituierte und Schwule), sind es in Afrika breite Bevölkerungsschichten. Dies macht eine gezielte Hilfe, etwa mit Aufklärungs- und Präventionskampagnen, schwerer.
Der Begriff "Modernisierung" fasst unterschiedliche Ursachen für die starke Ausbreitung des Virus im Afrika südlich der Sahara zusammen:
- Handel und Warenverkehr haben in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen, deswegen sind mehr Lastwagen auf den Fernstraßen unterwegs. Es ist nachgewiesen: Das HI-Virus breitete sich entlang der Fernfahrerrouten aus. Infizierte Lkw-Fahrer brachten Aids mit in ihre Heimatorte. Außerdem infizierten sie Prostituierte. So breitete sich das Virus auch in den Handelszentren aus.
- Immer mehr Menschen ziehen in der Hoffnung auf Arbeit und Wohlstand in die Städte. Doch das Leben dort ist für sie schwierig: Die Wohnungsverhältnisse sind schlecht; Hunger und Krankheiten prägen den Alltag. Die Menschen sind dadurch anfälliger für Aids.
- Außerdem ist das Leben in der Stadt anders als im Dorf: Kultur ändert sich, traditionelle Autoritäten haben nicht mehr das Sagen, und die herkömmlichen Rollen von Männern und Frauen verschwimmen. In diesem Umfeld kann sich das HI-Virus besonders gut verbreiten.
Der vielleicht wichtigste Grund für die Verbreitung von Aids in Afrika südlich der Sahara, so eine weitere These, liegt im historischen Verlauf der Krankheit. HIV ist demnach in Afrika weit verbreitet, weil es dort die längste Zeit zur Ausbreitung hatte. Noch nicht sicher ist, wann das Virus zum ersten Mal einen Menschen infizierte. Nachgewiesen ist, dass das Virus bereits in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Menschen in Afrika südlich der Sahara befiel. Das HI-Virus konnte sich also unerkannt mehrere Jahrzehnte lang ausbreiten. Dazu kommt, dass anfänglich die gestiegene Zahl der Toten nicht dem HI-Virus zuzuordnen waren – die Todesursachen passten zu Krankheiten, die die Menschen kannten, wie Tuberkulose. Denn HIV tötet nicht direkt, sondern schwächt das Immunsystem.
Vorbeugung: In den 90er-Jahren ging es bei Hilfsprojekten und Aids-Programmen vor allem um Aufklärung. Fachleute predigten das "ABC" der Prävention (Abstain, Be Faithful, Condomise – Enthaltsam sein, treu zum Partner sein, Kondome benutzen). In Radio und Fernsehen, in Schulen und auf Plakaten wurde versucht, die Bevölkerung auf das Thema hinzuweisen und dadurch Neuansteckungen zu verringern. In einigen afrikanischen Ländern wie Uganda funktionierte das – in anderen blieb der Erfolg weitestgehend aus. Plakate und Informationsbroschüren waren dort oft auf Englisch; sie berücksichtigten die lokale Kultur nicht. Einige Botschaften vermittelten sogar einfalsches Bild und führten damit zu einer Diskriminierung der Betroffenen: So waren beispielsweise auf Plakaten Bilder von offenen Gräbern zu sehen. Sie führten zu der Vorstellung, dass HIV-Infizierte eigentlich so gut wie tot seien.
Medikamente: Wichtig im Kampf gegen Aids sind antiretrovirale Medikamente (ARVs). Sie können das Virus nicht zerstören, es aber soweit unterdrücken, dass ein Leben trotz Infektion möglich ist. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sanken die Preise der Medikamente deutlich – damit wurden sie auch in Afrika erschwinglich. Die Weltgesundheitsorganisation will den Einsatz von ARVs weltweit ausbauen. Erste afrikanische Länder bieten bereits flächendeckende ARV-Programme an. Sie sind wirkungsvoll – es liegt nun an der Weltgemeinschaft, dieses Vorhaben politisch und finanziell zu unterstützen.
Vollständige Auslöschung des Virus: In den Medien gibt es immer wieder Meldungen über angebliche Erfolge im Kampf gegen HIV und Aids. Forscher und Pharmaunternehmen arbeiten an einer Impfung. Doch einen Wirkstoff gegen das Virus gibt es noch nicht. Fachleute sind sich nicht einig, ob es jemals einen solchen Impfstoff geben kann. Damit ist klar: Solange es keine Impfung gibt, stehen Vorbeugung und Medikamente im Mittelpunkt.